Ein Pfarreiblatt für jeden Haushalt

Das Parlament der katholischen Landeskirche befürwortet die Idee des Kirchenrates, die Finanzierung des Pfarrblattes über die Landeskirche zu regeln. Das ermöglicht eine einheitliche Verteilung und eine einfachere redaktionelle Beteiligung.

Silvan Meile
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Dominik Diezi plädiert dafür, nicht auf das Pfarrblatt-Geschäft einzutreten und stattdessen die Meinung der Kirchgemeinden anzuhören. (Bild: Andrea Stalder)

Dominik Diezi plädiert dafür, nicht auf das Pfarrblatt-Geschäft einzutreten und stattdessen die Meinung der Kirchgemeinden anzuhören. (Bild: Andrea Stalder)

WEINFELDEN. Im Parlament der katholischen Landeskirche regte sich gestern ungewohnt starker Widerstand. Gegen die vom Kirchenrat vorgeschlagene Neuregelung der Finanzierung des Pfarreiblattes erhoben sich in der Synode mehrere kritische Stimmen. Um das «Forum Kirche» als kantonsweites Publikationsorgan in eine gesicherte Zukunft zu führen, beantragte der Kirchenrat, dass künftig nicht mehr die Pfarreien die Abos finanzieren, sondern die Landeskirche dafür zuständig sei.

Damit reagierte der Kirchenrat auf die Drohung einzelner Kirchgemeinden, den Pfarreiblatt-Verbund zu verlassen. Mit der neuen Regelung soll jeder katholische Kirchbürger das Pfarreiblatt in seinen Haushalt geschickt bekommen. Der Vorschlag gründet auf einer Motion des Frauenfelder Pfarrers Benedikt Wey. Bis anhin war der Versand des Blattes nicht in jeder Pfarrei gleich geregelt. Einzelne Kirchgemeinden verschickten das «Forum Kirche» bisher offensichtlich nur auf expliziten Wunsch, Arbon hat gar ein eigenes Blatt herausgebracht.

«Mehr als ein Schönheitsfehler»

Doch einige Kirchenparlamentarier sahen an der gestrigen Synode in Weinfelden durch dieses Vorgehen des Kirchenrates die einzelnen Kirchgemeinden übergangen. «Die Synode sollte nicht über die Köpfe der Kirchgemeinden entscheiden», warnte Dominik Diezi (Stachen). Er rief dazu auf, nicht auf das Geschäft einzutreten und dieses an den Kirchenrat zur Überarbeitung zurückzuweisen. Vielmehr sollen in dieser Angelegenheit zuerst die einzelnen Kirchgemeinden angehört werden, was der Kirchenrat bisher nicht gemacht habe. «Das ist mehr als nur ein Schönheitsfehler», sagte Diezi.

Reformen seien nicht möglich, wenn zu viele Parteien einbezogen seien, entgegnete Kirchenrätin Marie-Anne Rutishauser. «Müssen wir warten, bis jede Kirchgemeinde Ja sagt?», fragte sie rhetorisch. An der Faktenlage ändere auch eine Vernehmlassung nichts. Den Reformbedarf verdeutlichte Rutishauser auch an der Tatsache, dass es für die Kirchgemeinden derzeit nur über den Pfarrer möglich sei, redaktionellen Einfluss auf das Pfarreiblatt nehmen zu können. Das würde sich mit der neuen Regelung ändern. Thomas Iten, Präsident der Kirchgemeinde Bischofszell, begrüsste den Vorschlag des Kirchenrates und nannte ihn eine Win-win-Situation: «Die vorliegende Lösung hat für uns alle nur Vorteile.»

Pfarrblatt kostet 1,1 Millionen

Dominik Diezis Empfehlung auf Nichteintreten des Geschäfts fand dennoch viel Gehör im Parlamentssaal. An einer ersten Abstimmung siegte sein Antrag auf Nichteintreten mit 35 zu 34 Stimmen bei 4 Enthaltungen. Das führte zu leichter Verwirrung im Saal, da eingangs der Synodesitzung 83 Stimmberechtigte gezählt wurden. Deshalb wurde die Abstimmung wiederholt, wobei sich plötzlich die Mehrheit mit 40 zu 38 Stimmen bei 3 Enthaltungen für Eintreten aussprach. Synodenpräsident Alois Schwager verkündete bereits das erfolgreiche Eintreten. Doch der Ruf eines Votanten, «die Zahlen stimmen wieder nicht», unterbrach dieses Vorhaben. Das veranlasste Schwager eine dritte Abstimmung durchzuführen – per Namensaufruf. Dabei entschied sich die Synode schliesslich für Eintreten.

Die Detailberatung gab kaum noch zu Diskussionen Anlass. Den Antrag des Kirchenrates zur Finanzierung des Pfarrblattes «Forum Kirche» durch die Landeskirche wurde grossmehrheitlich angenommen. Somit übernimmt die Landeskirche die dafür nötigen Kosten von 1,1 Millionen Franken jährlich. Dank der guten Finanzlage muss dafür der Steuerfuss nur leicht angehoben werden.