Ein scharfer Blick aufs Leben

Silvia Oberhänsli aus Wallenwil fotografiert schicksalsgeprüfte Menschen: Ab dem 9. Februar stellt sie ihre Bilder unter dem Titel «C'est la vie» im Kloster Fischingen aus.

Maya Heizmann
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Wallenwil/Fischingen. Puppen bedeuten der Seniorin vom Altersheim Eschlikon viel. Sie hätte gerne eigene Kinder gehabt. Diesen Herzenswunsch hat sie mit etwas ungelenken Buchstaben auf ein Plakat geschrieben. Silvia Oberhänsli hat die Pensionärin fotografiert und erzählt mit ihrem Bild die Lebensgeschichte der älteren Frau. Diese Begebenheit war für die Fotografin aus Wallen der Beginn zu ihrem Fotoprojekt: «C'est la vie».

Im «falschen» Körper

Während 18 Monaten hat Silvia Oberhänsli Personen mit besonderen Schicksalen porträtiert und sie in subtilen und eindrucksvollen Bildern festgehalten. Die 21 Bilder zeigen Menschen mitten aus dem Leben, mitten unter uns. So erzählen sie die Lebensgeschichte von einem Mann, der im «falschen» Körper geboren wurde, von der Mutter, die am Grab ihres Kindes steht, von der Frau, deren Brüste vom Krebs zerstört sind, von der Gehörlosen, die gut ohne Strassenlärm auskommt,

vom Behinderten im Rollstuhl, der gerne für die Türkei im Goal stehen würde oder von der Prostituierten, von der niemand etwas über ihren Beruf weiss. Silvia Oberhänsli hat die Personen in ihrem Umfeld aufgenommen, die klaren Aussagen haben die Menschen selbst formuliert und auf Papier gebracht. «Ich habe versucht, das Innerste des Menschen nach aussen zu kehren», erklärt Silvia Oberhänsli.

Vertrauen dank Gesprächen

Für die Fotografin war es ein Anliegen, die Würde jeder einzelnen Person zu achten. Mit Gesprächen hat sie eine Vertrauensbasis geschaffen und somit den Zugang zu den Menschen gefunden. Sie hat mit ihnen gelacht, aber auch geweint. Silvia Oberhänslis aussagekräftigen Fotografien in Schwarzweiss stellen niemanden bloss, doch sie machen betroffen, sie berühren. «Die Bilder sollen den Betrachter auffordern, hinzuschauen, ohne zu werten», sagt die Fotografin.

Über die Offenheit und den Mut dieser Menschen, die zu sich, zu ihrem Leben und zu ihrem Schicksal stehen, ist der Betrachter erstaunt. «Schicksale können ausgrenzen, aber auch für die Betroffenen neue Chancen bedeuten. So war der fotografische Bericht für die ausgesuchte Person wie eine nochmalige Verarbeitung ihrer Lebensumstände», sagt Silvia Oberhänsli. «Viele waren stolz auf ihre Aussagen.» Die Fotoausstellung im Kloster dauert vom 9. Februar bis 20. März und ist täglich von 8 bis 20 Uhr geöffnet.