Ein Jahr Gnadenfrist für die Post

FELBEN-WELLHAUSEN. Die Tage der Poststelle in Felben-Wellhausen sind gezählt. Da der Mietvertrag auf Juni 2015 gekündigt wurde, steht eine Agentur zur Diskussion. Das hat die Bevölkerung in einem Flugblatt erfahren. Der Gemeinderat hat keine Freude.

Stefan Hilzinger
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Noch steht das typisch gelbe Schild vor dem Postgebäude in Felben-Wellhausen. Doch in einem Jahr dürfte es verschwinden. (Bild: Donato Caspari)

Noch steht das typisch gelbe Schild vor dem Postgebäude in Felben-Wellhausen. Doch in einem Jahr dürfte es verschwinden. (Bild: Donato Caspari)

Für Gemeindeammann Werner Künzler ist klar: «Eine Gemeinde von unserer Grösse hat eine eigene Poststelle verdient.» Doch damit dürfte in Felben-Wellhausen in gut einem Jahr Schluss sein. Gestern hat die Bevölkerung der Gemeinde dazu ein Flugblatt der Post erhalten.

Die Post an der Bahnhofstrasse 31 bleibt höchstens noch so lange bestehen, wie der Mietvertrag läuft, das heisst bis Ende Juni 2015. Die Post sucht eine Lösung – möglicherweise eine Agentur in einem Laden, wie es sie schon in anderen Gemeinden der Region gibt.

Seit vergangenem November verhandelt die Gemeinde mit der Post. Der Gemeinderat habe sich in den Verhandlungen nach Kräften für eine eigenständige Poststelle gewehrt, sagt Künzler. Eine Einigung gab es nicht.

Unbefriedigende Nachfrage

Für die Post ist die Nachfrage nach Dienstleistungen in Felben aber zu wenig hoch. Im Flyer sind 168 Einzahlungen, 164 Briefe, 39 Pakete erwähnt, die 2013 täglich im Durchschnitt gezählt wurden. Wie hoch die Frequenzen sein müssten, um die Poststelle im Dorf zur erhalten, sagt das Unternehmen nicht. «Für die Beurteilung einer Poststelle gibt es keine fixe Zahlentabelle», sagt Yvonne Raudzus, Sprecherin bei der Post CH AG. Bei ihrem Entscheid, eine Poststelle zu schliessen, beurteile die Post verschiedene Faktoren. Nebst einer tiefen oder sinkenden Nachfrage sei dies etwa auch die aktuelle Infrastruktur. «Der Vertrag wurde uns gekündigt. Die Liegenschaft wird abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt», sagt die Post-Sprecherin.

Noch etwas gelte es zu berücksichtigen: «Mit Volg hat es in der Gemeinde einen bewährten Partner für eine Agentur-Lösung mit sehr guten Öffnungszeiten», sagt Raudzus.

Die Post respektiert, dass der Gemeinderat findet, in Felben-Wellhausen sei eine Poststelle angesichts der Grösse der Gemeinde und steigender Einwohnerzahlen gerechtfertigt. «Steigende Einwohnerzahlen sind keine Garantie für höhere Frequenzen. Die Kunden haben ihre Gewohnheiten geändert. Vieles wird heute auf elektronischem Weg erledigt», sagt Raudzus.

Auch Hüttlingen betroffen

Das Flugblatt haben auch die Einwohner der Gemeinde Hüttlingen erhalten. Hansjörg Locher, Gemeindeschreiber von Hüttlingen, ist nicht erfreut über die Entwicklung. Er erinnert daran, wie die Gemeinde vor einigen Jahren erst die Filiale der Raiffeisenbank und dann im Frühjahr 2009 auch die Poststelle verloren habe. Seither gibt es einen Hausservice und die Post in Felben als Anlaufstelle. «Müssen wir nun Einschreiben und Pakete in Frauenfeld abholen?», fragt Locher. Post-Sprecherin Raudzus verneint: «Eingeschriebenes und Päckli können auf der Agentur abgeholt werden.»

Dem Gemeinderat von Felben-Wellhausen bleibt noch ein Türchen offen. «Wir überlegen uns, den Entscheid vor die PostCom zu bringen», sagt Gemeindeammann Künzler. «Es gäbe schon andere Möglichkeiten als eine Agentur», sagt er. «Aber wenn die Post nicht will…»

Werner Künzler Gemeindeammann von Felben-Wellhausen (Bild: Nana do Carmo)

Werner Künzler Gemeindeammann von Felben-Wellhausen (Bild: Nana do Carmo)

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