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Ein gar wundersames Schlösschen

FRAUENFELD. Um 1950 hätten es Soldaten fast dem Erdboden gleichgemacht. Doch das Guggenhürli thront weiterhin über dem Langdorf. Und das schon viel länger als gemeinhin angenommen, weist Angelus Hux in seinem neuen Buch nach.
Stefan Hilzinger
Autor Angelus Hux und Genossenschaftspräsident Urs Fankhauser blättern im Guggenhürli-Buch. (Bilder: Reto Martin)

Autor Angelus Hux und Genossenschaftspräsident Urs Fankhauser blättern im Guggenhürli-Buch. (Bilder: Reto Martin)

Eine Buchshecke in kräftigem Grün friedet den hochgeschossenen Bau ein. Drin blühen noch Anfang November Lavendel und kleine Hundsrosen. Würden die Rosen die Mauer hoch ranken, niemand wunderte sich, wenn Dornröschen oder Rapunzel aus dem Turmzimmer blickten.

Versteckt hinter Bäumen und abgeschieden vom Lärm der Stadt, thront das Guggenhürli über dem Langdorf. Angelus Hux, der frühere Sekundarschullehrer, Musiker und Archivar der Bürgergemeinde Frauenfeld, hat über das besondere Haus ein Buch geschrieben. Kommenden Samstag wird sein reich bebildertes Werk voller Geschichte und Geschichten im Frauenfelder Rathaus der Öffentlichkeit vorgestellt (siehe Kasten).

Die rettende Genossenschaft

Äusserer Anlass für das Publikum ist das 50-Jahr-Jubiläum der Genossenschaft Guggenhürli. Sie war Mitte der 1960er-Jahre auf Initiative des Thurgauer Lehrers und Historikers Albert Schoop gegründet worden, um den Bau für die Nachwelt zu erhalten. Schliesslich war er einst das Reb- und Sommerhaus der Amtsmänner aus dem Konstanzer Geschlecht der Rüpplin. Während seiner Frauenfelder Zeit (1843 bis 1852) sass der Thurgauer Politiker und Diplomat Johann Conrad Kern öfter in der Stube im ersten Stock über den Akten. Das Guggenhürli heisst deswegen auch Kern-Schlösschen.

Fort mit dem alten Haufen

Das Buch schildert anschaulich die wechselvolle Geschichte des Fachwerkbaus. Gut zehn Jahre vor der definitiven Rettung durch die Genossenschaft wäre das Guggenhürli beinahe dem Erdboden gleichgemacht worden. Soldaten standen um 1950 schon bereit, um «den alten Haufen» im Rahmen einer Luftschutzübung abzubrechen und zu beseitigen. Denn die Bürgergemeinde wollte an der Stelle ein Altersheim errichten. Die Pläne zerschlugen sich. Darauf kam die Liegenschaft an die Primarschulgemeinde. Die Schulbehörde wollte zwei Wohnungen einbauen. Doch die Schulbürger schmetterten das Ansinnen am 7. November 1965 mit 1631 Nein- zu 778 Ja-Stimmen ab.

Renaissance, nicht Rokoko

Wäre der Bau damals abgebrochen oder umgebaut worden, hätte Angelus Hux nun nicht mehr herausfinden können, dass das Guggenhürli rund 150 Jahre älter ist, als gemeinhin angenommen. «Ich hätte es eigentlich erkennen müssen», sagt Urs Fankhauser, der jetzige Präsident der Genossenschaft und frühere Thurgauer Denkmalpfleger. Allein die Konstruktion des Türrahmens stamme sicher aus einer Zeit deutlich vor 1720. Die Zahl bezeichnete bislang das Entstehungsjahr des Baus. Auch das Wappen der Familie Rüpplin an der Wand zum Aufgang in den zweiten Stock spreche für eine wesentlich ältere Baugeschichte. «Dieses einfache Wappen hat die Familie Rüpplin um 1720 nicht mehr geführt», sagt Hux. Klarheit schaffte eine wissenschaftliche Untersuchung des Bauholzes im Dezember 2013. Die Balken stammen aus der Zeit um 1560/ 1570. «Das Guggenhürli ist Renaissance», sagt Hux.

Das Guggenhürli. (Bild: Reto Martin (Reto Martin))

Das Guggenhürli. (Bild: Reto Martin (Reto Martin))

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