Ein Virus bricht sich Bahn

STEIN AM RHEIN. Wegen Noroviren bleibt das Alters- und Pflegeheim in Stein am Rhein diese Woche noch für die Öffentlichkeit geschlossen. Die anderen Heime am Untersee sind nicht betroffen. Wie ansteckend Noroviren sind, weiss Infektiologe Martin Krause.

Gudrun Enders
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Hilfe von Hand zu Hand reicht Noroviren völlig aus, um ein neues Opfer zu finden. (Bild: Reto Martin)

Hilfe von Hand zu Hand reicht Noroviren völlig aus, um ein neues Opfer zu finden. (Bild: Reto Martin)

«Noroviren sind extrem ansteckend und die Symptome eindrücklich.» Das sagt Martin Krause, Infektiologe und Chefarzt der medizinischen Klinik am Spital in Münsterlingen. Wer Noroviren erwischt hat, bei dem setzt das Erbrechen explosionsartig ein. Dabei gelangen wohl Viruspartikel in die Luft und Nebenstehende kann es schon erwischen. Die Ansteckung über die Luft wird vermutet, die über die Hände ist erwiesen. Auf jeden Fall reichen wenige Noroviren, um Erbrechen und Durchfall auszulösen. «Manche Patienten fühlen sich so krank, dass sie sogar sterben wollen», sagt Krause aus Erfahrung. Aber die Symptome verschwinden schnell.

Allerdings können die Genesenen noch bis zu zwei Tage andere anstecken. «Die Ansteckungsgefahr ist dann schon geringer», sagt Krause. Wer aber auf Nummer sicher gehen und die eigene Firma nicht lahm legen will, bleibt noch ein oder zwei Tage zu Hause, selbst wenn er sich wieder recht fit fühlt.

Epidemien sind typisch

Typisch für Noroviren ist, dass sie regelmässig Epidemien in Spitälern und Pflegeheimen auslösen – wie zurzeit in Stein am Rhein. Für Infektiologe Krause ist im Spital wichtig, dass diese Patienten sofort erkannt und isoliert werden. Noroviren lassen sich mittels Labortests nachweisen. Das Pflegepersonal schützt sich mit Maske, Handschuhen und Schürzen. Der Normalbürger dagegen hält sich am besten von Erkrankten fern und wäscht sich häufiger die Hände. Wer doch erwischt wurde, der bleibt laut Krause nicht dauerhaft immunisiert. Man kann in den folgenden Wintern wieder erkranken, den typischerweise zirkulieren Noroviren im Winter.

Kranke erholen sich rasch

Die Prognose für Erkrankte ist gut, sie erholen sich rasch. Anders sieht das Krause für Menschen, die bereits mit Krebs oder Herz/Kreislauf-Problemen kämpfen Für sie können Noroviren gefährlich werden.

Bleiben die Pflegeheime am Untersee vom Norovirus verschont? «Wir hoffen, es zieht an uns vorbei», sagt Pflegeexpertin Sandra Zingg vom Perlavita Neutal in Berlingen. Mit einer Noro-Infektions-Box ist man dort vorbereitet. Auch Steckborner Heimleiterin Rosmarie Keller hat bislang noch nie Probleme mit einer Noro-Epidemie gehabt. Auch sie wären gerüstet. Im Steiner Pflegeheim, in dem einige Eschenzer leben, geht es aufwärts, wie gestern telefonisch zu erfahren war. Allerdings bleibt das Heim sicher bis Ende der Woche für Aussenstehende noch geschlossen.

Norovirus unterm Elektronenmikroskop betrachtet. (Bild: fotolia)

Norovirus unterm Elektronenmikroskop betrachtet. (Bild: fotolia)

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