«Ein faszinierender Spielort»

Das Festspiel «Der dreizehnte Ort» ist nach 20 Aufführungen Geschichte. Roland Inauen, stillstehender Innerrhoder Landammann und Projektleiter, zieht eine positive Bilanz. Er spricht im Interview über Nervenflattern und Zusammenhalt.

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Sogar auf Dächern agierten die Darsteller des Festspiels. (Bild: Martina Basista)

Sogar auf Dächern agierten die Darsteller des Festspiels. (Bild: Martina Basista)

Herr Inauen, wie sehr überrascht es Sie, dass das Festspiel «Der dreizehnte Ort» derart grossen Anklang gefunden hat?

Roland Inauen: Überrascht bin ich nicht, vielmehr sehr erfreut, zufrieden und erleichtert. Wir hatten stets Vertrauen in die professionelle künstlerische Leitung. Dies war besonders in der schwierigen Endphase der Vorbereitung wichtig.

Welche Probleme belasteten den Probebetrieb?

Inauen: Es gab eine Zeit im Frühling, da stiessen wir allenthalben auf Widerstände. Die Sperrung der Hauptstrasse durch Hundwil, die Tribüne, die es zu optimieren galt, und nicht zuletzt das himmeltraurige Wetter sorgten dafür, dass die Nerven bei allen Beteiligten teilweise blank lagen.

War die Durchführung der Produktion in Gefahr?

Inauen: Es gab eine Zeit, da zitterten wir, ob es gelingt, zur Premiere bereit zu sein.

Die zeitweise Sperrung der Strasse sorgte für Schlagzeilen und bei der Bevölkerung für Unzufriedenheit. Was ist falsch gelaufen?

Inauen: Wir haben anfänglich schlecht informiert. Nach einer Informationsveranstaltung und verschiedenen Anpassungen bei den Sperrungen stellte sich die Bevölkerung Hundwils aber mehrheitlich hinter das Festspiel. Das Entgegenkommen der Anwohner des Landsgemeindeplatzes war grossartig. Dies erachte ich nicht als Selbstverständlichkeit.

Es gab nicht zuletzt in Appenzell Innerrhoden Stimmen, die meinten, Hundwil sei nicht der richtige Durchführungsort für das Festspiel.

Inauen: Hundwil war vielen nur von der Durchfahrt mit dem Auto bekannt. Es hat sich aber gezeigt, dass Hundwil ein faszinierender Spielort war. Die Ambiance im Dorf war speziell. Dass sogar Innerrhoder sagten, es lohne sich, vor der Aufführung im Dorf, das als das Bühnenbild diente, zu flanieren, verdeutlicht dies.

Einige Worte zur Leistung des Ensembles?

Inauen: Die Darsteller und Sänger haben viel auf sich genommen. Sie waren sich dessen aber bewusst, hat doch Noldi Alder an der ersten Informationsveranstaltung vor einigen Jahren gesagt: «Wer mitmacht, kann sein Hobby während dieser Zeit vergessen.» Entsprechend harzig verlief anfangs die Rekrutierung der Laiendarsteller.

Welchen Beitrag leisteten die Helferinnen und Helfer?

Inauen: Ihr Einsatz war Freiwilligenarbeit im besten Sinn. Die Beteiligten sind zu einer grossen Festspielfamilie zusammengewachsen. Ich gönne ihnen den Erfolg.

Nebst Laien war eine professionelle künstlerische Leitung am Werk. Haben Regie, Musik, Autor und Technik die Erwartungen erfüllt?

Inauen: Die professionelle Arbeit wurde von diesem Team erwartet. Es gab aber auch schwierige Situationen, in denen sich zeigte, dass die Profis neben ihrem Können auch viel Herzblut für das Jahrhundertereignis gaben.

Das Festspiel war zwanzigmal ausverkauft – weshalb gibt es keine Zusatzvorstellung?

Inauen: Nach der Sommerpause begannen wir, sogenannte «Wolldeckenplätze» zu verkaufen. Dies federte den Druck etwas ab. Es mussten keine Besucher abgewiesen werden. Die zusätzlichen Zuschauerplätze erschwerten aber auch die Logistik, da sich die Schauspieler teils in den Rängen bewegten. Unter den Mitwirkenden war keine überwiegende Mehrheit für Zusatzvorführungen. Unter diesen Voraussetzungen entschied die Arbeitsgruppe, darauf zu verzichten.

Das Festspiel begeisterte und verband Inner- und Ausserrhoder. Bleibt nach der Dernière etwas davon übrig?

Inauen: Ich sagte schon früh: Egal, ob das Festspiel beim Publikum ankommt oder nicht, allein der Weg mit den Mitwirkenden aus beiden Kantonen hat sich mehr als gelohnt. Appenzeller aus Inner- und Ausserrhoden sind sich nähergekommen.

Gilt diese Aussage auch für Offizielle, für die Vertreter der Politik?

Inauen: Viele Gremien haben für das Jubiläumsjahr «AR/AI500» in verschiedenen Bereichen zusammengearbeitet. Wir haben einander besser kennengelernt, es sind Freundschaften entstanden, das Vertrauen ist gewachsen. Das ist eine gute Basis für die künftige Zusammenarbeit. Das Projekt gibt Menschen aus beiden Kantonen eine gemeinsame Geschichte.

Ausverkaufte Vorstellungen, das Budget von 1,73 Millionen Franken im Lot, zufriedene Mitwirkende. Gibt es nichts Negatives?

Inauen: In Hundwil gibt es wohl noch vereinzelt negative Stimmen. Besonders wegen der einschneidenden Strassensperrung. Manchmal dachte ich, mit dem Festspiel sei den Mitwirkenden und der Bevölkerung zu viel zugemutet worden. Ich bin daher dankbar, dass das Projekt mitgetragen wurde.

Fand das Festspiel jenseits der Grenzen des Appenzellerlandes Beachtung?

Inauen: Ich erhielt viele positive Feedbacks von Besuchern von auswärts. Für die künstlerische Seite waren die positiven Reaktionen von Gästen aus der Theaterszene sicher besonders wertvoll.

Welche Erinnerung ans Festspiel bleibt Ihnen?

Inauen: Es sind unzählige. Ein Bild, das sich mir besonders eingeprägt hat, sind die Liebespaare auf den Dächern. Als die Regie darauf bestand, auch die Dächer zu bespielen, hatte ich wegen der Sicherheit und wegen Versicherungsfragen gedacht: Nicht das auch noch. Speziell war auch, als ich während der Proben einmal mit dem Auto aufgehalten wurde und eine Gruppe von Kindern heranstürmte. Innert Sekunden verwandelte sich die Strasse in ein Paradies.

Interview: Mea Mc Ghee