Ein kühler Kopf für alle

Murgspritzer

Samuel Koch
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Die Vögel zwitschern vom Murg-Auen-Park bis zum Burstel. Die Knospen an den Bäumen blühen von der Promenade bis zum Lindenpark. Alles ist bereit, Herr und Frau Frauenfelders Wintermode ist längst Träger-Shirt und Bikini gewichen. Die Schirme aufgespannt, der Grill auf Vordermann gebracht, der Gang zur Apotheke für Sonnencreme mit Schutzfaktor 30 längst gemacht. Bis dato vergebens.

Klar, der April macht, was er will. Der Schnee bis in die Niederungen hat uns an die Hilflosigkeit gegenüber der Natur erinnert. Dass uns jetzt aber auch der Mai derart in den Rücken fällt, ist schon ein hartes Stück Brot. Regen ist längst nicht mehr Segen, permanent grau über der Stadt sind wir uns sonst nur im Herbst gewohnt. Zurückversetzt in den Winter fühlten sich auch die Bademeister, als sie am 1. Mai bei bitterkalten Temperaturen und beinahe Bodenfrost die Badesaison eröffneten.

Dafür zur Rechenschaft ziehen könnte man viele. Den Bobclub, der erst kürzlich zu seiner Jahresversammlung geladen hat. Oder den städtischen Werkhof, dessen tonnenweise Streusalz noch nicht von der Gaswerkstrasse ins Innere versorgt ist. Halt, es braucht einen kühlen Kopf für alle. So wie bei den Betreibern von Glace di sogno am Schlossberg. Um deren mässigen Saisonstart zu kompensieren, muss sich die Prognose des Zürcher Böögg noch bewahrheiten und uns einen grandiosen Sommer bis mindestens Ende August bescheren.

Ach, wie schön das doch alles wäre. Und sollte der Konjunktiv auch in den kommenden Wochen und Monaten nicht dem Indikativ weichen, so fährt am Schlossberg einfach wieder der Glühweinstand auf.

Samuel Koch

samuel.koch@thurgauerzeitung.ch