Ein Fünftel der Kantonalbank ist privatisiert

Gestern plazierte die Thurgauer Kantonalbank zum zweiten Mal Partizipationsscheine an der Börse. Damit ist der gesetzlich mögliche Verkauf von einem Fünftel des Grundkapitals an Private abgeschlossen. Der gesamte Börsengang bringt dem Kanton einen Nettoerlös von über 200 Millionen Franken.

Christof Widmer
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Vor einem Jahr warb die TKB für den Börsengang. (Bild: Reto Martin)

Vor einem Jahr warb die TKB für den Börsengang. (Bild: Reto Martin)

FRAUENFELD. Die Partizipationsscheine der Thurgauer Kantonalbank bleiben beliebt: Auch die zweite Tranche, die die Bank gestern an die Börse brachte, war überzeichnet. Das heisst, dass die Interessenten sich für mehr Scheine gemeldet haben, als zum Verkauf standen. «Wir haben eine erfreuliche Nachfrage registriert», sagt TKB-Sprecherin Anita Schweizer. Erwartungsgemäss sei das Interesse aber nicht mehr ganz so gross gewesen wie beim Börsengang im April 2014.

Bei der Zuteilung berücksichtigte die Bank erneut vor allem private Investoren im Thurgau. «Wir konnten die breite Streuung der Partizipationsscheine im Thurgau nochmals vergrössern und auch neue Inhaber gewinnen», sagt Schweizer.

Gestern konnten 1,35 Millionen Partizipationsscheine an der Börse plaziert werden. Das entspricht 6,75 Prozent des ursprünglichen Grundkapitals der Bank. Weitere 150 000 Partizipationsscheine (0,75 Prozent) können im Rahmen einer Mehrzuteilungsoption bis 31. Juli plaziert werden. Der Entscheid dazu steht noch aus. Es ist aber davon auszugehen, dass diese Option genützt wird.

Kurs sinkt nach Ankündigung

Die Partizipationsscheine wurden gestern zum Preis von 74 Franken ausgegeben. Ungefähr auf diesen Wert ist der Kurs der Partizipationsscheine gesunken, als die Bank die Plazierung der zweiten Tranche angekündigt hat. Vorher bewegte sich der Titel über Monate um 78 bis 79 Franken. «Kurskorrekturen sind bei solchen Transaktionen nicht unüblich», sagt TKB-Sprecherin Schweizer. Die Erwartung, dass sich der Kurs wieder auf den alten Wert zubewegt, darf Schweizer nicht direkt kommentieren. «Der Partizipationsschein soll sich als solider Dividendentitel im Markt etablieren.»

Zusammen mit der ersten Tranche von letztem Jahr ist nun ein Fünftel des ursprünglichen Grundkapitals von 400 Millionen Franken in Partizipationsscheine gewandelt. Dem Kanton verbleibt noch ein Grundkapital von 320 Millionen Franken. Dabei wird es auch bleiben.

Bank und Kanton hätten zehn Jahre gehabt, die Partizipationsscheine an den Markt zu bringen. Die TKB habe sich in Absprache mit dem Kanton wegen der guten Nachfrage entschlossen, die zweite Tranche jetzt zu plazieren, sagt Schweizer. Man blicke auf eine erfolgreiche Plazierung der ersten Tranche zurück. «Diesen Schwung wollten wir mitnehmen.»

Für die zweite Tranche wurden 30 Millionen Franken Grundkapital in Partizipationsscheine gewandelt. Da der Wert an der Börse viel höher ist, erzielt ihr Verkauf einen Bruttoerlös von 110 Millionen Franken. Sie fliessen an den Kanton. Netto – abzüglich der 30 Millionen Franken Grundkapital, die der Kanton schon in den Büchern hatte – beträgt der Erlös 80 Millionen Franken.

Finanzdirektor erfreut

«Der Regierungsrat nimmt gerne von der erfolgreichen Plazierung der zweiten Tranche der TKB-Partizipationsscheine Kenntnis», teilt Finanzdirektor Jakob Stark mit. Die Regierung erachtet es als sehr positiv, dass viele Thurgauerinnen und Thurgauer Eigentümer von solchen Partizipationsscheinen sind. Gleichzeitig bleibe der Kanton klarer Mehrheitseigentümer mit alleinigem Stimmrecht.

Stark geht von einem tatsächlichen Nettoerlös von rund 77,6 Millionen Franken aus. Der genaue Betrag werde nach Abrechnung aller Transaktionskosten feststehen. Gemäss Beschluss des Grossen Rates werde der Erlös in ein spezielles Reservekonto eingelegt. Das Geld darf ab dem Verkauf des ersten Partizipationsscheins fünf Jahre lang nicht angerührt werden. Mit der ersten Tranche hatte der Kanton schon 127,2 Millionen Franken eingenommen. Insgesamt hat der Börsengang dem Kanton also netto über 200 Millionen Franken eingebracht.