Ein Dorfladen für Berlingen

BERLINGEN. Das Lokal ist gefunden, die Finanzierung steht in groben Zügen, nur der Betreiber fehlt noch. Am Dienstagabend informierte Markus Oehler über den geplanten Dorfladen in Berlingen.

Gudrun Enders
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In dieses Gebäude an der Seestrasse soll der Dorfladen einziehen. Es handelt sich um das ehemalige Postlokal. (Archivbild: Donato Caspari)

In dieses Gebäude an der Seestrasse soll der Dorfladen einziehen. Es handelt sich um das ehemalige Postlokal. (Archivbild: Donato Caspari)

Die Berlinger stehen offensichtlich hinter einem neuen Dorfladen. Denn die Einzahlungsscheine gingen am Dienstagabend weg wie warme Semmeln. 50 dieser Formulare hatte Markus Oehler mitgebracht. Sie waren vergriffen, und weitere zehn Spendenwillige trugen sich noch auf einer Liste ein. «Einzahlungsscheine liegen nun auch auf der Gemeinde bereit», sagt Oehler. Er ist zwar Gemeinderat, aber für den Dorfladen engagiert er sich als Privatperson, um keinen Präzedenzfall zu schaffen.

Ein Laden gehört ins Dorf

Seit einem Jahr muss Berlingen ohne Maxi-Dorfladen auskommen. Der gehört aber für Oehler zu einem intakten Dorfleben dazu. Da das bisherige Ladenlokal nicht mehr zur Verfügung steht, stellte er die alte Post als Alternative vor. «Die gesamte Post-Einrichtung kommt raus», sagte Oehler. Anstelle der Telefonkabinen würde ein neuer Ausgang eingebaut. Der Umbau und eine neue Ladeneinrichtung schlägt laut Oehler mit rund 264 000 Franken zu Buche, die Erstbefüllung der Ladenregale mit 50 000 Franken. «Das ist eine grosse Belastung für einen Betreiber, da werden wir keinen finden», schätzt er die Situation ein. Deshalb stellte er noch eine zweite Rechnung vor, bei der der Betreiber nur die Erstbefüllung berappen muss: Der Laden soll in Fronarbeit umgebaut werden. Als Einrichtung werden Occasions-Verkaufsgestelle angeschafft. Unterm Strich bleiben Kosten von rund 116 000 Franken, die über Spenden, Sammelaktionen und Benefizveranstaltungen hereinkommen sollen. «Gibt es dennoch keinen Dorfladen, erhalten die Spender ihr Geld zurück», sagte Oehler. Er will die Berlinger finanziell an den Dorfladen binden, so dass sie sich verpflichtet fühlen, dort einzukaufen.

In der Diskussion war die Miete ein Thema. Dem Ehepaar Künzli gehört die Liegenschaft, in der sich die alte Post für rund 1800 Franken monatlich eingemietet hatte. Das Ehepaar käme einem Dorfladen mit einem Mietzins von 1200 Franken inklusive Nebenkosten entgegen. Zudem würde wieder eine Postagentur im Dorfladen eingerichtet, wobei die Post dafür einen fixen Beitrag zahlt. Dennoch müsste der Laden einen Umsatz von rund einer halben Million jährlich machen, um auf Dauer zu existieren. Das sagte Bernhard Binder als Gebietsverkaufsleiter von Maxi. «Wir sehen eine realistische Chance», sagte er gegenüber der TZ. Empfehlenswert sei eine Spezialisierung des neuen Betreibers auf Käse oder Früchte und Gemüse.

Gemeinde soll sich engagieren

Einige Berlinger regten an, die Gemeinde möge die Oberaufsicht über den Dorfladen übernehmen. Gemeindeammann Annemarie Moret hat schon reagiert: «Der Gemeinderat befasst sich an seiner nächsten Sitzung mit dieser Frage.» Denn möglicherweise könnte der Souverän schon an der Gemeindeversammlung am 2. Dezember abstimmen.