Ein stiller Kunsthandwerker Gottes

Franz Prassl stellt Rosenkränze her und bringt ausgediente Exemplare wieder auf Hochglanz. Die Arbeit geht dem in Frauenfeld lebenden Österreicher nicht aus. Gefragt ist besonders sein Reparaturservice.

Evi Biedermann
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Mit Leidenschaft bei der Sache: Franz Prassl an seinem Arbeitstisch. (Bild: Evi Biedermann)

Mit Leidenschaft bei der Sache: Franz Prassl an seinem Arbeitstisch. (Bild: Evi Biedermann)

FRAUENFELD. Kleine Mädchen bekämen strahlende Augen, wenn sie auf Franz Prassls Arbeitstisch wühlen dürften. Die gläsernen Perlen seiner Rosenkranzketten funkeln, die sattfarbenen leuchten, und je nach Lichteinfall blitzt ein kleines silberfarbiges Kreuz oder Medaillon auf.

Vielleicht würde der 75jährige Pensionär den Kindern etwas über die Bedeutung des Handwerks erzählen, das er vor 50 Jahren gelernt hat. Sie würden ihm zuhören, nicht alles verstehen. Dafür aber spüren, dass da jemand aus tiefstem Herzen erzählt. Mit seinem erwachsenen Gegenüber spricht Franz Prassl kaum über das Handwerk. Denn Rosenkranz-Knüpfen ist für den einstigen Bruder der Steyler Missionare Routine. Eine Arbeit, die er seit 15 Jahren fast täglich in seinem Haus an der Gerlikonerstrasse macht. «Mit derselben Begeisterung wie damals im Kloster», sagt der gebürtige Österreicher.

Oktober ist Rosenkranz-Monat

Was sich anhört, als wär's ein Besuch in einem Bastelstübli, hat einen tiefen religiösen Hintergrund. «Der Rosenkranz ist wohl das am weitesten verbreitete katholische Volksgebet», mutmasst Franz Prassl. Wer ihn bete, habe auch immer die Kette dabei. Zum Zählen und als Orientierungshilfe (siehe Kasten).

In der aktuellen Ausgabe des Pfarreiblatts «Forum Kirche» bieten alle Thurgauer Pfarrgemeinden Rosenkranzgebete an. Denn der Oktober wird in der katholischen Kirche aufgrund geschichtlicher Ereignisse als Rosenkranz-Monat gefeiert. Für Prassl ist der Rosenkranz nicht nur Gebet, sondern auch Meditation. Eine Betrachtung nicht nur religiöser Geschehnisse, sondern auch des weltlichen und des eigenen Lebens. «Nimm dir das Eigene», lautet dabei sein persönlicher Grundsatz, «und du wirst Spiritualität erfahren.»

Gelernt hat Franz Prassl Buchbinder, im Kloster der Steyler Missionare, wo er danach Bruder wurde. Sieben Jahre blieb er im österreichischen Stammhaus, dann wurde er als Hausmeister nach Rom versetzt. Nach weiteren drei Jahren folgte der Sprung nach Brasilien, wo er eine klösterliche Buchbinde-Abteilung leitete. «Das war mehr, als ich mir je hätte vorstellen können», sagt er mit glänzenden Augen. Dennoch verliess Bruder Franz das Kloster – kurz vor der letzten Entscheidung, dem Ordensgelübde. «Ich kann auch draussen für die Kirche Gottes etwas tun», sagte sich der damals 27-Jährige und beendete eine erfüllende Zeit. Durch einen glücklichen Zufall traf er bald darauf eine Frau – eine Schweizerin aus Müllheim –, die eben dabei war, mit ihrer Mutter in die Heimat zurückzukehren. Mit ihr kam Franz Prassl 1967 in den Thurgau, wo die beiden als Ehepaar noch immer glücklich vereint sind.

Freude steht über allem

Jeden Tag Rosenkränze knüpfen, da müssen sich Berge ansammeln. «Nein, nein», wehrt Prassl ab, «ich repariere auch viele.» Ein Bekannter habe ihn vor 15 Jahren darauf angesprochen, und seither sei die Nachfrage stetig gestiegen. Eigentlich flicke er fast lieber als neue herzustellen, gesteht er verschmitzt. «Die Freude ist dann jedes Mal geteilte Freude.» Bei den neuen Exemplaren, die er alle verschenkt, ist das nicht immer so. Häufig werden sie vom Empfänger weitergereicht, an jemanden, den Prassl nicht kennt. «Das ist gut so», sagt er und lächelt zufrieden. Stolz ist er auf seine Perlen aus Olivenholz, die ihm die einstige Frauenfelder Pfarreisekretärin Trudy Eichmann seit vielen Jahren aus dem Heiligen Land mitbringt. Auch er war einmal dort und kehrte mit einem Sack voller Perlen aus Bethlehem zurück. «Die Eindrücke der Reise trage ich noch immer im Herzen», sagt der Senior mit bewegter Stimme.