Ein Reformer tritt von der Bühne

Claudius Graf-Schelling hinterlässt im Thurgau Spuren.

Christof Widmer
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Claudius Graf-Schelling hinterlässt im Thurgau Spuren. Unter seiner Verantwortung bekam der Kanton unter anderem eine neue Bezirkseinteilung, die Zivilstandsämter wurden auf Bezirksebene zusammengefasst, die Polizei reorganisiert und aufgestockt, das Justizwesen reformiert und die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde eingeführt. Aufgegleist hat Graf-Schelling zudem die Aufhebung der bisherigen Amtskreise und die Reorganisation des Zivilschutzes. Dass der Anstoss zu den Reformen zum Teil vom Bund kam, schmälert die Leistung nicht. Es war Graf-Schelling, der die teils hochumstrittenen Projekte zu Ende geführt hat – seriös, unaufgeregt und hartnäckig.

Spannend präsentiert sich die Frage der Nachfolge. Mit Fraktionschefin Cornelia Komposch und Ex-Fraktionschef Walter Hugentobler sind zwei Kandidaturen bereits gesetzt. In Position bringen sich auch Grossratspräsidentin Sonja Wiesmann und Nationalrätin Edith Graf-Litscher. Dass letztere eine Kandidatur ins Auge fasst, überrascht. Mit einer Kandidatur würde sie die Partei vor ein Dilemma stellen. Die SP kann es sich kaum leisten, Graf-Litscher zu brüskieren, indem sie ihr eine Regierungskandidatur verweigert. In diesem Fall braucht sie aber ein neues Zugpferd für die Nationalratsliste. Das wäre eine anspruchsvolle Aufgabe. Während der SP-Sitz in der Regierung kaum bestritten ist, ist der Ausgang der Nationalratswahlen im Thurgau offener denn je. Eine bewährte Bisherige von der Liste zu nehmen, birgt Risiken.

christof.widmer@thurgauerzeitung.ch

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