Ein Gemeinderat ohne Parteien

In Wilen bewerben sich fünf parteilose Kandidaten um vier Sitze. Trotz Kampfwahl war das Podium nicht kämpferisch, sondern eher lustvoll-spielerisch.

Christof Lampart
Drucken
Teilen
Sie treten zur Wahl an: Hans Jörg Debrunner, Philipp Granwehr, Othmar Häne, Alois Holenstein, Ursula Burtscher und Kurt Enderli. (Bild: art)

Sie treten zur Wahl an: Hans Jörg Debrunner, Philipp Granwehr, Othmar Häne, Alois Holenstein, Ursula Burtscher und Kurt Enderli. (Bild: art)

Wilen. Dass am Podium vom Dienstagabend keine kämpferischen Töne angeschlagen wurden, lag zu einem guten Teil auch an Reto Marty, dem Geschäftsführer des Verbands Thurgauer Gemeinden. Als Aussenstehender konnte er zwar der Kandidatin und den Kandidaten problemlos auf den Zahn fühlen, ohne sich dabei fürchten zu müssen, in ein Fettnäpfchen zu treten, er gestaltete die Diskussion aber eher lustvoll-spielerisch.

«Keine Grabenkämpfe»

Generell scheint in Wilen die Zugehörigkeit zu einer Partei und somit auch zu einem konkreten politischen Weltbild nicht sehr ausgeprägt zu sein, gehört doch keiner der sechs Kandidaten einer Partei an. Weder die Bisherigen Kurt Enderli, Gemeindeammann, und die Gemeinderäte Alois Holenstein und Hans Jörg Debrunner noch die neu antretenden Ursula Burtscher, Philipp Granwehr und Othmar Häne. «Ich denke, dass das nicht schlimm ist, sondern vielmehr eine Qualität von unserer Gemeindebehörde.

Wir haben alle viele Facetten und ergänzen uns dabei gut in der Sacharbeit und erschöpfen uns nicht in politischen Grabenkämpfen», wusste Debrunner zu erzählen. Und lag damit ganz auf der Linie von seinem Gemeinderatskollegen Holenstein, der nach eigenem Bekenntnis «lieber lieferet statt laferet».

Die Neuen gaben sich ebenso entkrampft. Gefragt, wie er sich charakterisieren würde, antwortete Granwehr selbstkritisch. «Ich habe eine gute Allgemeinbildung, bin aber nicht immer diplomatisch.

» Häne selbst sah sich als «loyal und vertrauenswürdig», und Burtscher betonte ihre Teamfähigkeit. Politisch ordneten sich Häne und Granwehr «eher rechts von der Mitte» ein. Burtscher entzog sich einer Einordnung: «Ich nehme mir von jeder Partei das Beste und schaffe so meine eigene Meinung.»

Gefragt, warum sie sich ein Gemeinderatsmandat antäten, erklärte Häne, dass er dazu beitragen wolle, dass die «Generation 60 plus» sich politisch vertreten fühle.

Burtscher würde «gerne das Dorf mitgestalten» und Granwehr mit den Steuergeldern sorgsam umgehen, «denn jeder Steuerfranken ist ein Franken, den die Wilener sich hart verdient haben». Auch für Häne ist der Umgang mit dem Geld wichtig: «Ich würde ein Auge auf eine sparsame Gemeindeverwaltung werfen.» Und Burtscher hält nichts von einer wie auch immer gearteten Fusion mit einer Nachbargemeinde: «Ich möchte, dass Wilen Wilen bleibt – und dazu gehören eine eigene Post und Einkaufsmöglichkeiten.»

«Persönlichkeit unterordnen»

Enderli erklärte, dass man als Gemeindeammann oft seine Persönlichkeit dem Amt unterordnen müsse. Das sei nicht immer leicht, vor allem, wenn man das Gute wolle, zum anderen aber von Menschen enttäuscht werde. Doch er arbeite gerne für Wilen und sei nicht jemand, der sich in den Vordergrund drängen müsse.

«Im Zentrum unserer Arbeit sollte stehen, dass wir Rahmenbedingungen schaffen, die dazu beitragen, dass sich die Leute im Dorf engagieren», so Enderli. Er selbst strebe jedoch kein politisches Amt ausserhalb der Gemeinde an.