Ein Abschied schmerzt immer

WEINFELDEN. Mit Freiwilligenarbeit allein geht es nicht mehr: Die Spitze des Thurgauer Kantonal-Musikverbands will eine professionelle Geschäftsstelle einrichten. Zuvor hat der Verband zwei Jahre vergeblich einen neuen Präsidenten gesucht.

Michèle Vaterlaus
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Der Musikverein Langrickenbach präsentiert am Kantonalen Musikfest in Müllheim Marschmusik mit Evolutionen. (Bild: Donato Caspari)

Der Musikverein Langrickenbach präsentiert am Kantonalen Musikfest in Müllheim Marschmusik mit Evolutionen. (Bild: Donato Caspari)

Heini Füllemann bereitet sich diese Tage auf seine letzte Delegiertenversammlung vor. Nach 24 Jahren wird er am Samstag sein Amt als Präsident des Thurgauer Kantonal-Musikverbands abgeben. Die Suche nach einem Nachfolger hat sich schwierig gestaltet. Denn Füllemann hatte seinen Rücktritt eigentlich bereits vor zwei Jahren per Dezember 2014 angekündigt. Doch der Verband fand keinen Nachfolger. Also hat Füllemann ein weiteres Jahr das Präsidium geführt. Doch um dieses Jahr nicht wieder ohne Kandidaten dazustehen, hat der Vorstand eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die sich auf die Suche gemacht hat. Mit Erfolg. Ruth Gubler stellt sich am Samstag zur Wahl für das Präsidium.

Arbeitsgruppe auf der Suche

«Bevor wir uns auf die Suche gemacht haben, wollten wir eine Analyse machen und herausfinden, wie die Aufgaben im Vorstand verteilt sind», sagt Peter Haag, der den Vorsitz der siebenköpfigen Arbeitsgruppe inne hat. Denn die Gruppe wollte allfälligen Kandidaten genau sagen können, was sie in dem Amt erwarten würde. Klar war von Anfang an: «Niemand wird das Amt mehr so machen können, wie es Heini Füllemann getan hat. Es sind grosse Fussstapfen, in welche die Nachfolgerin tritt.»

Füllemann habe gemäss der Analyse etwa 45 Prozent der Vorstandsarbeit gemacht. «500 bis 600 Stunden Arbeit im Jahr: Das ist, wenn jemand berufstätig ist, kaum zu bewältigen», sagt Haag. Es sei bereits schwierig, Freiwillige zu finden, wenn sich die Arbeit in einem normalen Pensum bewege. «Die meisten sind beruflich derart eingebunden, dass sie keine Kapazitäten mehr haben. Deshalb hatte ja auch der Thurgauer Turnverband Schwierigkeiten, das Präsidium zu besetzen.»

Den Vorstand entlasten

Also schlug die Arbeitsgruppe vor, eine Geschäftsstelle einzurichten. So könne jemand mindestens die Fleissarbeit dem Präsidenten abnehmen. «Das ist eine grosse Entlastung für den Vorstand.» An der Delegiertenversammlung beantragt der Vorstand deshalb die Einführung einer Geschäftsstelle und damit verbunden eine Teilrevision der Statuten. Damit nämlich die Stelle finanziert werden kann, soll der Mitgliederbeitrag um 5 Franken erhöht werden. Die Stelle soll gemäss Haag mit 8 bis 10 Prozent dotiert sein. «Toll wäre es natürlich gewesen, wir hätten bereits Heini Füllemann mit einer Geschäftsstelle entlasten können.»

Füllemann sieht das gelassen. «Manchmal geht es doch schneller, wenn man einen Brief selber erfasst, als wenn man jemandem sagen muss, was er genau machen soll», sagt er. Er habe das Amt immer sehr gerne ausgeführt. Es sei ihm darum nie zu viel gewesen. «Wenn mich jemand fragt, wie viele Stunden ich denn für das Amt geopfert habe, dann muss ich immer sagen: keine.»

Seit 1991 Präsident

Im Thurgauer Kantonalmusikverband übernahm er nach langjähriger Mitarbeit im Vorstand im Jahr 1991 das Präsidium. In dieser Funktion hatte Heini Füllemann in den Organisationskomitees von fünf kantonalen Musikfesten und zahlreichen Kreismusikfesten mitgearbeitet.

Die Arbeit geht nicht aus

Am Samstag werde er vielleicht emotional an der Delegiertenversammlung. «Ein Abschied schmerzt schliesslich immer», sagt Füllemann. Doch die Arbeit geht ihm nicht aus. Er ist noch aktiver Musikant auf dem Euphonium im Musikverein Romanshorn. Er arbeitet nämlich noch auf nationaler Ebene im Verband mit. Sogar international ist Füllemann für die Blasmusik im Einsatz: Er sorgt als Vorstandsmitglied im internationalen Musikverband für gesunde Finanzen.