Ein Treffen mit abgefahrenen Autos

Die Playstation im Kofferraum, eine Hi-Fi-Anlage mit mehreren tausend Watt Leistung, ein Samuraischwertgriff für die Gangschaltung: Die Tuningszene traf sich Samstagnacht in Tägerwilen. Zu sehen waren Hunderte von Autos, an denen viel geschraubt worden ist.

Lukas Gerzner
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Es sind auch die ästhetischen Details, die für die Tuner den Unterschied machen. (Bild: Donato Caspari)

Es sind auch die ästhetischen Details, die für die Tuner den Unterschied machen. (Bild: Donato Caspari)

TÄGERWILEN. Fast ein wenig wie «Fast and Furious»: Die sechste «Tuning Night Tägerwilen» vom Samstag liess viele Männer- aber auch Frauenherzen höher schlagen. Dieses Jahr waren 745 stark bis weniger stark modifizierte Autos gekommen – rund 100 mehr als letztes Jahr. Das grosse Zecchinel-Areal platzte aus allen Nähten.

«Das Spezielle an diesem Treffen ist, dass es kein Tuning-Tag, sondern eine Tuning-Night ist, Autos mit Neon- oder LED-Beleuchtung kommen auch auf ihre Kosten», sagt OK-Präsident Marcel Erne, Präsident des Tuning Clubs Tuning Society. «Das Interesse an der Tuning Night hat von Jahr zu Jahr zugenommen, nun kommen wir schon wieder in Platznot.»

Aus Tschechien angereist

Denn auch international zog das Treffen. Viele Aussteller aus Deutschland waren da. Aber auch aus anderen Ländern kamen private Tuner: Pavel Becvarík kommt aus der Nähe von Prag und ist 750 Kilometer angereist. Sein Auto ist auf Hi-Fi-Anlagen spezialisiert, dass heisst, es soll laut sein. An jeder möglichen Stelle im Innern seines Autos ist eine Box zu sehen. Insgesamt kommt die Anlage auf mehrere 1000 Watt Leistung, was das Bier selbst aus zwanzig Metern Entfernung zum Zittern bringt.

Becvarík wäre ein Anwärter auf eine der fünf Prämierungen des Abends, die Top 3 Hi-Fi geworden, wollte aber diesmal nicht mitmachen. Ein weiterer Preis war die Top 3 Exhaust, auch hier ging es um Lautstärke, aber diejenige des Auspuffs. Die Tuner konnten die Lautstärke ihres Auspuffs an einer Teststelle prüfen. Ebenfalls testen konnte man die Leistung des Autos auf einem mobilen Leistungsprüfstand.

Doch die Motormodifikation stand bei vielen Ausstellern nicht an erster Stelle. Es sind die ästhetischen Details, die den Unterschied machen sollen. «Ich möchte das Auto so verändern, dass es mir gefällt», sagt Jacqueline Rüegg. Die Tunerin aus Wädenswil ist bekannt in der Szene und beweist, dass Tuning schon längst keine reine Männerdomäne mehr ist. Sie geht jede Woche an ein Treffen und muss sich jeweils für eines ihrer beiden Autos entscheiden. In Tägerwilen war sie mit ihrem pinken Honda Civic, der so speziell und detailreich getunt ist, dass er zur «Special area» der Tuning Night gehörte. «Details wie zum Beispiel den versetzten Tankdeckel findet man sonst nirgends, das macht mein Auto einzigartig», sagt Jacqueline Rüegg. Sie war Anwärterin auf den Preis Top 22 Schweiz der schönsten Autos von Schweizer Ausstellern.

Auch in diese Kategorie gehört der blaue Peugeot 206 von Fredu Iseli aus Utzenstorf. Der hintere Innenraum des Autos ist zu einer Winterlandschaft mit kleinen Bergen und Häuschen umgebaut worden, dazwischen hat es natürlich auch noch Boxen. «Wir sind ab und zu in Frankreich und Deutschland und wollen dort mit diesem Konzept der Schneelandschaft die Schweiz repräsentieren», sagt der Solothurner.

Schwertgriff für die Schaltung

Extravagante Kofferräume sind ein wichtiger Faktor für Tuner. Neben den grossen Hi-Fi-Anlagen und schrillen Lichtern, die schon fast Standard sind, setzen auch viele auf die Möglichkeit, fernzusehen. Autokünstler Kimbo aus Lenzburg hat im Kofferraum seines roten Mazda RX-8 eine Sony Playstation mit roten Controllern und einem 26-Zoll-Bildschirm eingerichtet. «Das passt zum japanischen Auto», sagt der Tuner, während er den originalen Schaltknüppel abschraubt und durch einen Samuraischwertgriff ersetzt.

Für Autos, die sich in keine der anderen Kategorien einordnen liessen, aber trotzdem speziell waren, gab es die Top 5 Special. Dazu gehörte ein detailgetreuer Nachbau des «Knight Rider»-Fahrzeugs. Oder der VW Golf à la «Pirates of the Caribbean»: Ein Skelett sitzt im Kofferraum, die Sitzpolster sind Jutesäcke und das Lenkrad würde eigentlich zu einem Schiff gehören.