Ein Tarif soll es richten

Die Verbrauchsspitze für Strom verschiebt sich vom Mittag in den frühen Abend. Gleichzeitig fällt am Mittag viel Solarstrom an. Die Werkbetriebe halten mit Einheitstarif und Lenkung des Verbrauchs dagegen.

Géraldine Bohne
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Richard Ziegler, Ruedi Brüllhart und Jacqueline Müller verfolgen den Pfyner Stromverbrauch live am Bildschirm. (Bild: Stefan Hilzinger)

Richard Ziegler, Ruedi Brüllhart und Jacqueline Müller verfolgen den Pfyner Stromverbrauch live am Bildschirm. (Bild: Stefan Hilzinger)

«Wir müssen beim Stromtarif eine neue Richtung einschlagen», sagt Jacqueline Müller, Gemeindepräsidentin von Pfyn. Der Strompreis besteht aus einem Teil Energiekosten und einem Teil Netzkosten. Hier schafft die Gemeinde auf Anfang 2017 die Hoch- und Niedertarife ab und führt einen Einheitstarif ein. Bereits anfangs 2016 hatte die Gemeinde diesen Schritt im Teiltarif «Energie» vollzogen.

Die Verbrauchsspitze habe sich vom Mittag in den frühen Abend verschoben. So umgehen die Nutzer die Hochtarife, denn der Abend befand sich in der Niedertarifzone. Das kann man deutlich auf den Auswertungen des Verbrauchs erkennen. In dieser Zeit benutzen die Einwohner so viel Strom, so dass bei den Elektrizitätswerken des Kantons Thurgau (EKT) teure Spitzenenergie gekauft werden muss. Umgekehrt passiert Ähnliches: Durch den Bau von Photovoltaikanlagen fällt ausgerechnet über Mittag viel Strom an, doch Verbraucher fehlen. Dann muss die Gemeinde unter Umständen gar Strom einspeisen, was für sie unnötig Kosten für die Netznutzung mit sich bringt.

Ziel der Gemeinde ist es nun, die Verbrauchsspitze am Abend zu kappen und den Stromverbrauch über den ganzen Tag regelmässiger zu verteilen.

Waschen künftig auch über Mittag

Ab Januar 2017 soll diese Vereinheitlichung der Tarife stattfinden und Sperrzeiten für Waschmaschinen und Geschirrspüler werden abgeschafft. «Wir hatten schon einige Anfragen, ob wir denn nicht die Sperrzeiten abschaffen können», erzählt Müller. Auch Werkechef Ruedi Brüllhardt weiss von solchen Fällen: «Gewisse Personen haben ihre Waschmaschine an nicht gesperrten Steckdosen angehängt, um die Sperre zu umgehen.» Das Aufheben der Tarife und der Sperrzeiten ist jedoch nur ein erster Schritt. Wegen der neuen Verbrauchsspitze am späten Nachmittag sind Wärmepumpen künftig nicht mehr über Mittag gesperrt, sondern in den frühen Abendstunden. Dies hilft die Spitzen zu brechen. Viel verspricht sich die Gemeinde von einer intelligenten Beheizung der Wasserboiler. Die rund 300 Boiler im Dorf werden in sieben Gruppen gestaffelt über den Tag und abhängig vom aktuellen Verbrauch ein- und ausgeschaltet. An Tagen, an denen die Sonne stark scheint, werden die Boiler gar über Mittag aufgeheizt, wenn auch viel Solarstrom anfällt. Die 2015 erneuerte Rundsteuerung und ein Messgerät für die Sonneneinstrahlung am Trafohäuschen helfen bei der Automatisierung der Boilerbewirtschaftung.

Einsparungen von 20 000 Franken

«Nun ist ein guter Zeitpunkt, die Stromtarife anzupassen, da die EKT auch ihre Kosten reduziert haben», erklärt Müller. Mit dem Glätten des Verbrauchs wollen die Werkbetriebe Pfyn 20 000 bis 25 000 Franken einsparen. Dies vor allem bei den Netzkosten während der Spitzenzeiten am Abend. «Es wird keine Verlierer geben, niemand muss mehr zahlen», versichert die Gemeindepräsidentin. Kleine Unternehmen, die jetzt noch zu Hochtarifzeiten beziehen müssen, können sogar profitieren.

Bei der Gemeindeversammlung letztes Jahr haben die Einwohner die Werke angespornt, diesen Weg zu gehen, meint Jacqueline Müller. «Solche Anpassungen müssen über mehrere Jahre vollzogen und beobachtet werden», erklärt Planer Richard Ziegler. Langfristig müssen die Bestimmungen für die Berechnung der Netzkosten angepasst werden, finden Müller und Ziegler. Ziel müsse eine pauschale Gebühr sein. Doch dazu müsse Bundesrecht geändert werden.