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Ein bisschen wie Formel 1 am Untersee

Das Alltagsgesicht weicht der Attraktion. Geratter und Geknatter statt idyllischer Umgebung. Perfektes Herbstwetter statt Nebelsuppe am Untersee. Hunderte Boliden statt Ruhe im historischen Städtchen. Staunende Kinderaugen und begeistertes Lachen statt Alltagsgesichter.
Samuel Koch
Ein Renngespann auf dem LCR-König, Baujahr 1975, unterwegs. (Bild: Reto Martin (Reto Martin))

Ein Renngespann auf dem LCR-König, Baujahr 1975, unterwegs. (Bild: Reto Martin (Reto Martin))

Das Alltagsgesicht weicht der Attraktion. Geratter und Geknatter statt idyllischer Umgebung. Perfektes Herbstwetter statt Nebelsuppe am Untersee. Hunderte Boliden statt Ruhe im historischen Städtchen. Staunende Kinderaugen und begeistertes Lachen statt Alltagsgesichter. Tausende Besucher statt menschenleere Strassen. Jubiläum statt Jungfernfahrt. Memorial Bergrennen 2015 statt normales Septemberwochenende in Steckborn.

Ein Rennen, das keines ist

Röhrende Maschinen aller Art mit teils ohrenbetäubendem Lärm waren dieses Wochenende zurück auf der 2,8 Kilometer langen Strecke, die über neun Kurven und einige Schikanen hinauf zum Eichhölzli führte. Nach 2010 fand endlich wieder ein Bergrennen statt, mögen viele Rennsportfans in der Region gesagt haben. 60 Jahre nach der Erstaustragung haben schnittige, blitzschnelle, nostalgische und spezielle Karossen am Seerücken die Herzfrequenz Tausender Rennsportfans in die Höhe getrieben.

Dabei war das Rennen erstmals gar kein Rennen mehr, sondern eher ein Schaulaufen, der einem Catwalk berühmter Models ähnelte. Erstmals gab es keinen Sieger, keinen Zweitplazierten und keinen Verlierer am Memorial. «Es sind alles Gewinner», sagte OK-Chef Kurt Krucker. Vor allem der finanzielle Aufwand für die Zeitmessung und die zusätzliche Sicherheit waren das Zünglein an der Waage. «Trotzdem stoppen einige Fahrer ihre Zeit und vergleichen sie mit anderen», gab Krucker schmunzelnd zu.

Rennwagen um Rennwagen, Oldtimer um Oldtimer, Töff an Töff und viele geschichtsträchtige und schnittige Karossen reihten sich am Bahnhof und an der Seestrasse bereits in den frühen Morgenstunden auf – gegenseitiges Bestaunen und Fachsimpeln inklusive. Trotz teils stickiger und CO2-haltiger Luft wurden überall Fotoapparate gezückt und Blitzlichter waren allgegenwärtig. Sehen und gesehen werden – ein bisschen Formel 1 am Untersee.

Für jeden etwas dabei

Einige Fahrzeuge krackselten förmlich den Berg hoch. Einige davon haben schon deutlich mehr Jahre auf dem Buckel als die Lenker hinter deren Steuer. Einigen hört man das Alter an, obwohl das der Begeisterung bei den Rennsportfans keinen Abbruch tat. Tausende klatschten am Streckenrand begeistert in die Hände oder winkten den Teilnehmern zu. Manchmal rollte sogar die Welle über die extra aufgebaute Tribüne am Streckenrand. Ob mit oder ohne Gehörschutz, ob mit oder ohne Fachwissen, ob in der Wiese am Strassenrand mit Wurst und Bier oder im VIP-Zelt mit Cüpli und Canapés – das Memorial bot für jeden etwas. 100 Helfer von verschiedensten Dorfvereinen halfen bei einem gelungenen Bergrennen ohne gröbere Zwischenfälle mit. Der ACS als Mitorganisator informierte die Besucher über die Fahrzeuge. «Jedes Auto hat eine Seele», tönt es aus den Lautsprechern. Im Städtchen selbst zeigten sich die Steckborner als beste Gastgeber. Einige Anwohner liessen ihre Gärten und Garagen kurzerhand in Verpflegungsstände umfunktionieren.

Am Steuer der Karossen sassen auch viele Lokalmatadoren. Walter Labhart mit seinem Morgan +8, Jahrgang 1973 und 140 PS oder Herbert Bürgi mit seinem Jawa 600 Roadster, Jahrgang 1940 und 20 PS. Im Zielgelände kam Bürgi ins Schwelgen. Seine Augen leuchteten vor Freude. Der Steckborner stellte der Rennorganisation sogar seine Autogarage zur Verfügung. Da verzieh sie ihm auch die fehlenden Nummernschilder.

Andere Teilnehmer reisten aus der ganzen Schweiz an den Untersee. Ob Britische Oldtimer, Rennschlitten, getunte US-Karossen oder Motorräder mit oder ohne Seitenwagen – jedes Fahrzeug glänzte als Schmuckstück aus der Masse heraus. Peter Herzog aus Ermatingen stellte mit seinem olivgrünen Buick D45, Jahrgang 1916 und 45 PS den ältesten original erhaltenen Oldtimer im Teilnehmerfeld. Sogar das Siegerfahrzeug der Erstaustragung von 1955, ein Jaguar XK 120 von 1949, war am Start. Total steuerten über 280 Teilnehmer ihren Beitrag zum Bergrennen bei.

Moderne trifft Nostalgie

Und auch die Moderne fand am Memorial in Steckborn ihren Platz. Am Ende des Feldes reihten sich kaum hörbar die neusten Elektroautos ein. Das Memorial Bergrennen Steckborn 2015 war ein voller Erfolg – obwohl es überhaupt kein Rennen war.

Sabine und Peter Herzog aus Ermatingen mit dem Buick D45, Jahrgang 1916, im Fahrerlager. (Bild: Reto Martin (Reto Martin))

Sabine und Peter Herzog aus Ermatingen mit dem Buick D45, Jahrgang 1916, im Fahrerlager. (Bild: Reto Martin (Reto Martin))

Der Steckborner Ueli Aeberli mit seiner roten Chevrolet Corvette C1, Jahrgang 1960, braust in Richtung Eichhölzli. (Bilder: Reto Martin)

Der Steckborner Ueli Aeberli mit seiner roten Chevrolet Corvette C1, Jahrgang 1960, braust in Richtung Eichhölzli. (Bilder: Reto Martin)

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