Ein Paradies für alte Maschinen

SCHLATT. Es ist ein ungewöhnliches Museum in der Gemeinde Schlatt, das ein Stück Industriegeschichte festhält: In einer Halle der Keller AG Ziegeleien stehen Apparate und Geräte, die einst der Herstellung von Ziegeln und Backsteinen dienten.

Gudrun Enders
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Der pensionierte Betriebsleiter Peter Juchli sammelt Mini-Ziegelsteine aus der Laborpresse ein. CEO Christian Keller schaut ihm über die Schulter. (Bild: Nana do Carmo)

Der pensionierte Betriebsleiter Peter Juchli sammelt Mini-Ziegelsteine aus der Laborpresse ein. CEO Christian Keller schaut ihm über die Schulter. (Bild: Nana do Carmo)

Im Paradies gibt's Lehm und alte Maschinen. Seit 1898 wird in Schlatt Lehm abgebaut. Bis heute. Alte Maschinen aus diesem Teil der Industriegeschichte haben in der ehemaligen Fräserei der Ziegelei ein Zuhause gefunden. Bei diesem Museum handelt es sich um eine Aussenstation des Ziegelei-Museums in Cham. «Dort hat es keinen Platz für die Maschinen», sagt CEO Christian Keller, der in fünfter Generation die Keller Holding führt, zu der unter anderem die Ziegelei in Schlatt gehört. Keller sitzt auch im Stiftungsrat des Ziegelei-Museums.

Geschichte selbst miterlebt

Die Seele des Schlatter Maschinen-Museums ist Peter Juchli, pensionierter Betriebsleiter der Ziegelei. Er kennt manch alte Apparatur noch aus seiner eigenen Jugend. Denn als Schüler half er in der Ziegelei in Basadingen aus, die heute nicht mehr existiert. Damals machte er Bekanntschaft mit einem Sizilianer, der an einem speziellen Tisch Ziegelsteine per Hand und Holzform herstellte. Der Tisch steht heute im Museum.

Ein Wagen mit Bohrwerken wanderte ebenfalls komplett ins Museum. Die Ziegeleien unterhielten früher eigene Bohrteams, die den Lehm vor dem Abbau untersuchten. Juchli nimmt eine alte Ölkanne vom Wagen: «So hat's früher gerochen.»

Im Labor Produktion simuliert

Wird die Lehmknolle aus dem Boden befördert, muss sie zerkleinert werden. Dazu braucht es bis heute einen Kollergang, eine Art Mühle. Historische Modelle finden sich ebenfalls im Paradies. Kleine Ausführungen waren fürs Labor gedacht. Dort stand auch die Laborpresse aus dem Jahr 1960. Es handelt sich um eine Ziegelstein-Fabrikation in Miniatur. «Dort wurde der Trockenschwund der aktuellen Lehmmischung getestet», erklärt CEO Keller. Schliesslich müssen Normsteine die Ziegelei verlassen, egal, ob das Material mehr oder weniger beim Trocknen und Brennen schrumpft.

Sogar die komplette Steuerung der Trocknerei aus dem Jahr 1965 wanderte in die Museumshalle. Davor stehen alte Kohledosierer, mit denen das Feuer im Brennofen eine halbe Woche kontrolliert unterhalten wurde. Später wurde mit Schweröl geheizt, in Schlatt durch Einspritzpumpen aus alten Armeeflugzeugen eingebracht. «Das war ein Brenner, den wir eigens in Schlatt entwickelt haben», sagt Juchli.

Jährlich interessiert sich eine Handvoll Gruppen für das Maschinen-Museum der Ziegelei. Es kämen vor allem Branchenkenner, sagt Juchli. Eine Führung kann aber auch gerne von Laien gebucht werden.

Anmeldung: p.ju@shinternet.ch oder info@keller-ziegeleien.ch