Ein Haus für sieben Kinder

FRAUENFELD. Christine Schneider gibt in der sozialpädagogischen Pflegefamilie im Speicher jungen Menschen Zuwendung, einen geregelten Alltag und Strukturen. Dazu braucht es Engagement und Platz. Darum baut die Familie ein Fertighaus.

Christine Luley
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Christine und Andreas Schneider kümmern sich seit Jahren nicht nur um die eigenen Kinder, sondern nehmen auch Pflegekinder bei sich auf. (Bild: Reto Martin)

Christine und Andreas Schneider kümmern sich seit Jahren nicht nur um die eigenen Kinder, sondern nehmen auch Pflegekinder bei sich auf. (Bild: Reto Martin)

FRAUENFELD. Im grossen Garten an der Speicherstrasse 21 in Frauenfeld stehen Bauvisiere. «Eröffnen Sie eine Privatpraxis?», wird Andreas Schneider im Schlossberg-Ärztezentrum oft von Patienten gefragt. Er verneint und verweist auf das Projekt seiner Frau: Pflegefamilie im Speicher.

Die Grossfamilie Schneider teilt ihr Leben bereits seit 25 Jahren mit mehr oder weniger fremden Kindern und Jugendlichen. Derzeit wohnen drei eigene Kinder und fünf Pflegekinder bei ihnen zu Hause. Damit sie mehr Platz haben, planen Schneiders einen einfachen, zweckmässigen Erweiterungsbau aus Holz mit sieben Zimmern zu 15 Quadratmetern. Ende August hätte der Fertigbau bereits stehen sollen. Doch der Spatenstich erfolgt erst am 1. Oktober. «Unvorstellbar, wie viele Hürden sich einem in den Weg stellen können», sagt Christine Schneider.

Im Dezember bezugsbereit

Doch jetzt geht es vorwärts. Die Einsprachefrist ist abgelaufen, im Dezember soll das Haus bezugsbereit sein. In einem weiteren Schritt wird mit einem unterkellerten Anbau an das bestehende Wohnhaus Platz für Vorrats- und Gruppenräume gewonnen.

Christine Schneider hat in den vergangenen Jahren noch ein Psychologiestudium absolviert und sich dadurch professionalisiert. Sie bietet Kindern, die aus verschiedenen Gründen nicht in ihrer Familie aufwachsen können, ein Zuhause. Im Eintrag des Handelsregisters steht unter dem Trägerverein Pflegefamilie im Speicher: «Führung einer Pflegefamilie zur Betreuung und Erziehung von normalbegabten und verhaltensauffälligen oder leicht behinderten Kindern und Jugendlichen.»

«Durch familiäre Strukturen lernen die Kinder, Vertrauen zu sich selbst zu haben», sagt Christine Schneider. Das begleitete Wohnen fördere die Selbstorganisation der jungen Menschen in der Gemeinschaft und die Auseinandersetzung in der Gruppe mit Begleit- und Bezugspersonen.

Träume verwirklicht

1977 verliebte sich Christine Fust in Andreas Schneider. Später heirateten die beiden, gründeten eine Familie und sind immer noch zusammen. Christine studierte Sozialpädagogik, Andreas Medizin. Nach und nach kamen die sechs eigenen Kinder zur Welt. Heute ist sie 50 und bereits Grossmutter. Ihre Kinder sind zwischen 30 und 16 Jahren alt. Ob sie sich nicht ausruhen wolle, wird sie oft gefragt. «Mich im Schaukelstuhl zurückzulehnen, würde mich langweilen. Ich habe Kinder gern, sie sollen das bekommen, was sie brauchen», findet sie.

Das Glück teilen

Schneiders finanzieren den Bau aus eigenen Mitteln, weil es ihnen gut geht und sie teilen möchten. Die engagierte Frau weist darauf hin, dass es auch in der reichen Schweiz Sozialfälle gibt, bei denen nicht alle anfallenden Kosten gedeckt sind.