Ein Dorf trifft sich selbst

In der «Woche der Begegnung» findet in Wilen ein Dorffest statt: Zwischen dem 8. und 14. Juni wird aus der Gemeinde eine Festmeile mit Festplatz vor dem Schulhaus Ägelsee. Während dieser Zeit wird aber nicht nur gefeiert.

Simon Dudle
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Wilens Gemeindeammann Kurt Enderli agiert auch als OK-Präsident der «Woche der Begegnung». Dafür hat er grosse Plakate anfertigen lassen. (Bild: Simon Dudle)

Wilens Gemeindeammann Kurt Enderli agiert auch als OK-Präsident der «Woche der Begegnung». Dafür hat er grosse Plakate anfertigen lassen. (Bild: Simon Dudle)

WILEN. Ein jährliches Dorffest gibt es in Wilen genauso wenig wie einen Jahrmarkt. Zu nahe liegt die 2500-Seelen-Gemeinde an der pulsierenden Stadt Wil mit ihrem breiten Angebot. Dies wiederum birgt die Gefahr, dass Wilen der Dorfcharakter abhanden kommt. «Das Dorf ist in den vergangenen fünf Jahren stark gewachsen. Es gilt aufzupassen, dass man sich gegenseitig noch kennt», sagt Wilens Gemeindeammann Kurt Enderli. Wenn man sich vertraue, gäbe das ein anderes Zusammenleben und eine andere Beziehung zu den Mitmenschen. Man soll sich trauen können, den Nachbarn zu fragen, ob er die Katze hütet, nennt Enderli als Beispiel.

Mit einem Dorffest soll die Brücke zum Miteinander geschlagen werden. Jedoch soll es nicht ein gewöhnliches Fest an einem Samstagabend mit Chilbi, Musik und Theater werden, wie man es landauf, landab kennt. Um möglichst viele Leute anzusprechen, wurde die Katholische sowie die Evangelische Kirchgemeinde ins Boot geholt, die Primar- und die Sekundarschule und die Politische Gemeinde Wilen. «Eines der Ziele ist, nicht ein weiteres Mal die Vereine mit einem Anlass zu belasten», sagt Enderli, der als Präsident des Organisationskomitees amtet.

Mit Muffins Grüsse entsenden

Der Festplatz wird auf einem Gebiet unweit des Sekundarschulhauses Ägelsee eingerichtet. Nämlich auf jenem Stück Wiese, das schon bald überbaut wird. Vier Zelte werden aufgestellt, in denen unterschiedliche Programme angeboten werden.

Inhaltlich wird ein Schwerpunkt auf die Energiewende gelegt. Am Dienstagabend findet dazu ein Referat statt, am Mittwoch ein Workshop. Daraus werden dann Ideen abgeleitet, in welche Richtung sich die Gemeinde energietechnisch weiterentwickeln soll. Ein weiterer Schwerpunkt betrifft die Schulen, die eine Sonderwoche abhalten. Täglich werden von den Schülern Projekte vorbereitet und abends vorgeführt. Höhepunkt ist ein Musical, welches am Freitagabend des 12. Junis präsentiert wird.

Die Wiler Bürger können aus dem breiten Angebot auch einen praktischen Nutzen ziehen: Wer will, kann sich freiwillige Schüler nach Hause bestellen, damit diese etwa im Garten oder Haushalt Hand anlegen. Es wird auch ein Muffins-Kurierdienst organisiert, mit dem man anderen Wilern süsse Grüsse verschicken kann. Auch ein Velo-Reinigungsdienst bieten die Schüler an.

Sportlerehrung ohne Küng

Zum vielseitigen Unterhaltungsprogramm gehören unter Anderem auch Sportlerehrungen, die am Donnerstagabend über die Bühne gehen. Dabei werden mehrere Schweizer- und Europameister ausgezeichnet. Nicht dabei sein wird der derzeit bekannteste Wilener, Stefan Küng. Der Radrennfahrer ist zu dieser Zeit an der Tour de Suisse unterwegs – und wird einige Tage später in Schwarzenbach und Wil anzutreffen sein, wo der Tourtross unter anderem Halt macht.

Definitiv kein jährliches Dorffest

Dem OK-Präsidenten steht für den gesamten Anlass ein Budget von 85 000 Franken zur Verfügung, wobei die Politische Gemeinde sich mit einen Beitrag von 20 000 Franken beteiligt. Der grösste Budgetanteil, nämlich 50 000 Franken, soll mittels Sponsoring von Unternehmen beigesteuert werden. Hier möchte Enderli nicht ein weiteres Mal die Vereine belasten.

Noch nicht bestimmt ist, ob es sich bei diesem Fest um einen einmaligen Anlass handelt. Sicher ist, dass er künftig nicht jährlich wiederholt wird: Der organisatorische Aufwand dafür wäre schlichtweg zu gross.