Ein Hoch auf den guten Stil der SVP

Max Arnold kennt den Thurgau wie kaum ein zweiter. Eine zweite Heimat fand er in der SVP, auch wenn er dort nicht alle Meinungen teilt. Morgen wählt ihn der Grosse Rat zum höchsten Thurgauer. Das wird ein grosser Tag.

Silvan Meile
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Kantonsrat Max Arnold im Büro seines Ingenieurbüros. (Bild: Reto Martin)

Kantonsrat Max Arnold im Büro seines Ingenieurbüros. (Bild: Reto Martin)

FRAUENFELD. Max Arnold ist auch mit 68 Jahren noch täglich um sieben Uhr im Büro. «Ich kann am Vormittag besser arbeiten», sagt der Vermessungsingenieur, der sich auch gleich als vehementer Verfechter eines flexiblen Rentenalters bezeichnet. Offiziell arbeitet er noch mit einem Pensum von 20 Prozent in seinem Ingenieurbüro, das er 1983 mit zwei Partnern zusammen aufgebaut hat. Aus dem Verwaltungsrat und der Geschäftsleitung sei er mittlerweile ausgetreten. «Beziehungen pflegen, langjährige Projekte abschliessen, Kundenakquisition und mit Rat und Tat aus meiner langjährigen Erfahrung zur Seite stehen», das ist sein Aufgabenbereich geblieben. Letzteres aber nur, wenn es verlangt werde. «Ich dränge mich nicht auf», sagt Max Arnold und lehnt in seinem Stuhl zurück.

Die Infrastruktur hier im obersten Stock des Bürogebäudes an der Breitenstrasse könne er weiterhin jederzeit nutzen, auch für seine politische Arbeit. Und die nimmt nun vermehrt Zeit in Anspruch. Morgen wird ihn der Grosse Rat zum höchsten Thurgauer wählen, zu seinem Präsidenten. «Das wird der Höhepunkt und der Abschluss meiner politischen Karriere», sagt Max Arnold.

Ein rauherer Wind im Thurgau

«Ich kenne den Thurgau wie meine eigene Hosentasche.» Als Sohn eines Polizisten ist Max Arnold in der Kindheit oft innerhalb des Kantons umgezogen: Herdern, Bürglen, Romanshorn, Tobel, Märstetten, Weinfelden. Sogar das Militär von der Rekrutenschule bis hoch zum Oberstleutnant, «alles in Thurgauer Einheiten geleistet», sagt Arnold.

Der Thurgau war schon immer seine Heimat. Eine zweite hat er in der SVP gefunden. Seit wann das genau so ist, weiss er aber nicht mehr. «Eine gute Frage», sagt er. Nach kurzem Überlegen ist er sich aber sicher, dass er noch vor seiner Wahl zum Gemeindeammann von Warth-Weiningen im Jahr 1995 – dieses Amt führte er schliesslich nebenberuflich bis 2011 aus – an einer Wahlveranstaltung erwähnt hätte, dass er Mitglied der SVP sei. «Es muss also vorher gewesen sein», sagt er heute gelassen.

Der Beitritt zur SVP sei damals sowieso naheliegend gewesen. Denn bei den vielen Güterzusammenlegungen, in denen Arnold als Vermessungsingenieur in Thurgauer Orten mitwirkte, habe er viel mit Hans Uhlmann zusammengearbeitet, der einst ja auch die SVP Schweiz präsidierte.

Doch gerade auf Bundesebene sei er nicht in jeder Frage mit der SVP einverstanden. Aber Arnold betont «den guten Stil der SVP Thurgau», obwohl auch hier mittlerweile ein rauherer Wind durch die Politlandschaft weht. «Ein gewisser Anstand und Respekt ist verlorengegangen.» Der Eigennutz durch reisserische Schlagzeilen stünde vermehrt vor dem effektiven Nutzen für die Gesellschaft.

Eine Initiative übersteuert

Auf die Kulturland-Initiative angesprochen, sagt der Vermessungsingenieur und Raumplaner: «Ich habe nicht das Gefühl, der Thurgau sei zubetoniert worden. Sie haben mich angefragt, ob ich ihrem Komitee beitreten wolle.» Dann habe er genau hingeschaut – und ein ungutes Gefühl bekommen, als er gesehen habe, «wie radikal die Initiative ist». Gar kein neues Bauland mehr einzonen. Nein. Er sei nicht der Meinung, dass man für Versäumnisse der letzten Jahrzehnte so viel Gegensteuer geben müsse. «Meines Erachtens genügt die Revision des Raumplanungsgesetzes auf Bundesebene.» Es postuliere ja eine innere Verdichtung, eine bessere Ausnützung. Noch immer sei der Thurgau grün, auch wenn er zu einem Pendlerkanton geworden ist.

Für den bald höchsten Thurgauer dürfte der Kanton aber etwas selbstbewusster, pointierter auftreten: «Ich habe das Gefühl, der Thurgau erfüllt die Vorschriften des Bundes fast mit vorauseilendem Gehorsam», sagt er und nennt als aktuelles Beispiel den Gewässerschutz. «Und die jährlich steigenden Sozial- und Gesundheitskosten nimmt man auch hin wie von Gott gegeben.»

Nach dem Präsidium ist Schluss

In nur wenigen Tagen steht Max Arnold also vor dem Höhepunkt seiner politischen Karriere. Ein Jahr lang wird er Grossratspräsident sein. Und auf den Höhepunkt wird direkt der Abschied folgen. Er werde kein weiteres Mal mehr für den Kantonsrat kandidieren und somit im Frühling 2016 aus der Politik austreten. Dann soll es vermehrt auf Reisen gehen. Zusammen mit seiner Frau, die aufgrund seiner unzähligen Engagements all die Jahre oft auf ihn verzichten musste. Und seine fünf Enkel erwarten ihn, ebenso die Gartenarbeit, und weitere Bücher will er lesen. «Oder einfach einmal ausspannen.»