Ein Wald, der nicht alt wird

Der Forstingenieur Andreas Zingg hat eine neue Art der Waldbewirtschaftung lanciert. Dabei verjüngt sich der Wald ständig und nicht auf einen Schlag. Nun ist Zingg bei seiner Basadinger Versuchsfläche geehrt worden.

Dieter Ritter
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Andreas Zingg (rechts) erklärt bei der Versuchsfläche Vorhegi, was einen Plenterwald ausmacht. (Bild: Dieter Ritter)

Andreas Zingg (rechts) erklärt bei der Versuchsfläche Vorhegi, was einen Plenterwald ausmacht. (Bild: Dieter Ritter)

BASADINGEN. Forstingenieur Andreas Zingg hat sich für den Plenterwald stark gemacht. Diese Woche verlieh ihm die Stiftung Pro Silva Helvetica in Basadingen die silberne Kasthofer-Medaille. Das Plenterprinzip strebt eine natürliche Waldentwicklung an, die sich an Standortverhältnissen orientiert.

Bäume aller Art

Ein Plenterwald ist ein sich stetig verjüngender Dauerwald. Auf kleinen Flächen finden sich Bäume aller Grössenordnungen. Er gleicht einem Urwald, ist aber bewirtschaftet. Zingg führte als Projektleiter bestehende Versuchsflächen weiter und richtete neue ein. Mit vielen Veröffentlichungen liess er die forstliche Praxis an seiner Forschung teilhaben, so auch in Basadingen. Hier stürzt sich Revierförster Walter Ackermann bei der Bewirtschaftung auf Zinggs Daten. Arthur Sandri, Präsident des Stiftungsrates von Pro Silva Helvetica, begrüsste die Gäste und Medienvertreter beim Rastplatz Vorhegi am Waldrand südlich von Basadingen, wo sich eine Versuchsfläche befindet. Es kamen Fachleute aus der ganzen Schweiz, darunter Delegierte der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL aus Birmensdorf und des Bundesamtes für Umwelt Bafu. Sandri ist Chef der Sektion Naturgefahren beim Bafu und ist damit auch für Schutzwälder zuständig. Zingg arbeitet beim WSL in der Waldwachstumsforschung. Obwohl er kürzlich am Knie operiert wurde und an Stöcken ging, liess er sich den Besuch im Wald nicht nehmen.

Paradies für Laubfrösche

Revierförster Ackermann führte die Gesellschaft durch den Wald zur Versuchsfläche Vorhegi. Unterwegs rühmte er mit unverkennbarem Stolz, wie über Generationen ein Laub-Mischwald entstand, der gleichzeitig nachhaltige Holzproduktion, Biodiversität, Schutz des Grundwassers und Erholungsraum bietet. Den Wertzuwachs eines riesigen Baumes, Ackermann schätzt sein Alter auf 200 Jahre, beschrieb er: «Man kann die Hunderternoten sehen, die sich jährlich darum legen.» Der Orkan Lothar im Dezember 1999 habe auf zwei Hektaren eine offene Fläche gebildet. Dort liess die Gemeinde Teiche ausbaggern. Heute seien dort viele Laubfrösche zu beobachten.

Christian Küchli vom Bafu sprach über die Geschichte der Gegend. Schlatt und Schlattingen seien in Rodungsinseln entstanden. Schlatt sei sprachlich auf Holzschlag zurückzuführen.