Ein Ohr für die Fluglärmgegner

So nah ist die Verkehrsministerin sonst nie: Der Bürgerprotest Fluglärm Hinterthurgau reiste gestern nach Weinfelden, um bei Doris Leuthard seinen Unmut kundzutun. Die Bundesrätin versprach eine fairere Verteilung des Fluglärms.

Silvan Meile
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Josef Imhof, Präsident des Hinterthurgauer Bürgerprotests, im Gespräch mit Bundesrätin Doris Leuthard. (Bild: Reto Martin)

Josef Imhof, Präsident des Hinterthurgauer Bürgerprotests, im Gespräch mit Bundesrätin Doris Leuthard. (Bild: Reto Martin)

WEINFELDEN. Anita Magnin aus Guntershausen sagt, sie könne nur noch mit geschlossenen Fenstern und Oropax schlafen. Der Fluglärm raubt der Hinterthurgauerin sonst den Schlaf. Deshalb ging sie am Mittwochabend zusammen mit knapp 20 anderen Fluglärmgegnern des Bürgerprotests Hinterthurgau nach Weinfelden, um bei Bundesrätin Doris Leuthard, Vorsteherin des eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK), eine Protestnote zu plazieren. Denn für ein CVP-Volksfest kam die Bundesrätin in den Thurgau. Grund genug für die Gruppe, um für eine faire Fluglärmverteilung zu protestieren.

Versprechen der Bundesrätin

Seit zehn Jahren kämpft der Hinterthurgauer Bürgerprotest gegen die vielen Flugbewegungen, die sich an seinem Himmel kreuzen. Der Verein sieht seine Region als Lärmopfer. Beim Eintreffen der Bundesrätin auf dem Weinfelder Marktplatz halten die Protestierenden, es sind Liegenschaftsbesitzer ums Pensionsalter, ihr Transparent hoch: «Noch mehr Fluglärm – NEIN!»

Danach beantwortet die Bundesrätin die Fragen des Moderators Mario Testa. Zum Bedauern der Gruppe des Bürgerprotests wird das Thema Fluglärm mit keiner Silbe erwähnt. Dann kam bei ihnen aber doch noch Freude auf: Die Bundesrätin lässt es sich im Anschluss an ihr offizielles Interview nicht nehmen, zu Josef Imhof, Präsident des Bürgerprotests, zu schreiten. «Das war der wirkungsvollste Auftritt unseres zehn Jahre alten Vereins», wird dieser später sagen. Die Bundesrätin habe ihm gesagt, dass sie gewillt sei, den Fluglärm besser zu verteilen. «Sie hat mir auf glaubwürdige Art und Weise versichert, dass auch der Süden des Flughafens seinen Teil der Lasten übernehmen müsse», sagt er. Seit Jahren kämpfen die Hinterthurgauer genau dafür, sehen vor allem das Ufer um den Zürichsee als bevorteilte Region, vom Fluglärm weitgehend verschont. «Die Bundesrätin stand mir gegenüber», freut sich der Präsident des Bürgerprotests. Für Doris Leuthard sind solche Situationen offensichtlich keine Seltenheit. «Das habe ich in jedem Kanton», sagt sie gegenüber unserer Zeitung. Und überall herrsche eine andere Vorstellung von fairer Verteilung. Dem Bürgerprotest aus dem Hinterthurgau gab sie aber tatsächlich das Versprechen ab, bezüglich Fluglärm werde der Lastenausgleich umgesetzt.

Leuthard beschwichtigt

Für Präsident Josef Imhof ist klar: «Wenn unsere Protestbewegung nicht an diese Veranstaltung gekommen wäre, wäre das Thema Fluglärm nicht angesprochen worden.» Laufend weist sein Protestverein auf das Ostkonzept und die damit verbundenen zunehmenden Flugbewegungen über dem Hinterthurgau hin. Leuthard beschwichtigte gestern, dass dies gar nicht so sei. ? WEINFELDEN 39

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