Ein Kurztrip ins Mittelalter

UERSCHHAUSEN. Rauhe Gesellen, elegante Damen und andere mittelalterlich gewandete Menschen bevölkerten am Wochenende das Gelände um die Ruine Helfenberg. Die Zeitreisenden gewährten einen spannenden Einblick in das einstige Handwerk.

Christine Luley
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Rund um die Ruine Helfenberg lagern Mittelalterfreunde und zeigen ihr Handwerk den Marktbesuchern. (Bild: Andrea Stalder)

Rund um die Ruine Helfenberg lagern Mittelalterfreunde und zeigen ihr Handwerk den Marktbesuchern. (Bild: Andrea Stalder)

Ein Wikinger geht auf die Schenke zu. «He, häsch nid heiss i dim Gwand?», fragt die Wirtin. Er winkt ab, kauft einen Becher Met. Ob aus einem Trinkhorn oder dem Plastikbecher getrunken: Das süsse, zwölfprozentige Getränk zeigt dem Neuling bald seine Wirkung.

Ein Muss ist die Kleidung

Am Tisch wollen die weiblichen Gäste vom Wikinger mehr über seine Kleidung wissen. Martin Guler trägt einen ledernen Brustpanzer, der Rücken ist mit Metall geschützt. Ein dicker Schal aus Islandschafwolle wird von einer Fibel festgehalten. «Das Material isoliert gegen Wärme und Kälte», erklärt er. Unter den ledernen Armschienen steckt ein Leinenhemd und unter dem ledernen Waffenrock eine schwarze Leinenhose. Um die Waden gewickelte Felle runden das Ganze ab. Die neuzeitlichen Lederschuhe sind der Bequemlichkeit wegen. Guler schlüpft fast jedes Wochenende in seine Montur und besucht Mittelalteranlässe. Unter der Woche arbeitet er als Werkhofmitarbeiter im Kanton Aargau.

Comites Feriati ist ein Mittelalterverein mit Mitgliedern aus der ganzen Schweiz. «Der Name, die feiernden Gefährten, entspricht meist unserer Gesinnung», verrät eine junge Frau. Auf einer Schiefertafel steht «1 Pfeil = 1 Taler, 6 Pfeile = 5 Taler». Erst zaghaft, dann mit Eifer versuchen sich die Besucher im Bogenschiessen.

Spanferkel statt Disco

Vor dem Zelt der «Bannerlosen» aus der Region Nordostschweiz brutzelt ein mariniertes Spanferkel. Andreas Rödler feiert seinen 30. Geburtstag. Die Gruppe sitzt unter einem an einer Hellebarde befestigten Sonnensegel. «Statt Disco zelebrieren wir lieber ein gemütliches mittelalterliches Lagerleben», sagt Nicole Matzinger und arbeitet an ihrem Perlenbäumchen weiter.

Wie von Reinhard Wydler vom Allartia-Organisationsteam zu erfahren ist, hat das Mittelalterwochenende die Erwartungen derart übertroffen, dass die Veranstalter über eine Wiederholung nachdenken.