Ein Archiv für die Wand

LOMMIS. Die Gemeinde Lommis wird auch 2016 einen eigenen Kalender haben: Zwölf historische Aufnahmen werden darin zu sehen sein – zusammengetragen von einem Gemeinderat.

Adrian Grzonka
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Der EHC Weingarten trainiert auf dem Feuerwehrweiher. Diese undatierte Aufnahme ist das Januar-Bild des Lommiser Kalenders 2016. (Bild: pd)

Der EHC Weingarten trainiert auf dem Feuerwehrweiher. Diese undatierte Aufnahme ist das Januar-Bild des Lommiser Kalenders 2016. (Bild: pd)

Die Knaben tragen Wollpullover und Hosen, die Mädchen Röcke und Strümpfe. Drei der Kinder kämpfen um den Puck, andere schauen dem Spiel an den Hag angelehnt zu. Hinter ihnen, wo heute Wohnhäuser stehen, Apfelbäume, so weit das Auge reicht.

Die undatierte Aufnahme zeigt Kinder des EHC Weingarten beim Training auf dem Feuerwehrweiher, dem früheren Wasserreservoir der örtlichen Feuerwehr. Es ist das Januarbild des Lommiser Kalenders 2016.

Kalender statt Dorfmuseum

Bereits zum zweitenmal hat Josef Schönenberger, Gemeinderat von Lommis, einen historischen Kalender mit «alten Ansichten» seiner Gemeinde zusammengestellt.

Begonnen hat das Projekt vor etwa zweieinhalb Jahren: Als Gemeinderat sei er dazu verknurrt worden, am ersten August eine Rede zu halten. Da dies aber «nicht seine grosse Stärke» sei, hätte er nach einer Alternative gesucht – und eine Präsentation zum Thema «Lommis, wie es früher war», zusammengestellt. «Über ein Jahr habe ich im Gemeindeblatt Bewohner gebeten, alte Ansichten der Gemeinde einzusenden.» Rund 400 Fotografien und 50 andere Dokumente, darunter Filme und Landkarten, seien ihm zugekommen. Und die Vorführung war ein grosser Erfolg: «Rund 250 Leute, darunter auch viele Junge, kamen zur Präsentation.»

Danach hätte sich die Frage gestellt, was mit den vielen Dokumenten geschehe. «In Lommis haben wir kein Archiv oder Dorfmuseum», sagt Schönenberger. Das Bedürfnis der Leute, Zugang zu den historischen Zeugnissen zu haben, sei aber offensichtlich gewesen. Also habe er sich für die Herausgabe eines Kalenders entschieden.

Ein Fundus an Geschichten

Wirtschaftlich sei der Kalender 2015 allerdings ein «Verlustgeschäft» gewesen. Nur knapp 100 Exemplare seien verkauft worden. Dies erklärt sich der Gemeinderat damit, dass Bildkalender ein antiquiertes Medium seien: «Gedruckte Kalender sind out. Jeder hat heute in seinem Smartphone einen. Sogar meine Schwiegermutter hat eine Agenda und keinen Kalender.» Dennoch sei der Kalender für viele von grossem Wert: Mit dem letztjährigen Kalender hätte er den ältesten Bewohner von Lommis besucht. Der hätte eine «riesen Freude» gehabt, und fast zu jeder Aufnahme eine Geschichte zu erzählen gewusst. Damit dieses Wissen nicht verlorengeht, wird Schönenberger jedes Monatsbild des Kalenders 2016 mit Dorfbewohnern besprechen und die zusammengetragenen Geschichten monatlich im Gemeindeblatt veröffentlichen.

Eine 336 Jahre alte Karte

Ein Highlight des nächstjährigen Kalenders ist das Titelbild: Es zeigt eine 336 Jahre alte Karte von Lommis, die längst Vergangenes zu Tage bringt: Zwischen Stettfurt und Zezikon war zu dieser Zeit der ganze Immenberg mit Reben bepflanzt. Auch die Ortsnamen werden manch heutigen Betrachter wohl erstaunen: Stettfurt hiess vor gut 300 Jahren «Stetfort» und Immenberg «Imiberg».

Josef Schönenberger Gemeinderat Lommis (Bild: pd)

Josef Schönenberger Gemeinderat Lommis (Bild: pd)

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