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Ein Chauffeur steuert vor Gericht

Sonntagsgericht
Silvan Meile

Der Lastwagenfahrer aus der Slowakei hinterlässt einen bösen Eindruck. Dazu träg auch der Körperbau eines Schwingers bei. Vor einigen Jahren ist er in die Schweiz gefahren, um Arbeit zu finden. Die Suche war erfolgreich. Doch nicht alles verlief so rosig, wie er es sich vorgestellt hatte. Er fühlt sich ausgenutzt. Deshalb nahm sich der Chauffeur einen Anwalt, klagte seinen ehemaligen Arbeitgeber ein und steuerte in Richtung Gerichtsverhandlung.

In einem karierten Hemd ist er nun nach Weinfelden gekommen, um einen Thurgauer Spediteur vor den Schranken des Gerichts zu bodigen. Auf 30 000 Franken klagt sein Anwalt das Transportunternehmen ein. Der geforderte Betrag setze sich aus Überstunden, Nacht- und Sonntagszulagen und nicht bezahlten 13. Monatslöhnen zusammen, macht der Rechtsverteidiger des Klägers geltend.

Arbeitseinsätze hätten 13 bis 14 Stunden gedauert, ohne am Feierabend zu wissen, wie es am nächsten Tag weitergehe, erzählt der Mann aus der Slowakei in gebrochenem Deutsch. «Ich musste immer warten, bis ein SMS kommt.» Erst in diesem sei dann jeweils Zeit und Ort des nächsten Arbeitseinsatzes kommuniziert worden. Rund um die Uhr hätte er in Bereitschaft stehen müssen. Und sein Anwalt bemerkte noch, dass der Verdienst von monatlich 3700 Franken «nicht annährend ein angemessener Lohn» für einen Chauffeur sei, der auch am Sonntag und in der Nacht arbeiten müsse.

Doch die Klage kam ins Wanken. Als Beweis für seine Forderung aus Überstunden sowie Nacht- und Sonntagszuschlägen führte der Kläger eine in der Slowakei selber veranlasste Auswertung seines Fahrtenschreibers ins Feld. Die ausgewertete Zeitspanne von einigen Monaten rechnete er auf rund drei Jahre hoch, in denen er im Thurgau arbeitete. Auf der Auswertung war gemäss Gegenpartei aber beispielsweise auch eine Fahrt mit einem slowakischen LKW registriert, mit dem der Thurgauer Spediteur rein gar nichts zu tun habe. An einem Tag betrug die erfasst Arbeitszeit über 21 Stunden, weil offensichtlich die Karte im Fahrtenschreiber des Lastwagens stecken gelassen wurde.

Der Verteidiger des Transportunternehmens, das vor allem Kühltransporte ausführt, blieb vor Gericht cool. Die 220 Seiten ausgewerteter Daten halten für ihn vor Gericht nicht stand, weil sie nicht durch Polizei und Kanton geprüft seien. «Wer einen Prozess führt, hat Beweise zu erbringen, ansonsten ist die Klage abzuweisen», sagte der Anwalt des Angeklagten. Auch die Forderung eines 13. Monatslohns sei unbegründet. Vor zwei Jahren sei ein solcher für alle Angestellten seines Mandanten eingeführt worden. Dabei wurde jedoch der gleichbleibende Bruttolohn auf 13 statt 12 Tranchen aufgeteilt. Auch von Bereitschaft rund um die Uhr könne keine Rede sein. Es bestünden Einsatzpläne. Nur gerade die Infos zu den genauen Touren würden am Vorabend per SMS verschickt. Die Zuschläge für die Arbeit in den Nachtstunden seien ausserdem als Zeitzuschläge abgegolten. Und es sei «blanker Unsinn» zu behaupten, ihm sei nicht bewusst gewesen, dass Sonntagseinsätze anfallen würden.

Das Gericht gab zu verstehen, dass die meisten Ansprüche des Klägers weder vertraglich noch rechtlich abzuleiten seien. Es sah es jedoch als erwiesen, dass nicht alle Ferientage hätten bezogen werden können. Der Slowake und sein ehemaliger Arbeitgeber konnten sich an der Verhandlung aber nicht einigen. Das Gericht wird sein Urteil später fällen.

Silvan Meile

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