Ein schlechtes Zeichen aus Bern

BICHELSEE. Die Fluglärmgegner verharren auf dem Boden der Realität. Ihre Forderung nach einer fairen Lärmverteilung verhallt in Bundesbern. Denn für den Bundesrat scheinen Südstarts noch immer kein Thema zur Lärmentlastung des Ostens zu sein.

Silvan Meile
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Die Flugzeuge über dem Hinterthurgauer Himmel sorgen weiterhin für Gesprächsstoff. (Bild: Reto Martin)

Die Flugzeuge über dem Hinterthurgauer Himmel sorgen weiterhin für Gesprächsstoff. (Bild: Reto Martin)

Das ist keine Musik in den Ohren der Ostschweizer Fluglärmgegner. Für ihre Forderung nach einer faireren Verteilung des Fluglärms scheint der Bundesrat noch immer kein Gehör zu haben. Statt den Lärm am Himmel über mehrere Gebiete zu verteilen, will Bundesbern diesen offensichtlich weiterhin über bestimmte Regionen kanalisieren, etwa über dem Hinterthurgau und der Region Wil. Das geht aus der Beantwortung der Interpellation «Fluglärmbelastung im Osten des Flughafens Zürich» der Thurgauer Ständerätin Brigitte Häberli hervor. Der Bundesrat vertritt darin den Standpunkt, dass eine breitere Verteilung des Fluglärms eine höhere Anzahl lärmbelasteter Personen zu Folge habe. «Aus Umweltgründen ist deshalb eine Konzentration des Lärms über wenig besiedeltem Gebiet anzustreben», heisst es in der Beantwortung. Das dürfte vor allem im Hinterthurgau frustrieren, während es an der Zürcher Goldküste Freude bereitet.

Noch immer kein Wille spürbar

Für Ständerätin Häberli, die im fluglärmgeplagten Hinterthurgau wohnt, ist die Beantwortung der Interpellation «enttäuschend», weil darin eben die sogenannten Südstarts über die Zürcher Goldküste einmal mehr – wie auch im neuen Betriebsreglement des Flughafens – kein wirkliches Thema sind. Denn im Osten des Flughafens erachtet man mehr Flugbewegungen über den Zürcher Süden als eine mögliche fairere Verteilung des Fluglärms.

Auch die Thurgauer Regierung wird den Eindruck nicht los, dass der Süden ein weiteres Mal geschont wird. «Das ist gar kein gutes Zeichen für den Hinterthurgau», sagt Regierungsrätin Carmen Haag, auf die bundesrätliche Antwort angesprochen. Noch immer sei kein Wille spürbar, den Fluglärm gerechter zu verteilen.

Häberli gibt nicht auf

«Wir sind wieder auf dem Boden der Realität angekommen», sagt Ständerätin Häberli. Sie hatte vom Bundesrat insgeheim auf mehr Verständnis und Sensibilität für die besonders fluglärmgeplagte Region im Osten des Flughafens gehofft. Die Beantwortung ihrer Interpellation ist am 4. Juni der kommenden Session traktandiert. Dann bietet sich für Häberli die Gelegenheit, dieses Thema im Ständerat zu diskutieren und Fragen direkt an Verkehrsministerin Doris Leuthard zu richten, etwa, wie es um den Staatsvertrag mit Deutschland stehe. Auch wird Häberli dann die Frage nach der Beantwortung ihres Postulats stellen. Denn bereits im September 2013 reichte die Thurgauer Ständerätin ein solches ein. Darin wird der Bundesrat aufgefordert, eine Lösung zur fairen Verteilung des Fluglärms rund um den Flughafen Zürich aufzuzeigen. Die nun veröffentlichte Beantwortung der Interpellation könnte ein Vorgeschmack auf den erwarteten Bericht sein. Das legt die Befürchtung nahe, dass darin keine Südstarts in Betracht gezogen und Flugbewegungen weiterhin hauptsächlich über Hinterthurgauer Himmel kanalisiert werden.

Ständerätin Häberli sagt, sie gebe in dieser Fluglärmdiskussion nicht auf: «Ich warte zuerst den Bericht ab und prüfe dann die Möglichkeiten. Man muss alles Mögliche machen. Aufgeben wäre das Schlechteste.»