Ein Rohstofflager im Abbruchhaus

Der Kanton sieht auf der Baustelle ein ungenutztes Recycling-Potenzial. Materialien aus Bauabfällen sollen vermehrt für andere Bauten wiederverwertet werden. Das schont Rohstoffe und entlastet die ohnehin gefüllten Deponien.

Silvan Meile
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Regierungsrätin Carmen Haag, Beat Baumgartner, Chef des Amts für Umwelt, und Martin Eugster, Leiter der kantonalen Abteilung Abfall und Boden, stellen den aktuellen Abfallbericht des Kantons Thurgau vor. (Bild: Andrea Stadler)

Regierungsrätin Carmen Haag, Beat Baumgartner, Chef des Amts für Umwelt, und Martin Eugster, Leiter der kantonalen Abteilung Abfall und Boden, stellen den aktuellen Abfallbericht des Kantons Thurgau vor. (Bild: Andrea Stadler)

FRAUENFELD. Die höchsten Abfallberge hinterlässt die Bauwirtschaft. Darunter versteckt sich ein riesiges Recycling-Potenzial. Das Thurgauer Amt für Umwelt spricht von einem «grossen Handlungsbedarf» in diesem Bereich. Noch strikter sollen wiederverwertbare Materialien aus Bauabfällen zurückgewonnen und als Baustoffe im Hoch- und Tiefbau wieder eingesetzt werden. Damit könne einerseits der endliche Rohstoff Kies geschont, anderseits der immer knapper werdender Deponieraum eingespart werden, sagt Martin Eugster, Leiter der Abteilung Abfall und Boden. Deshalb erarbeitet der Kanton Thurgau mit Vertretern der Baubranche und der Gemeinden ein Recyclingkonzept für Baustoffe, wie Regierungsrätin Carmen Haag gestern anlässlich der Präsentation des aktuellen Abfallberichts erklärt.

Hohe Anforderung an Qualität

«Die Ressource Baustoff gewinnt laufend an Bedeutung», sagt Eugster. Ein Abbruchhaus soll nicht als Abfall angesehen werden, der auf einer Deponie endet, sondern als Rohstofflager betrachtet werden, erwähnt Regierungsrätin Haag. Nach dem neusten Stand der Technik sollen noch auf dem Platz die verschiedenen Stoffe vermehrt rückgebaut und für spätere Bauprojekte wieder aufbereitet werden. Dies verleiht dem Trend wiederverwertbarer Baumaterialien weiter Rückenwind. Im Thurgau nimmt die Menge an verarbeiteten Bauabfällen laufend zu. In den vergangenen zehn Jahren stieg sie um 100 000 auf knapp 400 000 Tonnen pro Jahr.

Natürlich brauche es auch die Bereitschaft der Baubranche, die wiederaufbereiteten Baustoffe ein weiteres Mal einzusetzen, sagt Haag. Das setzt in erster Linie eine hohe Qualität der Recycling-Baumaterialien voraus, was wiederum die grösste Herausforderung in diesem geschlossenen Baustoffkreislauf darstelle. Doch bereits heute bestehe ein Fünftel der im Thurgau eingesetzten Baustoffe aus rezyklierten Materialien, ist dem Abfallbericht zu entnehmen. «80 Prozent des Baustoffbedarfs musste durch frische Rohstoffe aus Kiesgruben bedeckt werden», heisst es darin mit Blick auf die vergangenen beiden Jahre weiter. Dieser Anteil gilt es durch das Recyclingkonzept zu reduzieren, indem Lösungen erarbeitet und notwendige Rahmenbedingungen für ein verstärktes Recycling von mineralischen Bauabfällen geschafft werde.

Ersatzstandort für Kehlhof

Handlungsbedarf zeichnet sich im Thurgau auch bei der Ablagerung von Aushub ab. Durch die ungebremste Bautätigkeit und Terrainveränderungen fällt laufend Aushubmaterial an, das in Deponien entsorgt werden muss. In diesen hat es dafür aber immer weniger Platz. «Es werden Deponien nötig», sagt Martin Eugster.

Weiterhin Bedarf für neue Ablagerungsmöglichkeiten bestehe im Oberthurgau, hält der Abfallbericht fest. Darin ist ausserdem zu lesen, dass Handlungsbedarf bezüglich einer Erfassung der Aushubmengen nach Region erkannt worden sei. Des Weiteren muss für verschmutzten Aushub und gemischten Bauabfall ein Nachfolge-Standort für die Reaktordeponie Kehlhof gefunden werden.