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Ein Pionier der Thurgauer Landwirtschaft

Zum 100. Todestag von Jacques von Planta, Tänikon
Markus Schär
Das Plantawappen mit Bärentatze aus Susch (GR). (Bild: Markus Schär)

Das Plantawappen mit Bärentatze aus Susch (GR). (Bild: Markus Schär)

Gegenüber der zürcherischen Landwirtschaft fehlt im Thurgau eine einzelne prägende Licht-und Leitfigur wie der Wermatswiler Kleinjogg Gujer. Als Pioniere mit Verspätung beginnen erst um die Mitte des 19. Jahrhunderts einige Gutsherren vorbildlich mit ihren Musterbetrieben zu wirken. Zu ihnen gehört der medial stiefmütterlich behandelte Jakob von Planta in Tänikon. Ohne ihm einen Nachruf zu widmen, begnügt sich das benachbarte «Winterthurer Volksblatt» mit der blossen Nachricht: «In Tänikon-Aadorf starb am Samstag (1.12.1917) an einer Lungenentzündung der Besitzer der dortigen Tonwarenfabrik und Grossen Gutswirtschaft, Herr Jakob von Planta, im 63. Altersjahr.»

Mit Drainageröhren den Boden verbessern

Zur ersten Auszeichnung des Verstorbenen gehört das Bemühen, auf seinem Grossbetrieb an der Lützelmurg die Bodenqualität zu verbessern, um damit die Erträge zu steigern. Dazu sollten hauptsächlich die Drainagen und Entwässerungen dienen. Die von den Plantas gegründete Drainageröhrenfabrik Tänikon, die teilweise bis zu 70 Arbeiter beschäftigte, stellte ab 1857 Drainageröhren, Ziegel und Kacheln her. Ihre Kapazität war allerdings derart beschränkt, dass sie beispielsweise nur zur Hälfte in der Lage war, den Grossauftrag, sämtliche Ziegel für die Bedachung des neuen Landesmuseums in Zürich zu verfertigen, zu erfüllen.

Er nutzte die Elektrizität und brachte das Telefon

Die zweite Auszeichnung verdient Jacques von Planta im Jahre 1899 mit der erstmaligen Einrichtung eines Dynamos mit Akkumulatoren-Batterien in seiner Tonwarenfabrik, womit er Fabrikationsräume, Werkstatt, Herrschaftshaus, Stallungen und Ökonomiegebäude erhellen konnte und die feuergefährlichen Petrollichter auch als Strassenbeleuchtung abzulösen vermochte. Die Anlage trieb einen Elektromotor an, der verschiedene landwirtschaftliche Maschinen, wie eine Kurzfutterschneidemaschine sowie eine Schrott- und Obstmühle antrieb. Damals verfügten von gut 11000 Bauernhöfen im Thurgau nur deren zehn über einen Elektromotor.

Die Einführung des Telefons in der Region von Aadorf und Elgg befindet sich Ende des 19. Jahrhunderts in der akuten Phase. Man steht unmittelbar vor der Einführung des Kommunikationswunders auf dem Lande. Wer wird zuerst zupacken? Im Winter 1892/93 geht der Gutsherr in Tänikon voran. Major Jakob von Planta lädt die Interessenten einer Telefoninstallation zur Beratung in den Aadorfer «Löwen». Dort finden sich schnell sieben Abonnenten. Bereits am 15. Juni 1894 kann das Telefon der Öffentlichkeit übergeben werden. Klar, dass Tänikon gleichzeitig eine Sprechstation erhält. Von hier aus führt von Planta bereits am 2. Juni das erste Telefongespräch mit Zürich.

Die Lebensstationen von Jacques von Planta

Im Kulturarchiv Oberengadin ist das schriftliche Andenken an Jacques von Planta (1855-1917) aufbewahrt, mit den an der Bestattungsfeier am 5. Dezember 1917 in Tänikon von Pfarrer Hans Bachofner in Erinnerung gerufenen Lebensstationen: «Am 1. März 1855 in Zürich geboren als Sohn von Nationalrat A.R. von Planta und seiner Gattin Marie von Planta, Ausbildung in seiner Heimat Samaden, im Institut Schnepfental in Thüringen und in Chur, mehrere Jahre Rechtsstudien in Lausanne, München, Leipzig und Zürich. Landwirtschaftsstudien an der Hochschule zu Halle folgen, praktische Lehrzeit in Bayern und England. Nach Hause zurückgekehrt, Übernahme der Leitung des Gutes Tänikon, das er, umgeben von treuen Angestellten, zu einem mustergültigen Betrieb gestaltet. Im Jahre 1888 vermählt er sich mit Bertha Pestalozzi von Zürich, die ihm drei Töchter schenkt und seinem Leben, mit Kindern und Enkeln, Liebe und Freude gibt. Seine zarte Gesundheit hatte schon lange Jahre vielen Anfechtungen standhalten müssen. Die letzte Krankheitszeit brachte ihm schweres Leiden. Er ertrug es in stiller und tapferer Geduld.»

Der Musterbetrieb Tänikon

Hans Moos verdankte von Plantas langjährige Beratung als Vorstandsmitglied der Gesellschaft schweizerischer Landwirte im Dienste der Bodenkultur und zum Wohle des Volkes, erschienen in den «Mitteilungen der Gesellschaft schweizerischer Landwirte». Tänikon, das 1891 in seinen Besitz überging, wurde zu einer Musterwirtschaft, wo erstmals die Buchhaltung eingeführt wurde. Damit war sie befähigt, an der schweizerischen landwirtschaftlichen Ausstellung 1910 über Wandlungen und Ergebnisse der Landwirtschaft Aufschlüsse zu geben. Dafür erhielt von Planta die höchste Auszeichnung, dazu die silberne Ehrenmedaille der Féderation romande.

Im Vergleich mit seinem berühmten Vater, Nationalrat Andreas von Planta, der auf verschiedenen Ebenen des öffentlichen Lebens initiativ und ein redegewandter Staatsmann war, besass auch Jacques von Planta reiches und vielseitiges Wissen, ein warmherziges und wohlgesinntes Streben für die öffentlichen Fragen. Allein über die väterliche Macht und Wirksamkeit des freien Wortes glaubte er in seiner Bescheidenheit nicht zu verfügen. Dagegen brachte er neben seinem landwirtschaftlichen Fachwissen den schönen Künsten und Wissenschaften regstes Interesse entgegen. So widmete er als Freund der Geschichte des ehemaligen Klosters Tänikon und seinen Kunstschätzen pietätvolle Pflege. Er unterstützte die Herausgabe von Dr. Rahns Werk «die mittelalterlichen Architektur-und Kunstdenkmäler des Kantons Thurgau» und gab auf seine Kosten die mit eigenen Beiträgen ergänzte, von Johannes Nater verfasste «Geschichte von Tänikon (1906)» heraus.

Markus Schär

thurgau@thurgauerzeitung.ch

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