Ein Joker für Schüler und Eltern

FRAUENFELD. Schüler im Thurgau sollen für eine bestimmte Anzahl Tage ohne Begründung frei nehmen dürfen. Das fordert ein Vorstoss im Grossen Rat. Heute ist das nicht erlaubt. Es gibt aber Schulgemeinden, die solche Jokertage trotzdem eingeführt haben.

Christof Widmer
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Ein Familienausflug in den Schnee wäre mit dem Jokertag wohl möglich – nicht aber ein früherer Start in die Skiferien . (Archivbild: Hanspeter Schiess)

Ein Familienausflug in den Schnee wäre mit dem Jokertag wohl möglich – nicht aber ein früherer Start in die Skiferien . (Archivbild: Hanspeter Schiess)

Das führt immer wieder zu Diskussionen zwischen Schule und Eltern: Thurgauer Schülerinnen und Schüler dürfen nicht ohne Begründung in der Klasse fehlen. Und die Schulen dürfen laut Schulgesetz nur «wichtige Gründe» akzeptieren. Wichtig sind «insbesondere Krankheiten, Unfälle oder die Teilnahme an familiären Fest- oder Traueranlässen.» Kritisch sind aber Grenzfälle – etwa wenn ein Jungmusiker schon am Freitagnachmittag mit dem Orchester zu einem Auftritt abfahren muss.

Dass die Schulgemeinden die heutige Regelung unterschiedlich auslegen, mache die Sache nicht besser, sagen die SVP-Kantonsräte Andreas Wirth und Urs Schrepfer. Sie wissen, wovon sie sprechen. Wirth ist Schulgemeindepräsident in Frauenfeld, Schrepfer in Sirnach. Mit der Einführung von so genannten Jokertagen wollen sie nun Abhilfe schaffen. In einer Motion fordern sie, dass Schülerinnen und Schüler das Recht haben sollen, «eine bestimmte Anzahl von Halbtagen pro Semester zu beziehen, an denen sie ohne Begründung abwesend sein dürfen.»

Administrativer Aufwand sinkt

Jokertage seien heute ein Bedürfnis, sagt Wirth: «Die Gesellschaft hat sich verändert. Man ist heute individueller.» Auch von Elternvereinen werde eine solche Regelung gefordert. Wirth ist zudem überzeugt, dass auch der administrative Aufwand sinken würde. Heute müssten Eltern zuerst ein Gesuch schreiben, worauf die Schulleitung den Wunsch prüft und eine allfällige Ablehnung begründet. Geht ein Kind trotzdem auf den Familienausflug mit, hat die Sache noch ein rechtliches Nachspiel: Fehlbaren Eltern droht eine Busse im drei- bis vierstelligen Bereich.

Wer dagegen einen Jokertag einziehen möchte, hätte dies der Schule nur mitzuteilen – mit Unterschrift der Eltern. Die Anzahl der Bonustage müsste laut Wirth und Schrepfer stark limitiert sein.

Gute Erfahrungen in Sirnach

Pikant ist, dass es schon heute Schulgemeinden gibt, die Jokertage eingeführt haben. Die Schulgemeinde Sirnach zum Beispiel wurde vor einem Jahr vom Kanton zurückgepfiffen. «Die Jokertage haben bei uns tadellos funktioniert», sagt Schrepfer, der kurz davor neu ins Amt kam. Die Eltern hätten diese Möglichkeit keineswegs ausgereizt. Das mag auch damit zusammenhängen, dass das Sirnacher Modell eine Ferienverlängerung ausgeschlossen hat. Demnach waren nur zwei Halbtage pro Jahr als Joker erlaubt. Eine Woche vor und nach den Ferien galt eine Joker-Sperre.

Er könne akzeptieren, dass der Kanton seiner Schulgemeinde die Jokertage verbiete, sagt Schrepfer. Das Gesetz sei eindeutig. Aber es müssten für alle die gleichen Regeln gelten. Tatsächlich gibt es weitere Schulgemeinden, die Joktertage anwenden, wie der Verband der Thurgauer Schulgemeinden auf Anfrage bestätigt. «Wir gehen davon aus, dass es eine Minderheit ist», sagt Verbandspräsidentin Gabriela Frei. Das Amt für Volksschule hat in dieser Angelegenheit zwei Schulgemeinden gemahnt, wie Amtschef Walter Berger erklärt.

Der Vorstand des Schulgemeindeverbands spricht sich derweil klar für Jokertage aus. «Wir sind der Meinung, dass das in der heutigen Zeit nötig ist», sagt Frei.

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