Ein Beistand auf 100 Einwohner

Seit drei Jahren gibt es die Regionale Berufsbeistandschaft Bezirk Münchwilen. Die Unterstützung hilfsbedürftiger Menschen hat sich merklich verbessert. Die Unterschiede der Klientenzahlen pro Gemeinde sind dennoch frappant.

Hans Suter
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Das Wohl der Mandanten zum Ziel: Geschäftsführer Dario Schlegel lobt die Zusammenarbeit mit Kesb, Trägerverein und Gemeinden. (Bild: Hans Suter)

Das Wohl der Mandanten zum Ziel: Geschäftsführer Dario Schlegel lobt die Zusammenarbeit mit Kesb, Trägerverein und Gemeinden. (Bild: Hans Suter)

MÜNCHWILEN. Im Vormundschaftswesen ist nichts mehr, wie es einmal war. Das merkt man allein an den Bezeichnungen und Betitelungen. Früher wurden Menschen in besonderen Situationen, die nicht mündig waren oder als nicht urteilsfähig beurteilt wurden, bevormundet. Die Vormundschaftsbehörde der Wohngemeinde – egal wie gross oder klein – war zuständig. Heute werden diese Menschen nicht mehr bevormundet, nein, ihnen wird beigestanden, und zwar von professionellen Beiständen.

Grosse Veränderungen

Menschen, die Hilfe benötigen, erfahren heute in vielen Fällen eine noch zielgerichtetere Unterstützung als früher. Ursprung dieser Veränderung ist eine Änderung in der nationalen Gesetzgebung. Am 1. Januar 2013 wurden die Vormundschaftsbehörden in der ganzen Schweiz durch die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden (Kesb) abgelöst. Die Kesb sind für zahlreiche Aufgaben in den Bereichen Vormundschaft, Beistandschaft, Kindesschutzmassnahmen und ähnliches mehr zuständig.

Sonderfall Bezirk Münchwilen

Viele Gemeinden sind zu klein, um eine professionelle Beistandschaft zu gewährleisten. Deshalb haben sich viele von ihnen mit anderen Gemeinden zusammengeschlossen. Ein Sonderfall im Kanton Thurgau ist der Bezirk Münchwilen. Hier haben alle 13 Gemeinden den Verein «Regionale Berufsbeistandschaft Bezirk Münchwilen» (RBBM) gegründet und nehmen die entsprechenden Aufgaben gemeinsam wahr. Bereits vor der Gründung der Kesb erfüllten mehr als ein halbes Dutzend Gemeinden im südlichen Thurgau die vormundschaftlichen Belange gemeinsam. Geschäftsführer der RBBM ist Dario Schlegel. Ihm steht an den zwei Standorten Sirnach und Aadorf ein Team von zehn Berufsbeiständen sowie acht Mitarbeitenden in den Bereichen Sachbearbeitung und Buchhaltung zur Seite. Die RBBM betreut in den 13 Gemeinden mit 44 860 Einwohnern 466 Mandate. Statistisch bedarf somit eine Person pro 100 Einwohner einer Hilfe der Berufsbeistandschaft. Gemäss Zivilgesetzgebung (ZGB) wird unterschieden in Begleitbeistandschaft, Mitwirkungsbeistandschaft, Kombination von Beistandschaften und umfassende Beistandschaft. Die Entscheidung, wer einen Beistand benötigt, welcher Art dieser sein soll und welche Person ernannt wird, entscheidet die Kesb. Die Berufsbeistandschaft hat nur ausführende Wirkung und legt der Kesb im Rhythmus von zwei Jahren einen Bericht mit Rechnungsabschluss vor.

Grosse Unterschiede

Die Kosten für die Beistandschaften trägt der Steuerzahler. Die Mandanten selber können je nach Einkommens- und Vermögenssituation mit einer Gebühr von 1400 bis 4000 Franken für zwei Jahre belastet werden. Auf den ersten Blick auffallend ist im Bezirk Münchwilen, wie gross die Unterschiede der Klientenzahl im Verhältnis zur Einwohnerzahl ist. Aadorf mit 8555 Einwohnern hat aktuell 54 Mandate, Sirnach mit 7496 Einwohnern das Doppelte (109). Augenfällig sind auch Braunau mit nur drei Mandaten (755 Einwohner) und Rickenbach mit 51 Mandaten (2715 Einwohner).

RBBM-Geschäftsführer Dario Schlegel hat die Klientenzahl mit der Sozialhilfequote verglichen. «Dabei hat sich eine weitgehende Übereinstimmung gezeigt.» Die entstehenden Kosten von rund zwei Millionen Franken tragen die Gemeinden: 50 Prozent werden auf alle Gemeinden nach Einwohnerzahl verteilt, 50 Prozent der Kosten tragen die Gemeinden entsprechend ihrer Anzahl Mandate.