Ein Krokodil verstopft die Röhre

Familie Engeler war verzweifelt, als ihr Keller im Erzenholz zum viertenmal überschwemmt worden war. Eine Untersuchung des Tiefbauamts hat jetzt die Ursache zutage gefördert: eine wilde, meterlange Wurzelansammlung.

Szilvia Früh
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Die Frauenfelderin Martina Engeler hat in ihrem überfluteten Keller schon einmal Forellen angetroffen. Damit soll endlich Schluss sein. (Archivbild: Stefan Schaufelberger)

Die Frauenfelderin Martina Engeler hat in ihrem überfluteten Keller schon einmal Forellen angetroffen. Damit soll endlich Schluss sein. (Archivbild: Stefan Schaufelberger)

Frauenfeld. Familie Engeler hatte Mitte Dezember keine grossen Hoffnungen mehr auf ruhige Tage: Eines Morgens, kurz vor Weihnachten, standen Keller, Waschküche und Heizung in ihrem Haus im Frauenfelder Quartier Erzenholz erneut unter Wasser – seit 2004 bereits zum viertenmal in Folge (TZ vom 17.12.2010)

Mutter Martina Engeler trug ständig Gummistiefel. Einmal schwammen in ihrem Keller sogar ein paar Forellen. Die Feuerwehr musste tagelang Wasser absaugen, die Vorfreude aufs Fest war getrübt.

Verursacher des wiederkehrenden Unglücks war angeblich der Bitzigraben-Bach, der neben Engelers Zuhause unterirdisch fliesst. Dies zumindest nahm die Familie an, die nach heftigen Regen- oder Schneefällen immer wieder mit einer Überflutung rechnen musste.

Warten, bis das Wasser abfliesst

Beim Tiefbauamt der Stadt Frauenfeld war man lange anderer Meinung.

Die tiefe Lage und der jeweils steigende Grundwasserspiegel sei für die Überflutung verantwortlich, sagte Müller, Leiter des Tiefbauamtes, ursprünglich auf Anfrage der TZ. Man müsse nach einem grossen Niederschlag abwarten, bis der Druck der sich zusammensammelnden Wässern des Bitzigrabens, der Binnenkanäle und des Grundwassers abnehme und das Wasser wegfliessen könne.

Arbeiter vor der Tür

Doch dann kam alles anders. Kurz nach der letzten grossen Überflutung im Dezember standen plötzlich Arbeiter des Tiefbauamts vor der Haustür der Engelers. «Ich war absolut überrascht, als ich sie sah», sagt Martina Engeler.

Die Fitnesstrainerin hoffte schon seit Jahren auf eine gründliche Untersuchung, doch war bisher nicht viel geschehen. Darum träumte sie nicht mehr davon, dass das Wasserproblem eines Tages gelöst wird. Es gab keine Erklärung, warum die Arbeiter ausgerechnet jetzt kamen.

Die unterirdischen Röhren sollten unter die Lupe genommen werden, hiess es. Die Arbeit erfolgte mit einer Spezialkamera. Laut Thomas Müller vom städtischen Tiefbauamt handelt es sich dabei um eine sogenannte Kanalfernsehanlage, die die Bilder auf einen Monitor an der Erdoberfläche projiziert.

Erstaunliche Entdeckung

Das Gerät kann aufgrund der eingeschränkten Sicht nur bei nicht eingestauten Rohren angewendet werden, erklärt Thomas Müller.

Gefunden hat das Gerät einiges an Material, so dass die Arbeiter noch am selben Tag mit einem gelben Bagger ins Erzenholz zurückkehrten, die Röhren aufmachten und sich bis am späten Nachmittag daran zu schaffen machten. Ausgehoben wurde eine wilde, mehrere Meter lange Wurzelansammlung. Diese hatte sich allem Anschein nach jahrelang zusammengesammelt. Die Pflanzen hatten die Röhren derart verstopft, dass kein Wasser mehr abfliessen konnte.

«Doch kein Grundwasser also», sagt Martina Engeler, die sichtlich erleichtert und froh über den Befund ist. «Kaum war dieses Wurzelgewächs, das wie ein Krokodil aussah, entfernt, hatten wir kein Wasser mehr im Keller», freut sie sich.

Renaturierung könnte helfen

Familie Engeler hofft, dass dies eine Weile lang auch so bleibt. Denn diese Aktion verlangsamt die Verstopfung der Röhren durch Gewächse nur – aus der Welt schaffen kann sie sie nicht. Eine Lösung wäre die Renaturierung des Baches.

In diesem Gebiet ist laut Tiefbauamt eine Umzonung geplant, die mit einer Bachöffnung verknüpft wäre. «Die Einsprachen sind aber leider immer noch hängig», sagt Thomas Müller. Sobald in diesem Verfahren Klarheit herrscht, möchte die Stadt die Bachrevitalisierung umsetzen.

Die Wurzel des Übels: Dieses Gewächs hat die Röhren verstopft. (Bild: Szilvia Früh)

Die Wurzel des Übels: Dieses Gewächs hat die Röhren verstopft. (Bild: Szilvia Früh)

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