Ein erster Meilenstein

Für 100 Millionen Franken will das Elektrizitätswerk des Kantons Thurgau mit dem Stromgiganten Axpo als Juniorpartner ein Geothermiekraftwerk im Oberthurgau bauen. Diese Investitionssumme ist für Thurgauer Verhältnisse gross.

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Für 100 Millionen Franken will das Elektrizitätswerk des Kantons Thurgau mit dem Stromgiganten Axpo als Juniorpartner ein Geothermiekraftwerk im Oberthurgau bauen. Diese Investitionssumme ist für Thurgauer Verhältnisse gross. Sie ist aber ein Tatbeweis, dass es dem kantonseigenen Unternehmen ernst ist mit seiner Naturstrom-Offensive.

Das EKT setzt mit dieser Investition einen bewussten Schwerpunkt im Mix unter den verschiedenen erneuerbaren Energien. Das ist richtig. Im Untergrund liegt das grösste heimische Energiepotenzial, das nur darauf wartet, erschlossen zu werden. Der Solarstrom dagegen unterliegt natürlichen Produktionsschwankungen und ist deshalb unbeliebt. Die Zahl der möglichen Biogasanlagen oder Holzkraftwerke ist begrenzt, weil die nötigen Ressourcen nicht unendlich zur Verfügung stehen. Und die Wasserkraft erreicht ihr Limit aus Umweltschutzgründen. Wer mit Alternativenergien vorwärtsmachen will, kommt an der Geothermie nicht vorbei – auch wenn in dieser Pioniertechnologie der Erfolg keineswegs garantiert ist.

Das Thurgauer Geothermie-Grossprojekt zeigt auch ganz konkret, welche Herausforderung der Atomausstieg bedeutet. Wenn alles klappt, erhält das EKT für die 100 Millionen Franken ein Kraftwerk, das 2200 Haushalte mit Strom versorgen kann. Seine Stromproduktion deckt nicht einmal einen Hundertstel des heutigen Gesamtverbrauchs im Kanton. Um den Atomstrom zu ersetzen, dürften also allein für den Thurgau Investitionen in Milliardenhöhe nötig sein. Für die Energiewende ist das Thurgauer Geothermieprojekt nur ein erster Meilenstein auf einer langen und teuren Reise. Christof Widmer

christof.widmer@thurgauerzeitung.ch