Ein Park für die wachsende Stadt

Frauenfeld hat letztes Jahr die Murgwiese und das Buebewäldli der Armee für 116 000 Franken abkaufen können. Am kommenden Wochenende entscheiden die Stimmbürger, ob das 44 000 Quadratmeter grosse Areal ein Park werden soll. Das klarbegrenzte Gebiet bietet sich geradezu dafür an.

Thomas Wunderlin
Merken
Drucken
Teilen

Frauenfeld hat letztes Jahr die Murgwiese und das Buebewäldli der Armee für 116 000 Franken abkaufen können. Am kommenden Wochenende entscheiden die Stimmbürger, ob das 44 000 Quadratmeter grosse Areal ein Park werden soll. Das klarbegrenzte Gebiet bietet sich geradezu dafür an. Auf der einen Längsseite fliesst die Murg, auf der andern der Mühlewiesenkanal. Ausserdem liegt es im Stadtzentrum.

Der Stadtrat schlägt vor, wieder Wasser durch den Altlauf der Murg fliessen zu lassen. Das steile Ufer der begradigten Murg muss dafür an zwei Stellen abgeflacht werden. Um den Altlauf herum entsteht ein natürlicher Spielplatz, in dem Lagerfeuer entfacht werden dürfen. Der Wald wird wieder zum Auenwald, der regelmässig etwa zweimal im Jahr überflutet wird. So bietet er eine ökologische Nische für gefährdete Tier- und Pflanzenarten. Auch wenn die renaturierte Thur das Herzstück des Projekts darstellt, fällt dieser Projektteil mit 250 000 Franken nicht stark ins Gewicht, da der Kanton ebenfalls einen Beitrag leistet.

Ein Netz von Fusswegen und einzelnen Brücken erschliesst das Gelände. Zum Verweilen laden Sitzbänke ein – das wichtigste Element eines Stadtparks. Inbegriffen ist die Sanierung des verlandeten Mühlewiesenkanals, der seit dem Bau des Kraftwerks Zeughausbrücke zu wenig Strömung aufweist.

Um den Park zu beleben, soll ein neuer Pavillon die drei alten Militärbaracken ersetzen. Der Pavillon enthält eine öffentliche Toilette und eine Theke, die bei Bedarf für einen temporären Verpflegungsstand genützt werden kann. Daneben ist eine Bocciabahn vorgesehen. Kleinere Anlässe sollen auf der Murgwiese stattfinden. In ihrem mittleren Bereich wird dafür ein Schotterrasenfeld mit einem tragfähigen Kieskoffer angelegt.

Als der damalige SVP-Stadtrat Werner Dickenmann das Projekt letztes Jahr erstmals vorstellte, lag ein Katalog mit 40 Ideen zur Möblierung des Parks vor. Da deren Umsetzung über 10 Millionen Franken gekostet hätte, erhob sich Opposition. Zu ihrem Sprecher machte sich Fredi Marty, der darauf auf der Liste Menschen für Frauenfeld (MproF) in den Gemeinderat gewählt wurde.

Inzwischen hat Dickenmanns Nachfolger Ruedi Huber das Projekt auf vertretbare 3,6 Millionen Franken reduziert. Zu dieser Vorlage sollte man als Stimmbürger Ja sagen.

Auf später verschoben wurde unter anderem ein Aussichtsturm. Gesucht sind dafür Sponsoren.

Der Gemeinderat hat den Murg-Auen-Park mit überwältigender Mehrheit bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung genehmigt. Von der Gegnerschaft ist seither nicht mehr viel zu hören. Der Abstimmungskampf hat sich auf einige Leserbriefe beschränkt. Abstimmungskomitees sind keine in Erscheinung getreten. Dennoch dürften manche Bürger finden, die Vorlage sei zu teuer für die Verschönerung eines Areals, das jetzt schon öffentlich zugänglich ist. Befürchtet wird auch, dass sich die Randständigenszene darin ansiedeln werde, die beim Bahnhof vertrieben worden ist. Klar ist, dass ein schöner Park von allen Leuten auf ihre Weise genutzt wird.

Skeptiker sollten bedenken, dass auf jeden Fall etwas mit dem Areal gemacht werden muss. Die Armee hat die Grünflächen und den Wald seit Jahren nicht mehr unterhalten. Auch der Mühlewiesenkanal muss auf jeden Fall saniert werden. Es wäre schade, die Gelegenheit nicht zu nutzen, eine neue Attraktion im Stadtzentrum zu schaffen. Die Herumhängerszene hätte sich jetzt schon auf der Murgwiese ausbreiten können. Je belebter das Gebiet wird, umso sicherer wird es. Der Park entschädigt für all die Baulücken, Grün- und Brachflächen in der Stadt, von denen immer mehr verschwinden. Gerade in der näheren Umgebung des Buebewäldli sind in letzter Zeit viele neue Wohnungen entstanden, etwa anstelle der ehemaligen Schrebergärten hinter dem Eisenwerk. Weitere werden mittelfristig folgen, so im Areal des eidgenössischen Zeughauses an der Wydenstrasse. Der Murg-Auen-Park passt als grüne Oase zu einer Stadt, die sich dem verdichteten Bauen verschrieben hat.