«Ein Verzicht auf Varroabehandlung gefährdet andere Imker»

Nachgefragt

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Armin Füllemann ist Präsident der Thurgauer Bienenzüchtervereine. Er hält das Experiment für gefährlich.

Herr Füllemann, was halten Sie vom Vorgehen der beiden Bienenhalter?

Der «Hobby-Imker» darf keinesfalls auf eine Varroabekämpfung verzichten. Ein Unterlassen gefährdet nicht nur die Bienen des betreffenden Imkers, sondern wegen der sogenannten Rück­invasion auch die Bienenvölker der umliegenden Imkerkollegen. Es sind zwar viele Bestrebungen im Gange, varroatolerante Völker aufzubauen, die Umsetzung erweist sich aber als schwierig.

Warum?

Weniger als 10 Prozent der Imker züchten selber. Um züchterisch wirklich weiterzukommen, braucht es breit angelegte und wissenschaftlich abgestützte Zuchtprogramme. Dies ist ein langfristiger Prozess, der nicht von heute auf morgen Veränderungen ermöglicht. Weil unsere Bienen erst seit etwa 30 Jahren mit der Varroa leben müssen, haben sie noch keine eigene Abwehrstrategie entwickeln können. Ich habe aber Hoffnung, dass wir Imker irgendwann ohne den Einsatz von organischen Säuren auskommen.

Kennen Sie Imker, die bereits heute ohne Bekämpfungsmassnahmen langfristig Erfolg hatten?

Man hört gerüchteweise, dass es solche gibt. Die grosse Frage dabei ist aber immer, ob der Erfolg wirklich auf einem Vorgehen beruht, welches auch andere Imker übernehmen könnten. Oder ob es eher Zufall respektive Glück ist, dass die Völker ein paar Jahre ohne Behandlung überleben. Sehr entscheidend ist sicherlich, wie lange die Völker dann tatsächlich gesund bleiben und wie sie sich ohne Bekämpfung entwickeln. Ein Zeithorizont von zwei bis drei Jahren ist für eine Beurteilung zu kurz.

Was rät der Imkerverband im Kampf gegen die Varroamilbe?

Wichtig ist ein ganzheitliches Betriebskonzept, welches nicht nur die Varroa­bekämpfung umfasst, sondern auch die gezielte Auslese für die Zucht, Jungvölkerbildung usw. Der Bienengesundheitsdienst leistet hier wertvolle Arbeit.

Der Bundesrat will vorderhand auf eine Pflicht der Imker zur Varroa­bekämpfung verzichten. Haben Sie Verständnis dafür?

Ja, die Ergebnisse des Betriebskonzept-Praxistests sollen erst abgewartet werden. Danach folgt der Entscheid des Bundesrates. Die Imker setzen sich stark dafür ein, dass eine verpflichtende Varroabehandlung eingeführt und für die Haltung von Honigbienen eine minimale Grundausbildung zur Pflicht wird. Denn nur Imker mit Kenntnissen in der Bienenhaltung sind in der Lage, das ganzheitliche Betriebskonzept umzu­setzen. (mso)