«Ein für allemal ein Unort»

Der Historische Verein des Kantons Thurgau feierte am Donnerstagabend Vernissage seiner neusten Publikation. Das Buch widmet sich der Komturei Tobel und legt das Schwergewicht auf die Zeit als Strafanstalt.

Caspar Hesse
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Die offizielle Übergabe: Walter Strasser, Verena Rothenbühler, Markus Brühlmeier, Benedikt Wälder und André Salathé. (Bild: Donato Caspari)

Die offizielle Übergabe: Walter Strasser, Verena Rothenbühler, Markus Brühlmeier, Benedikt Wälder und André Salathé. (Bild: Donato Caspari)

TOBEL. «Schön, dass Sie hier in dieses Loch gekommen sind», begrüsst André Salathé die Gäste der Buchvernissage, die die ehemalige Weberei der Komturei Tobel bis auf den letzten Platz füllen. Salathé ist Präsident des Historischen Vereins des Kantons Thurgau und Staatsarchivar. Auch der festliche Ort wirkt wie ein Loch. Die Farbe blättert grossflächig von den Wänden, mit dem Heizen wurde ein Tag vor der Vernissage begonnen.

Schon die Umgebung, ein Tobel, ist «v-förmig, tief, lang, düster und feucht», wie Salathé zusammen mit Walter Strasser, Mitglied des Stiftungsrats der Komturei, das Vorwort des 152. Thurgauer Beitrags zur Geschichte beginnt. «Das Loch im Tobel» ist die erste Publikation des kommenden Jahres. 2015 wird es zwei Bücher geben, gibt Salathé bekannt.

Stillstand statt Reform

Münsterlingen und Kalchrain haben die Kurve geschafft und sich reformiert, Tobel wurde geschlossen. Von 1811 bis 1973 war die Komturei eine Strafanstalt. Danach folgte keine Reform, sondern Stillstand. Tobel blieb in den Thurgauer Köpfen «feucht, kalt, dunkel – ein für allemal ein Unort», wie es im einleitenden Essay heisst.

«1978 wurde das Dornröschen wachgeküsst», schreiben Salathé und Strasser weiter. Doch wieder war es nicht Tobel. Es war Ittingen gemeint, das sich zum Kunstmuseum mauserte. Tobel wartet noch immer, auch ein angedachtes Museum für Bauern- und Dorfkultur scheiterte im Jahr 1991.

Schauen, dass es nicht zerfällt

Seit rund zehn Jahren gehört die Anlage der Stiftung Komturei Tobel. Co-Präsident Benedikt Wälder kann es nicht mehr ertragen, wenn Besucher sagen: «Hier könnte man etwas machen.» Am liebsten gäbe Wälder diesen Leuten eine Schaufel in die Hand, denn «wir können im Moment nur schauen, dass es nicht zusammenfällt.» 4,5 Hektaren müssen vor der Überwucherung bewahrt werden.

Freiheits- statt Todesstrafe

Der erste Teil des Buches ist eine Zusammenfassung und Aktualisierung des Werks von Hans Bühler: «Geschichte der Johannniterkomturei Tobel» von 1985. Der Historiker Markus Brühlmeier hat den Hauptaspekt auf die Sozial- und Wirtschaftsgeschichte gelegt.

Der zweite Teil des Buches, verfasst von der Thurgauer Historikerin Verena Rothenbühler, arbeitet die Geschichte des Gefängnisses umfassend auf. Die Freiheitsstrafe war Anfang des 19. Jahrhunderts noch eine junge Erscheinung. Sie löste Körper-, Todes-, Verbannungs-, Galeeren- oder Arbeitsstrafen ab. Brandeisen und Schafott sollten der Vergangenheit angehören, die Strafe sollte nicht mehr abschrecken oder töten, sondern die Täter erziehen und bessern. Aufgehoben wurde die Anstalt schliesslich 1973 wegen Unterbelegung und weil sie sanierungsbedürftig war. Der Trend zu mehr bedingten Freiheitsstrafen liess nicht erwarten, dass die Gefangenenzahlen wieder steigen würden.

Markus Brühlmeier, Verena Rothenbühler, André Salathé, Walter Strasser: «Im Tobel der Busse. Komturei und Strafanstalt Tobel 1226–2014.» Thurgauer Beiträge zur Geschichte. Band 152 für das Jahr 2015 (1). Herausgegeben vom Historischen Verein des Kantons Thurgau.