Ein Baum ist eine Kugel

Dem Brandkrustenpilz sei Dank. Aus einem kranken Baum ward eine Kugel. Gestern ist das Kunstobjekt installiert worden.

Mathias Frei
Drucken
Teilen
Drei Männer und eine Kugel: Stadtgärtner Andreas Weber, Holzkünstler Wolfgang Kappeler und Kulturförderer Christof Stillhard. (Bild: Mathias Frei)

Drei Männer und eine Kugel: Stadtgärtner Andreas Weber, Holzkünstler Wolfgang Kappeler und Kulturförderer Christof Stillhard. (Bild: Mathias Frei)

Dem Brandkrustenpilz sei Dank. Aus einem kranken Baum ward eine Kugel. Gestern ist das Kunstobjekt installiert worden.

Die Linde an der Hertenstrasse unterhalb des Plättli-Zoos fiel ebendiesem Laubbaumparasiten zum Opfer. Der stattliche Baum war laut Stadtgärtner Andreas Weber zwischen 200 und 250 Jahre alt. Diesen Sommer musste er aus Sicherheitsgründen gefällt werden. Eine junge Linde ist vor einer Woche gleichenorts gesetzt worden. Und nun ist auch die alte Linde an ihren Wirkungsort zurückgekehrt.

Krankes Holz ist spannend

Als der Hüttwiler Holzkünstler Wolfgang Kappeler aus der Thurgauer Zeitung von der geplanten Baumfällung erfuhr, fragte er bei der Stadtgärtnerei an: «Darf ich von der Linde einen <Rugel> haben?» Es würden sich spannende Strukturen ergeben, wenn Holz krank sei, sagt Kappeler. Er hatte diesen August den mobilen Kunstwürfel der Stadt mit der Holzstäbli-Installation «Hktylony» bespielt. Stadtgärtner Weber war begeistert von Kappelers Idee einer Skulptur aus dem Holz der alten Linde. «Mich reut es jedesmal, einen Baum zu fällen», sagt er. So könne man dem Baum, dessen Holz einen zu geringen Brennwert für eine Feuerung gehabt hätte, die letzte Ehre erweisen.

Und das Beste: Diese Huldigung kostet die Stadt nichts. Die Kugel ist eine Geschenk Kappelers. Das Holz wurde ausgebrannt, zugeschnitten, gedrechselt und mit Öl behandelt, damit es nicht fault. Kappeler hat 260 Kilogramm Holz weggearbeitet. Die Kugel, die nun auf einem Sockel thront, wird einiges schwerer sein, 350 oder vielleicht auch 400 Kilogramm.

«Die Kugel ist eine geometrisch perfekte Form», findet Kappeler. Im Gegensatz dazu die Natur: perfekt unperfekt. Natur in Kugelform. So oder so: «Die Leute haben sicher Freude an der Holzskulptur», sagt der städtische Kulturförderer Christof Stillhard.

Aktuelle Nachrichten