Ein paar Takte Musikgeschichte

An ihrem Bandnamen ist ein Song von The Who schuld. Und die Beatles haben sie schon längst überlebt. Am Samstag feiern The Circles ihr 50jähriges Bestehen mit einem Konzert im Eisenwerk.

Mathias Frei
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Vor 1968 auf dem Stählibuck: Jürg Gross, Jimmy Güttinger, Roli Widmer und Guido Brunschweiler. (Bild: PD/Barnabas Bosshard)

Vor 1968 auf dem Stählibuck: Jürg Gross, Jimmy Güttinger, Roli Widmer und Guido Brunschweiler. (Bild: PD/Barnabas Bosshard)

«Man musste es erlebt haben.» Jimmy Güttinger hat es erlebt – wie es war in den Sixties. Jimmy, der eigentlich Peter heisst, ist Gründer von The Circles. 1966 war das. Als die Beat-Generation in der Schweiz aufkam, war Güttinger ein Frauenfelder Jungspund. In Zürich machte er die Handelsschule, bei den Jets spielte er den Bass. Die Jets, das war die erste Frauenfelder Gitarrenband, 1963 gegründet. Als die Jets auseinander gingen, kam die Zeit der Circles. Güttinger war Sänger, spielte die Lead-Gitarre. Am Schlagzeug sass Roli Widmer, Guido Brunschweiler spielte Rhythmusgitarre und Bass, Jürg Gross war am Bass. Er stieg nach kurzer Zeit wieder aus. Die Circles standen fortan zu dritt auf der Bühne.

Von dieser Urbesetzung ist Güttinger übriggeblieben. Heute ist er 68 Jahre alt. Der Geist der Circles ist geblieben. «Wir sind eine Cover-Band, wir spielen lieber gut Covers statt eigene Songs, die das Publikum langweilen», sagt Güttinger. Die Formation, heute zu fünft unterwegs, hat mittlerweile weit über 130 Songs intus – von Elvis Presley aus den 1950er-Jahren bis in die 80er.

An einem Abend zwei Konzerte

Ende der 1960er gab es fast jedes Wochenende Konzerte im Frauenfelder Casino. Immer mit dabei: The Circles. Pro Abend spielten bis zu zehn Bands, die Besucher kamen in Scharen. Obwohl die Auftritte kurz waren, gab es jeweils bis morgens um vier Live-Sound. Oft waren die Konzertabende als Wettbewerb aufgegleist. Nur die drei besten Bands konnten am Ende eine Gage abholen. «Wir gingen nie leer aus», sagt Güttinger. Es gab Abende, da spielten die Circles zuerst im Kreuzlinger Löwensaal und dann im Casino. Und es gab die legendären langen Nächte mit den Circles. Das Konzert im «pumpevollen» Falkensaal war um 2 Uhr nachts zu Ende gegangen. Ab ins Auto Richtung Tessin. Dort frühstückte die Band. Zmittag gab es in Genf. Verrückte Zeiten.

1975 gingen die Circles auseinander. Lange hatte es genug Auftrittsmöglichkeiten gegeben. Die Band hatte jedes Jahr über 30 Konzerte gespielt. Aber dann machten sich die Discotheken breit. Musik ab Platte. «Disco machte die Livemusik kaputt», sagt Renato Wullschleger. Der heute 69-Jährige gehört nebst Jimi Short (Rolf Kurz) zur vierten Generation von The Circles. Er ist der Mann für die Tasten, singt auch immer wieder. Güttinger und Wullschleger trafen sich im Zug von Zürich nach Frauenfeld. Schon bald war den Circles wieder Leben eingehaucht. Das war 1987. Die zweite Blütezeit der Band begann.

Von den Shadows über Dire Straits bis Santana

«Es gibt Bands, die covern nur The Doors oder Hendrix. Wir sind nicht auf einen Stil eingefahren», sagt Güttinger. Von den Circles ist alles zu hören, von Pop über Blues bis Latin, von den Shadows über Dire Straits bis Santana. «Aber die musikalisch innovativste Zeit waren eben doch die 60er», sagt Wullschleger. Auch ihren Bandnamen verdanken die Circles den Sixties. So heisst ein Song von The Who.

Die Circles sind heute pensionierte Herren. Manchmal lassen sie eine Probe aus. Ein Konzert bringt ebenso viel wie ein Abend in einem Isliker Zivilschutzraum. Ein jeder hat eben mittlerweile sein Leben und seine Familie. Mit Markus Eberle ist seit diesem Jahr ein neuer, junger Schlagzeuger dabei. Der noch nicht 40jährige Schlagzeuglehrer ginge ohne weiteres als Sohn der älteren Herren durch. «Heute groovt es bei den Jungen nicht mehr», sagt Wullschleger. Sie würden einfach zu schnell spielen. Dabei brauche der alte Sound Gefühl. Eberle jedoch, so sagen Güttinger und Wullschleger, sei musikalisch ein Glücksfall. Einer, der ihren Sound lebt.

Samstag, 19. November: Jubiläumskonzert 50 Jahre The Circles, Eisenwerksaal, Frauenfeld. Ab 20.30 Uhr. Billettreservation: Regio Frauenfeld Tourismus, Telefon 052 721 99 26

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