Ein starker Herbstauftakt

Mit Tommy Schneller und Theresa Burnette lud die Bluesfabrik zwei vielversprechende Namen zum ersten Konzert der Herbstsaison nach Münchwilen. Das war vielleicht etwas zu viel des Guten, dennoch entstand eine richtige kleine Party.

Michael Hug
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Mitreissend: Roberto Morbioli, Tommy Schneller und Theresa Burnette sorgten am Donnerstag für einen heissen Blues- und Soul-Abend in der Bluesfabrik. (Bild: Michael Hug)

Mitreissend: Roberto Morbioli, Tommy Schneller und Theresa Burnette sorgten am Donnerstag für einen heissen Blues- und Soul-Abend in der Bluesfabrik. (Bild: Michael Hug)

MÜNCHWILEN. Theresa ist nicht ganz der «Star», als der sie angekündigt wurde. Die ehemalige Gospel- und Backgroundsängerin aus ehemals Nashville/USA versucht seit Jahren in Europa, vornehmlich in Deutschland, als Solosängerin Fuss zu fassen. Klingende Namen wie Mary J. Blige oder Candy Dulfer säumten ihren Weg beziehungsweise säumte Burnette deren Weg als Stimme aus dem Hintergrund. In Deutschland arbeitet sie gerne mit dem Saxophonisten Tommy Schneller zusammen, den sie auf dessen Konzerten an Festivals oder auf Tournée begleitet. Tommy Schneller bedient sich dabei auch solider Begleitmusiker aus der Szene, am vorgestrigen Konzert in der Bluesfabrik präsentierte er sich mit der italienischen Gitarren-Bluesband «Morblus».

Zu viele bekannte Namen

Das Problem mit allzu vielen bekannten Namen auf der Bühne haben die Beteiligten elegant gelöst. Erst spielte «Morblus» ein paar Stücke zum Aufwärmen, dann kam Schneller dazu und feuerte gehörig weiter. Lange, bis kurz vor der Pause, musste das Publikum auf den angekündigten «Star» des Abends warten, Theresa Burnette. Das war vielleicht etwas zu lange. Eben gerade schön in Bewegung gekommen war das Konzert und die Stimmung im Saal, da nahm Burnette etwas die Luft aus dem aufgeheizten Ofen. Die stimmgewaltige Dame hat alles, was es braucht, um ein Publikum mitzureissen: Stimme, Interpretationsfreude und Gespür für «ihre» schwarze, soulige Musik, nur mangelt es ihrer Performance zuvorderst an der Bühnenkante etwas an Charisma. Doch mit «Chain of Fools», bekannt von der grossen alten Dame des Souls, Aretha Franklin, hatte sie das Publikum schnell auf ihrer Seite.

Kreischen, jammern, leiden

Bekanntes funktioniert immer, das war auch in der zweiten Hälfte des Konzerts nicht anders. Wiederum spielte sich «Morblus» und sein höchst emotionaler Frontmann Roberto Morbioli die Finger wund und liess Tommy Schneller sein Saxophon kreischen, jammern und leiden, bevor wiederum Burnette auf die Bühne trat. Doch diesmal schienen die beiden männlichen Exponenten und die Band warm gespielt, diesmal entstand schon beim ersten Stück jene Stimmung, die ein Konzert braucht, um hinterher von «mitreissend» sprechen zu können.

Auch diesmal waren es die dem Publikum geläufigen Songs alter Soul- und Funk-Meister wie Johnny Guitar Watson oder Stevie Wonder, die mit- und diesmal sogar ein paar Zuschauende von den Stühlen rissen. Ja es wurde getanzt, nach mehrmaligem Auffordern von der Bühne wurde getanzt am Rand der Tischzone im Saal. Dazu tat dann auch Theresa Burnette das Ihrige, indem sie der aufgewärmten Stimmung mit ein paar emotional interpretierten Covers den Deckel aufsetzte. «Morblus» ist übrigens bereits am 25. Oktober wieder in der Bluesfabrik zu erleben.