Ein Auge auf die Stadtkaserne

Die Frauenfelder Stadtkaserne als Alternative zum Neubau für die Kantonsverwaltung – diese Idee soll die Regierung prüfen lassen, fordern Kantonsräte. Und sei es nur, um für die Abstimmung über den Neubau Argumente zu haben.

Christof Widmer
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Zentral gelegen und verkehrstechnisch optimal erschlossen: Die Stadtkaserne in Frauenfeld. (Bild: Donato Caspari)

Zentral gelegen und verkehrstechnisch optimal erschlossen: Die Stadtkaserne in Frauenfeld. (Bild: Donato Caspari)

FRAUENFELD. Die Idee, die Frauenfelder Stadtkaserne künftig auch als Standort für die Kantonsverwaltung zu nützen, bleibt im Gespräch. Angesichts der Pläne des Regierungsrats, für 40 bis 50 Millionen Franken einen Neubau für die Verwaltung zu erstellen, werden Stimmen laut, die Stadtkaserne als Alternative zumindest zu prüfen. Der Regierungsrat plant den Neubau auf der freien Fläche hinter dem Regierungsgebäude (Ausgabe vom 10. Juni 2015). Das vier- bis fünfgeschossige Bürogebäude soll Raum bieten für 170 bis 190 Arbeitsplätze. Diese sind heute in über 20 Liegenschaften eingemietet.

Auslöser für die Überlegungen, eine Alternative zu suchen, ist ein Vorstoss im Frauenfelder Gemeindeparlament. Er regt an, die Stadtkaserne künftig als Verwaltungsgebäude zu nutzen – für die Stadt- wie für die Kantonsverwaltung (Ausgabe vom 16. Januar). Die Gemeinderäte Stefan Geiges (CVP), Andreas Elliker (SVP) und Susanna Dreyer (CVP) fragen den Stadtrat, ob er mit dem Kanton diesbezüglich Gespräche suchen wolle. Dies sei wegen der Neubaupläne des Regierungsrats umso dringender. Die Antwort des Frauenfelder Stadtrats steht noch aus.

Argumente für Abstimmung

Kantonspolitiker fordern den Regierungsrat dazu auf, der Stadt nicht gleich die Tür zuzuschlagen, sollte sie auf den Kanton zukommen. «Der Regierungsrat ist sehr gut beraten, wenn er die Stadtkaserne als Alternative zum Verwaltungsneubau prüft», sagt FDP-Kantonsrätin Heidi Grau (Zihlschlacht). Die Präsidentin der Geschäftsprüfungs- und Finanzkommission des Grossen Rats will sich damit ausdrücklich nicht gegen den Neubau positionieren. «Es ist aber schwierig, vor dem Volk einen Neubau zu begründen, wenn im Raum stehende Alternativen nicht geprüft worden sind.» Das gelte erst recht für Projekte mit so hohen Kosten. Deshalb müsse jetzt sauber geklärt werden, ob die Stadtkaserne die bessere Lösung für die kantonale Verwaltung ist als ein Neubau.

Einer, der es wissen muss, argumentiert gleich: EDU-Kantonsrat Daniel Wittwer (Sitterdorf) hat quasi im Alleingang erste Pläne für einen Verwaltungsneubau 2005 in einer Volksabstimmung zu Fall gebracht. «Es würde von Weitsicht zeugen, wenn der Regierungsrat Optionen und Alternativen prüft», sagt Wittwer. Das stärke die Position der Regierung gerade im Hinblick auf eine Volksabstimmung. Zudem sei in einem städtischen Umfeld wie Frauenfeld eine übergreifende Planung zusammen mit der Stadt besser, als wenn jeder auf sein eigenes Einzelprojekt eingespurt bleibt, sagt Wittwer.

Ausschlaggebend seien letztlich die Kosten pro eingerichtetem Arbeitsplatz, sagt Wittwer. In diesem Zusammenhang fordert er in einer Motion mehr Transparenz über die Wirtschaftlichkeit und Verhältnismässigkeit von kantonalen Hochbauprojekten. Mehrkosten, die dem Kriterium der Wirtschaftlichkeit und Verhältnismässigkeit widersprechen, sollten demnach separat ausgewiesen werden.

Für Haag keine Alternative

Auch Baudirektorin Carmen Haag hat ein Auge auf die Stadtkaserne geworfen: «Aufgrund der zentralen Lage und der Nähe zu weiteren kantonalen Bauten wäre dieser Standort sicher prüfenswert.» Für sie ist die Stadtkaserne allerdings keine direkte Alternative zum geplanten Neubau. «Die Stadtkaserne ist deutlich kleiner und wäre eher eine Ergänzung statt eine Alternative», sagt Haag. Sie erklärt zudem, dass es bereits zu einem ersten Austausch zwischen dem kantonalen und dem städtischen Hochbauamt bezüglich Stadtkaserne gekommen ist.

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