Ein letztes «Ruh'n – Abtreten»

Gestern verabschiedeten sich in der Märstetter Mehrzweckhalle Weitsicht über 600 Thurgauer Wehrmänner von ihrer militärischen Dienstpflicht.

Werner Lenzin
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Soldat Axel Hohermuth aus Müllheim (rechts) übergibt seine Gasmaske Urs Wildhaber vom Armee-Logistikzentrum Hinwil. (Bild: Werner Lenzin)

Soldat Axel Hohermuth aus Müllheim (rechts) übergibt seine Gasmaske Urs Wildhaber vom Armee-Logistikzentrum Hinwil. (Bild: Werner Lenzin)

MÄRSTETTEN. In Zivil und ausgerüstet mit Rucksack und Effektentasche steigen die jungen Männer aus allen Regionen des Kantons aus ihren PWs aus. «Hallo, alter Kumpel», ruft ein Soldat einem Unteroffizier zu. Die Stimmung ist nicht eindeutig definierbar und man spürt: Hier geht, so oder so, ein bedeutender Lebensabschnitt zu Ende. Mit verschiedenen Gefühlen sind die Unteroffiziere, Gefreite und Soldaten zur Entlassung gekommen. Während sich die einen freuen, von einer für sie nicht durchwegs positiven Verpflichtung befreit zu werden, empfinden andere ein Gefühl von Wehmut. Das Ende der Militärdienstpflicht bedeutet auch ein Abschiednehmen von etwas, mit dem man unzählige Erinnerungen verbindet. Etwas, das mit Hunderten von Diensttagen und somit mehrere Monate des Lebens ausmacht. «Das Ende der Dienstpflicht ist auch ein deutliches Zeichen, dass man nicht mehr zu den Allerjüngsten gehört», sinniert einer der Wehrmänner.

Wenige wollen ihre Waffe kaufen

«Wer keinen Waffenerwerbsschein dabei hat und sich nicht ausweisen kann, dass er in den vergangenen drei Jahren an zwei Obligatorischen und zwei Feldschiessen teilgenommen hat, der muss seine Waffe abgeben», erklärt Oberstleutnant Gregor Kramer. Der Kreiskommandant hält fest, dass zwischen 7 und 8 Prozent der Entlassenen ihre Waffe erwerben. Kramer schätzt die Arbeit des Logistikzentrums Hinwil, welches die ganze Rückfassung vorbereitet hat und in acht Staffeln im Verlaufe eines halben Tages durchführt. «Die zeitliche Belastung für die ganze Entlassung beträgt für jeden Wehrmann eine bis anderthalb Stunden.» Erfreut zeigt sich der Kreiskommandant über die Anwesenheit einiger Gemeindevertreter, die einen Ehrensold für die Entlassenen ihrer Gemeinde mitbringen und sie auch zu einem Essen einladen.

Handschlag und Sackmesser

Nach einem Imbiss findet der eigentliche Entlassungsakt statt. «Ein markanter Abschnitt geht für Sie in diesem Moment zu Ende», richtet sich Regierungsrat Claudius Graf-Schelling im Beisein von Brigadier Hans-Peter Keller, Kommandant Panzer-Brigade 11, und Urs Alig, Chef des Amts für Bevölkerungsschutz und Armee, an die Entlassenen. «Ich hoffe und wünsche, dass Ihnen persönlich die positiven Seiten der einzigartigen Erfahrung Militär in Erinnerung bleiben und dass Sie gerne mit einem guten Gefühl an Ihre Kameraden aus der Dienstzeit zurückdenken», sagte der Vorsteher des Thurgauer Departements für Justiz und Sicherheit.

Sackmesser mit Zapfenzieher

Besonders richtete sich der Regierungsrat an jene Wehrmänner, welche ihre Waffe wieder nach Hause nahmen: «Sorgen Sie dafür, dass die Ihnen heute anvertraute Waffe nicht in die Hände von unqualifizierten und unfähigen Personen gelangen.»

Nach einem letzten «Ruh'n – Abtreten» verabschiedete Claudius Graf-Schelling die Wehrmänner mit Handschlag und einem Sackmesser, speziell ausgerüstet mit einem Zapfenzieher für das nun folgende Zivilleben.