Ein Vorzeigemodell für Japan

ISELISBERG. Eine Gruppe Energie- und Baufachleute aus Japan hat in Iselisberg eine Passivsiedlung besichtigt. Im Land der aufgehenden Sonne steckt energie- und umweltbewusstes Bauen noch in den Kinderschuhen.

Evi Biedermann
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Architekt Pierre Honegger aus Herdern erklärt japanischen Bau- und Energiefachleuten ein dreifach verglastes Fenster. Auch Schreiner Klemens Wägeli hört zu. (Bild: Evi Biedermann)

Architekt Pierre Honegger aus Herdern erklärt japanischen Bau- und Energiefachleuten ein dreifach verglastes Fenster. Auch Schreiner Klemens Wägeli hört zu. (Bild: Evi Biedermann)

Nur zwölf zertifizierte Passivhäuser stehen in Japan, in der Schweiz sind es insgesamt 2966. In beiden Ländern gibt es aber eine IG Passivhaus. Da indes hat Japan mit rund 100 Mitgliedern die Nase vorn. Die IG Passivhaus Schweiz zählt 84 Mitglieder. Die beiden Informationsgemeinschaften pflegen seit ein paar Jahren einen regen Erfahrungsaustausch; bei ihrem letzten Besuch im Jahr 2012 besichtigten die Japaner Fachleute eine Minergie-P-Siedlung in Aadorf.

Die Gründung der IG Passiv House Japan geht auf Pierre Honegger zurück, Präsident von IG Passivhaus Schweiz. «Ich hatte immer wieder Anfragen von einer japanischen Journalistin, die in der Schweiz lebt. Sie wünschte Informationen über energiesparendes Bauen», erklärt der Architekt aus Herdern.

Mit Kamera und iPad

Honegger lernte die Journalistin kennen, und auch bald schon eine Gruppe japanischer Energie- und Baufachleute, für die sie als Dolmetscherin fungierte. «Irgendwann habe ich ihr vorgeschlagen, in Japan die Gründung einer IG Passivhaus voranzutreiben», erinnert er sich an die ersten Schritte.

Die Journalistin ist auch als Übersetzerin dabei, als diese Woche eine Delegation der japanischen IG die Passivsiedlung besichtigen, die Pierre Honegger auf dem Iselisberg in Zusammenarbeit mit der ortsansässigen Schreinerei Otto Wägeli AG erstellte. Ausgerüstet mit Kamera, iPad und Notizblock erkundeten die Bau- und Energiespezialisten jedes ihnen zugängliche Detail und staunten über die Qualität und den hohen Standard der Schweizer Bauwirtschaft. Dass Dachfenster bei uns dicht sind, führte zu einer kleinen «internen Diskussion». «Dachfenster sind in Japan nicht langlebig», fasste die Journalistin den kurzen Wortwechsel zusammen.

Importierte Bauteile

Das Interesse für Passivhäuser sei in ihrem Heimatland vorhanden, erklärten die Japaner Fachleute. Rund 70 Prozent der Bevölkerung wohne in einem Haus, die meisten sogar im eigenen. Das Problem jedoch sei die Beschaffung der Materialien. «Viele Bauteile wie etwa Fenster mit Dreifachverglasung müssen aus Europa importiert werden.» Das verteure das ohnehin bereits teure Produkt. Auch fehle es noch an Wissen und an Erfahrung im eigenen Land. Ausserdem seien die klimatischen Bedingungen in Japan anders als in Europa.

Die Frage, was man mit dem Energie-Standard erreichen wolle, beantwortete Stefan Mischler von Energie Fachleute Thurgau wie folgt: «Damit wollen wir möglichst viel Energie sparen, günstiges Wohnen ermöglichen und dabei energiemässig nicht abhängig sein.»