Eigentlich gemalte Landschaftsfotografie

FRAUENFELD. Sie malt, was sie sieht. Die Frauenfelder Künstlerin Madeleine Saxer hat sich dem Fotorealismus verschrieben. Heute öffnet in der Stadtgalerie Baliere mit «Momente im Fokus» ihre erste Ausstellung, die zugleich eine Art Retrospektive darstellt.

Mathias Frei
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Kuratorin Milena Oehy und Künstlerin Madeleine Saxer vor einem noch unfertigen Werk. (Bild: Reto Martin)

Kuratorin Milena Oehy und Künstlerin Madeleine Saxer vor einem noch unfertigen Werk. (Bild: Reto Martin)

«Für mich ist das Handwerk. Beobachten und wiedergeben.» Malen habe sehr viel mit Übung zu tun. Sagt Madeleine Saxer, deren Schau an Ölmalerei heute in der Stadtgalerie Baliere eröffnet wird. Damit stapelt die Künstlerin tief. Es ist ihr aber nachzusehen, denn «Momente im Fokus» ist ihre Erstlingsausstellung.

Zeitlose Natur im Bild

Zu sehen sind rund 30 Exponate, grösstenteils in Öl auf Leinwand gemalt. Saxers Arbeiten sind dem Fotorealismus zuzuordnen. Sie malt, was sie sieht. Als Vorlagen verwendet sie eigene Fotografien, die vor allem auf Spaziergängen, Wanderungen oder Reisen entstanden sind. Meist ist es zeitlose Natur, nämlich Landschaften oder auch Makroaufnahmen von Blüten oder Gräsern. Also gegenständlich durch und durch. Genau dieser altmeisterliche Ansatz hat Baliere-Kuratorin Milena Oehy zur Wahl Saxers bewogen. Gleichwohl ist jedem der Bilder auch eine Dynamik inne, sei es das Rauschen des Windes im Laub, das Wellenspiel auf dem Bodensee oder die Wolkenlandschaft.

Die Komposition eines Bildes entsteht für Saxer primär durch die Fotografie. Im Transfer zum Bild passt sie nur noch den Ausschnitt an – und gibt dem Bild mit der Ölfarbe eine faszinierende Farbbrillanz und Tiefe. Dieses zufällige Moment der Natur könne sie nicht selber komponieren, sagt sie.

Spontaner, virtuoser, grösser

Einzelne Exponate sind über zehn Jahre alt. Ölmalerei ist rein vom Material her ungleich aufwendiger als beispielsweise Aquarellieren. Für Saxer ist es deshalb auch eine Art Retrospektive. Sie selber stellt eine Entwicklung zu mehr Spontaneität fest, Kuratorin Milena Oehy wiederum sieht die Bilder virtuoser werden. Auf jeden Fall werden sie im Format grösser.

Dass die Bilder grossflächiger werden, war Saxer indirekt ein Anstoss zur Ausstellung. «Ich hatte keinen Platz, um alle Bilder daheim aufzuhängen», sagt sie. Und die Frauenfelderin malt doch schon seit 17 Jahren. Angefangen hat sie in der Malschule von Vreni Kauth. «Das gab mir damals die nötige innere Ruhe.» Für die Informatikerin, die heute bei einer Firma in der Buchhaltung arbeitet, war die Zeit der künstlerischen Musse immer ein rares Gut. Ihre drei Töchter trugen das ihrige dazu bei, dass Madeleine Saxer oft nur abends oder am Wochenende zum Malen kam.

Respekt und Freude

Mit dieser ersten Ausstellung an die Öffentlichkeit zu gehen, das brauche Überwindung, sagt Madeleine Saxer. «Denn man gibt so viel Eigenes von sich preis.» Einerseits sei also ein gewisser Respekt da, andererseits verspüre sie auch viel Freude, dass es nun so weit komme. «Ich kann mich eigentlich nicht von meinen Bildern trennen, aber trotzdem tue ich es.» Denn Madeleine Saxer braucht ja bekanntlich Platz, weil sie nicht aufhört zu malen.

Madeleine Saxer. Momente im Fokus. Vernissage: heute, 19 Uhr, Einführung durch Kuratorin Milena Oehy. Ausstellung bis 22. November. Fr, 17 bis 20 Uhr, Sa/So, 12 bis 16 Uhr. Stadtgalerie Baliere.