Eigentlich ist die Wahl geheim

Wahlen und Abstimmungen müssen so konzipiert sein, dass das Wahlverhalten einzelner Personen nicht eruiert werden kann. «Grundsatz der geheimen Wahl» nennen das Staatsrechtler. Dieser Grundsatz gilt auch bei der Wahl des neuen Frauenfelder Stadtpräsidenten am 8. März.

Markus Zahnd
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Wahlkampf- und andere Plakate an der St. Gallerstrasse. (Bild: Stefan Hilzinger)

Wahlkampf- und andere Plakate an der St. Gallerstrasse. (Bild: Stefan Hilzinger)

Wahlen und Abstimmungen müssen so konzipiert sein, dass das Wahlverhalten einzelner Personen nicht eruiert werden kann. «Grundsatz der geheimen Wahl» nennen das Staatsrechtler. Dieser Grundsatz gilt auch bei der Wahl des neuen Frauenfelder Stadtpräsidenten am 8. März. Allerdings gibt es viele Stimmbürger, welche das ihnen zustehende Recht von sich aus aufgeben. Sie erklären zum Beispiel in Leserbriefen, weshalb sie Anders Stokholm, Andreas Wirth oder Roland A. Huber wählen werden.

Wirth lacht auf den Wiesen

Und seit einigen Tagen sind in der ganzen Stadt Plakate mit dem Konterfei der Kandidaten aufgestellt, das lässt auf das Wahlverhalten der Grundeigentümer oder Mieter schliessen. An der Ringstrasse zum Beispiel dominiert der FDP-Mann Stokholm, auf den Wiesen hingegen lacht einem vor allem SVP-Kandidat Wirth an. Plakate von Roland A. Huber indes sucht man bis jetzt vergebens, er hält sich wie angekündigt zurück.

Die Zurückhaltung geht beim Kandidaten der BDP aber nicht so weit, dass er nicht im Internet wäre. Seit kurzem ist seine Website aufgeschaltet. Sowohl Wirth als auch Stokholm bespielen den Internet-Kanal bereits seit längerer Zeit intensiv. Beide präsentieren auf privaten Bildern ihre Familien und Hobbies oder weisen auf Wahlveranstaltungen hin. Nicht fehlen dürfen auch die Listen mit jenen Namen, welche den Kandidaten unterstützen. Auch diese Personen verzichten also freiwillig auf den Grundsatz der geheimen Wahl.

Parolari gibt zu reden

Die Lektüre der Listen ist durchaus interessant. Denn sowohl bei Stokholm als auch bei Wirth fallen Kennern des lokalen (Polit-)Geschehens sofort einige Namen auf. Vielerorts für Gesprächsstoff sorgte der amtierende Stadtammann Carlo Parolari, weil sein Name auf der Liste für Anders Stokholm steht. Auch alt Stadtschreiber Thomas Pallmann ist für Stokholm. Zudem unterstützt der Hüttwiler Schulpräsident Fredi Himmelberger Stokholm, obwohl er ihn gar nicht wählen kann.

Bei Andreas Wirth fallen zum Beispiel der bekannte Frauenfelder Saxophonist Räto Harder, Bürgerpräsident Titus Moser oder auch der ehemalige Gemeinderatssekretär Jost Kuoni auf.

CVP ist beiderorts vertreten

Viele Unterstützer sind Mitglied der Partei des Kandidaten, sind ehemalige oder aktuelle Vertreter der Parteien in verschiedenen Räten. Dann gibt es aber auch jene, die Amtsträger mit einem anderen Parteibuch sind. SP-Nationalrätin Edith Graf-Litscher unterstützt wie der Grünen-Gemeinderat Peter Heri Stokholm. Annina Villiger, einst für Chrampfe & Hirne in den Gemeinderat gewählt, hingegen ist für Wirth. Allerdings ist sie seine Schwägerin. Gespalten ist die CVP, was sich an zwei langjährigen Gemeinderäten zeigt: Während Marcel Epper Stokholm unterstützt, spricht sich Stefan Geiges für Wirth aus.

Ob die Unterstützer, Leserbriefschreiber oder Grundeigentümer dann auch tatsächlich den entsprechenden Kandidaten wählen, wird man allerdings nie erfahren. Denn Wahlen und Abstimmungen müssen, wie erwähnt, so konzipiert sein, dass das Wahlverhalten einzelner Personen nicht eruiert werden kann.

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