Ein Lift für alle, die ihn brauchen

FRAUENFELD. Der Rollstuhlfahrer André Dubois hofft, Frauenfeld werde den Falkenlift nun endlich bauen. Schon 1998 hatte er dafür gekämpft. Um die Stadt attraktiver zu machen, wünscht er sich auch einen anderen Bodenbelag in der Altstadt.

Thomas Wunderlin
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André Dubois kommt bei der Falkentreppe nicht weiter. (Bild: Reto Martin)

André Dubois kommt bei der Falkentreppe nicht weiter. (Bild: Reto Martin)

Frauenfeld. André Dubois hatte sich zum Kadermitglied eines deutschen Konzerns hochgearbeitet, als ihn vor zwanzig Jahren ein seltenes Virus befiel. Für die Reisen, die sein Beruf mit sich brachte, hatte er keine Kraft mehr. Die Krankheit namens Myelitis wirke wie ein «Kabelbrand an der Wirbelsäule». Unterhalb des Halses leidet er an Lähmungen und Spastiken. «Meine Hände sind wie eingeschlafen und mit einem Hammer bearbeitet», schreibt er auf seiner Homepage. «Meine Arm- und Rumpfmuskulatur hat die Kraft eines warmen Gummibärchens.»

Mut und Selbstvertrauen behielt er auch als IV-Rentner, beziehungsweise: er gewann sie zurück. Er brauchte zwei bis drei Jahre, bis er sich im Rollstuhl wieder unter die Leute wagte.

Eben ist er zum zweitenmal Grossvater geworden. «Eine Freude mehr im Leben», sagt der 52-Jährige.

Für rollstuhlgängige Parkplätze

Im Gegensatz zu andern habe er den «Mumm, eins aufs Dach zu bekommen», sagt Dubois. Er engagierte sich bei der Behindertenorganisation Pro Infirmis in der Fachgruppe für behindertengerechtes Bauen. Oft meldet er sich bei Bauherren als Einzelperson, um auf die Anliegen der Behinderten hinzuweisen. Unter anderem habe er beim Jumbo, bei der Passage und bei Vögele interveniert, sagt Dubois. Als Folge wurden rollstuhlgängige Parkplätze eingerichtet – diese sind breiter als andere, damit der Rollstuhl neben der Fahrertür ausgeladen werden kann. Ein freundliches Gespräch reiche in der Regel, sagt Dubois. Viele Bauherren seien dankbar für die Hinweise, die ihnen den Zugang zu einer neuen Kundengruppe ermöglichen können.

Weniger erfolgreich war sein Engagement für den Falkenlift, den die Frauenfelder Stimmbürger 1998 ablehnten. Nun hofft er, im zweiten Anlauf werde er doch noch gebaut. Gemäss seinem Eindruck sind seither mehr Rollstühle auf den Frauenfelder Strassen zu sehen. Damals noch kaum verbreitet war der 1978 von einer Schwedin erfundene Rollator, der heute zum Stadtbild gehört.

Nicht nur für Rollstuhlfahrer

Dubois sieht den Falkenlift als eines von vielen Details, mit denen die Frauenfelder Altstadt gefördert werden kann. Es stimme nicht, wie die Gegner behaupteten, dass man es im Rollstuhl nicht von der Schlossmühlestrasse bis zur untern Liftstation schaffe. Abgesehen davon, dass ein Rollstuhl wie seiner einen Elektroantrieb besitzt.

Damit fährt er sogar um Schloss und Rathaus hinauf zum Holdertor, wo der obere Lifteingang plaziert würde. Aber nicht jeder, der schlecht zu Fuss ist, hat einen solchen Rollstuhl zur Verfügung. Profitieren würden laut Dubois auch Mütter, die mit ihren Kindern einkaufen gehen.

Das Argument der Liftgegner, Treppensteigen sei gesund, wirke für ihn wie «eine Faust aufs Auge», sagt Dubois. Und fügt an: «Es müssen nicht alle den Lift nehmen.»

Holperpiste Zürcherstrasse

Zu den Zielen des neuen Richtplans gehört es, den öffentlichen Raum behindertengerecht zu gestalten. Rollstuhlfahrer hätten da noch Wünsche.

Dubois erwähnt die Pflästerung in der Altstadt, die für Rollstuhlfahrer eine Holperpiste bedeuteten. Eine Fahrt von der katholischen Kirche zur Post könne bei ihm einen spastischen Anfall auslösen.

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