Ein Pilger ohne Ziel sieht viel

FRAUENFELD. Der Bundesrat hat den Frauenfelder Joggi Rieder in die Kommission des Fonds Landschaft Schweiz gewählt. Rieder leitet ein Büro für Ökologie, das die Stiftung Seebachtal betreut. Das ist aber nur ein Aspekt seiner facettenreichen Arbeit.

Katharina Brenner
Drucken
Teilen
Joggi Rieder steht im Garten der Firma Kaden und Partner in Frauenfeld, deren Geschäftsführer er ist. (Bild: Andrea Stalder)

Joggi Rieder steht im Garten der Firma Kaden und Partner in Frauenfeld, deren Geschäftsführer er ist. (Bild: Andrea Stalder)

Joggi Rieder hat als Kind keine Käfer gesammelt, er hatte auch kein Herbarium. «Manche entwickeln die Leidenschaft für die Natur schon früh», sagt er. «Ich habe dafür viel Fussball gespielt und mich später für Meitli und mein Töffli interessiert», sagt er und lacht. In der Kanti faszinierten ihn Biologie, Physik und Chemie. Die grosse Leidenschaft für Natur und Umwelt kam mit dem Studium: Umweltnaturwissenschaften an der ETH. Rieder ist 47 Jahre alt und in Herdern aufgewachsen. Seit knapp 20 Jahren arbeitet er im Büro für Ökologie und Software-entwicklung Kaden und Partner in Frauenfeld, dessen Geschäftsführer er heute ist. Dort betreut Rieder nebst weiteren Projekten seit über 15 Jahren zwei grosse: die Grosse Allmend und die Stiftung Seebachtal. Die Stiftung Seebachtal fördert den Natur- und Landschaftsschutz in dem Gebiet und wird vom Fonds Landschaft Schweiz (FLS) unterstützt (siehe Kasten). Seit 1. Januar und bis Ende 2019 ist Rieder Mitglied der Kommission des FLS, die der Bundesrat bestimmt. Er habe sich sehr über die Anfrage gefreut. Den Fonds hält Rieder für eine sehr sinnvolle Einrichtung. «Denn unsere Landschaft ist das wichtigste Gut, das wir haben.»

Einfach loslaufen

Auch in seiner Freizeit ist Rieder am liebsten in der Natur – und pilgert. Vor vielen Jahren ist er den Jakobsweg von Konstanz nach Genf gelaufen. Eines sei ihm dabei klar geworden: «Jede Ecke der Schweiz hat eine unglaubliche Faszination.» Es gebe auch schreckliche Orte: Industriegebiete und hässliche Einfamilienhausquartiere. Aber die Landschaft sei wunderschön, jeder Kanton habe seine Perlen.

Eine Lieblingsregion hat er nicht. Inzwischen pilgert Rieder nicht mehr auf dem Jakobsweg, sondern dort, wo es ihn gerade hinzieht – mit einem Freund, mehrmals im Jahr, für zwei, drei Tage am Stück. «Wir fahren mit dem Zug irgendwohin und laufen los.» Wenn sie einen Berg sehen, peilen sie ihn an, folgen aber keiner Karte. Kein Zeitdruck, keine Erwartungen. «Das ist unglaublich entspannend», sagt Rieder. Auf diese Weise erkunde man die Landschaft am besten.

Menschen leben in Systemen

Genauso wie die Natur ein System sei, stehe auch jeder Mensch in einem System, sagt Rieder. Der Austausch mit anderen und zwischenmenschliche Beziehungen seien für ihn schon immer sehr wichtig gewesen. Vor einigen Jahren hat er deshalb eine Ausbildung gemacht: Heute arbeitet er 60 Prozent bei Kaden und Partner und führt nebenbei eine eigene Praxis für Systemisches Coaching in Frauenfeld. Privatpersonen und Unternehmen kommen zu ihm.

Rieder nimmt drei Plastikbehältnisse mit Kaffeerahm von der Tischmitte. «Das hier ist der Chef, das eine Mitarbeiterin, mit der es Probleme gibt, und das der Klient», sagt Rieder und stellt die Behältnisse in einem Dreieck auf – die Mitarbeiterin und der Chef stehen beisammen, der Klient weiter weg. Eine Aufstellung ermögliche den Blick von aussen. Der Betroffene sehe, dass die Mitarbeiterin näher bei ihm stehen sollte, sagt Rieder, und schiebt das Behältnis, das für die Mitarbeiterin steht, näher zu dem, das für den Klienten steht. Auch ihm helfe das manchmal, in der Familie etwa: Rieder ist verheiratet und hat drei Kinder. die zwischen 15 und 21 Jahren alt sind. Jeder würde bei der Erziehung weitergeben, was er in der Familie gelernt hätte. Wer das durchbrechen will, müsse es reflektieren. Rieders Kinder sind in dem Alter, in dem er anfing, sich für die Natur zu begeistern. Das gibt er sicher gern weiter.

Aktuelle Nachrichten