Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Ein Hoch auf die Blutwurst

Thursicht
Stefan Hilzinger

Echte Erlebnisse machen sich rar in unserer zusehends virtuellen Welt. Freund und Feind treffen sich in ihrer Filterblase auf Facebook und bestärken sich in ihren Vorurteilen. «Du bisch us Frauenfeld ... wenn au du die neue Velostreife Sheisse findish» «Und dadefür dörfed mir ersht no Shtürä zalä ...» steht da etwa. Und Kriege finden heutzutage auf Twitter statt – was eigentlich ein Glück ist, wenn es dabei bleibt.

Zugegeben, praktisch ist es schon: Einkäufe lassen sich online vom Bett aus erledigen. Niemand muss sich der Gefahr aussetzen, im Laden oder auf dem Markt den Grippevirus aufzulesen. Vielleicht sinken für all jene, die nur online shoppen, schon bald die Krankenkassenprämien – vorausgesetzt man bestellt nur gesundes Gemüse und hat einen Hometrainer.

Anfang jeden Monats sind per Mausklick zwei Drittel des Zahltags wieder weg vom Konto, kaum waren sie drauf. Das tut viel weniger weh, als wenn ich den Batzen in echt hätte auf die Post tragen und über den Schalter reichen müssen.

Es ist halt so, grad jetzt im Herbst: Wahrhafte Erlebnisse aus der richtigen Welt gibt es höchstens noch an einer Metzgete in einer versteckten Landbeiz im Thurgau, wo es Blutwürste auf der Karte hat und noch geraucht wird. Das erinnert an die Zeit, als einzig Kochwäsche «online» war und die Grossmuter erzählte, wie sie als Kind von Hand dampfendes Schweineblut umrührte. Bloss blöd, dass man in der Beiz nicht mit Kärtli bezahlen kann.

Stefan Hilzinger

stefan.hilzinger@thurgauerzeitung.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.