Ein kunterbunter Reigen an Ideen

FRAUENFELD. Die Zukunft der Stadtkaserne hat begonnen. So lud die Stadt am Samstag zu einem Workshop vor Ort. Fast hundert Bürger und viele Ideen kamen zusammen. Das einzige, was nun sicher ist: Es gibt 2016 zwei Architekturwettbewerbe.

Mathias Frei
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Angeregte Diskussionen in der kühlen ID-Halle der Stadtkaserne: Frauenfelderinnen und Frauenfelder wälzen Ideen zur Zukunft des Areals. (Bild: Donato Caspari)

Angeregte Diskussionen in der kühlen ID-Halle der Stadtkaserne: Frauenfelderinnen und Frauenfelder wälzen Ideen zur Zukunft des Areals. (Bild: Donato Caspari)

FRAUENFELD. Nach diesem Samstagvormittag will man nicht in der Haut des Stadtrats stecken. Die fast hundert Frauenfelderinnen und Frauenfelder – ein bunter Querschnitt der Bevölkerung – waren einfach zu kreativ, haben zu viel nachgedacht, zu angeregt diskutiert. So muss man es fast sagen.

Die Workshopveranstaltung in der ID-Halle der Stadtkaserne hätte dem Stadtrat die Stossrichtung für die zwei Architekturwettbewerbe geben sollen, welche die Stadt nächsten Frühling zur Stadtkaserne (inklusive Oberes Mätteli) und zum Unteren Mätteli ausrichten will. Während Goethes Doktor Faust aber «so klug als wie zuvor» war, ist der Stadtrat auf jeden Fall einen Schritt weiter. Es wurde zwar nicht eine Stossrichtung offensichtlich, aber dafür mehrere Ideenpakete, die sich teils ausschliessen, teils auch vereinbar sind. Und vor allem weiss der Stadtrat nun, dass sich viele Frauenfelderinnen und Frauenfelder für die Zukunft der Stadtkaserne interessieren.

Öffentlich versus kommerziell

Nach Diskussionen in elf Kleingruppen manifestierte sich dieses Interesse in den vielfältigen Präsentationen. Auf jeden Fall sollte in der Stadtkaserne zukünftig eine Mischnutzung möglich sein. Grosser Konsens herrschte in der Frage nach kommerzieller oder gemeinwirtschaftlicher Nutzung. Teile der Stadtkaserne sollten für die Öffentlichkeit zugänglich sein – und auch rein physisch durchgängig.

Es war von der Stadtkaserne als zukünftiger «Pulsgeberin» für die Stadtentwicklung die Rede, von einer Art urbanen Allmend. Und das Kommerzielle sollte die öffentlich bespielbaren Räume zumindest anteilig quersubventionieren. Ebenfalls eine Meinung gab es zu den Parkplätzen auf dem Oberen Mätteli: Die sollten nach Möglichkeit weg, am besten unter den Boden in ein Parkhaus. So könne multifunktionaler Raum freigespielt werden für bisherige Nutzungen als Festplatz oder als zukünftige Grünfläche oder Spielplatz. Hier war der Übergang festzumachen zwischen Konsens und mehr oder weniger konkreten Vorschlägen. Sämtliche Ideen seien willkommen, selbstverständlich könne man aber nicht alle umsetzen, sagte Stadtpräsident Anders Stokholm. «Wir müssen abwägen, was der Stadt am meisten bringt.»

Zum Beispiel publikumsintensives Kleingewerbe und Gastronomie oder doch besser die öffentliche Verwaltung? Andere sprachen von einer Markthalle für den Wochen- und Flohmarkt. Das Gemüse dafür könnte im Rahmen von Urban Gardening im Innenhof angepflanzt werden. Im Kasernenbau hätte zum Beispiel das Historische Museum des Kantons Platz, ein kleines Kulturzentrum oder auch ein Veranstaltungssaal als Ersatz für die Rüegerholzhalle. Kleine Ateliers aus der Kreativwirtschaft könnten nebst verschiedenen Wohnformen (von Singles bis zur Generationen-WG) Platz finden. Oder sollen doch besser ein Hochschulinstitut angesiedelt und ein Weiher angelegt werden? Möglich wären auch ein Hotel, eine Jugendherberge und Räume für die Frauenfelder Vereine. Denkbar wäre vieles.

Ein Desaster vermeiden

Hintergrund des Workshops ist, dass sich die Armee früher oder später von ihren Anlagen südlich der Autobahn ins Auenfeld zurückzieht. «Ob das 2019 sein wird, steht aber noch in den Sternen», stellte Stadtpräsident Stokholm einleitend fest. Das Zürcher Büro Keeas Raumkonzepte wird die Stadt bei den zwei Architekturwettbewerben begleiten. Architekt und Raumplaner Marcel Muri wies auf die Schwierigkeiten einer solchen Umnutzung hin: Der Bau steht unter Schutz, weist grosse Raumvolumen auf, ein Umbau ist einen Drittel teurer als ein Neubau. Es sei Realität, dass die meisten Kasernenumnutzungen in der Schweiz in einem Desaster endeten, sagt er. Genau das soll in Frauenfeld mit einer frühzeitigen Planung verhindert werden.