Eiertütschen um offene Läden

Die Kirche will als Mitglied der Sonntagsallianz verhindern, dass Läden am Sonntag und Feiertagen öffnen dürfen. Robert Schwarzer aus Arbon ist Mitinitiator der Allianz. Im Thurgau tritt er gegen den Gewerbeverband an.

Marc Engelhard
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Einkaufen soll an Ostern nicht möglich sein, fordert die Kirche. (Archivbild: Susann Basler)

Einkaufen soll an Ostern nicht möglich sein, fordert die Kirche. (Archivbild: Susann Basler)

FRAUENFELD. Robert Schwarzer ist spät dran: Für Ostern muss er noch Schoggieier und Schoggihasen kaufen. Seine Kinder sind zwar schon erwachsen, Schokolade gibt es aber trotzdem zu Ostern. Das hat Tradition. Auf morgen verschiebt der Präsident der Evangelischen Kirchgemeinde Arbon den Einkauf sicherlich nicht: Denn er setzt sich als Mitinitiator der Sonntagsallianz dafür ein, dass sonntags die Läden nicht offen haben. Und am Ostersonntag schon gar nicht.

Die Sonntagsallianz hat ein Referendum gegen das Gesetz eingereicht, dass Tankstellen 24 Stunden lang offen haben und das ganze Sortiment verkaufen dürfen. Ostersonntag ist Jesus Christus auferstanden, was den Sonntag allgemein für Christen zum Tag der Auferstehung macht. «Ostern ist für mich ein sehr wichtiges Ereignis», sagt Schwarzer.

Schwarzer betont, dass die 24-Stunden-Regelung für Tankstellen der erste Schritt sei, Teil der Salamitaktik, um die Ladenöffnungszeiten vollends auszuweiten. Das beweise die GLP. Die Partei habe bereits einen Vorstoss im Nationalrat eingebracht, um die Aufhebung des Nacht- und Sonntagsarbeitsverbots auf alle Läden auszudehnen, die kleiner als 120 Quadratmeter sind. «Das Referendum soll den Dammbruch verhindern», erklärt Schwarzer, der frühere Zentralsekretär der Gewerkschaft Unia. Dass Politiker die Ladenöffnungszeiten verlängern wollen, weil das ein Bedürfnis der Kunden ist, lässt Schwarzer nicht gelten. «Das Volk hat sich in zahlreichen Abstimmungen gegen die Verlängerungen von Öffnungszeiten ausgesprochen.» Er findet, dass Befürworter längerer Öffnungszeiten die Bürger für dumm verkaufen, wenn sie immer wieder Vorstösse machen.

«Es braucht keine Verbote»

Hansjörg Brunner sieht das anders. Der Präsident des Thurgauer Gewerbeverbands setzt sich für liberalere Öffnungszeiten ein. «Es braucht keine Verbote», sagt er. «Wenn Leute zu mir in den Laden wollen, soll ich den aufmachen können.» Die Zeiten hätten sich geändert, es seien viele junge und urbane Menschen in den Thurgau gezogen. Die würden die längeren Öffnungszeiten schätzen, auch am Sonntag und an Ostern. Dass die Kirche sich zum Thema äussert, stört Brunner nicht. Er kämpfe bei der Abstimmung nicht gegen die Kirche, «sondern für längere Ladenöffnungszeiten».

Doch der Gewerbeverband steht vor einem schweren Unterfangen. Im ländlichen Thurgau sind die Menschen eher gegen längere Öffnungszeiten. Anders als in den Nachbarskantonen gibt es hier ein Ladenöffnungsverbot an hohen Feiertagen. 2005 haben sich die Thurgauer auch deutlich gegen eine Gesetzesänderung ausgesprochen, dass Läden an Bahnhöfen und Flughäfen sonntags offen haben und Personal beschäftigen dürfen. Die Mehrheit der Schweizer hat der Vorlage aber zugestimmt. Deswegen werden morgen Läden an Thurgauer Bahnhöfen geöffnet sein. Das sei speziell, meint Schwarzer, dagegen vorgehen wird er aber nicht. «Es ist nicht Ziel der Sonntagsallianz, das Rad zurückzudrehen.»

Für Schwarzer ist klar: «Man braucht freie Tage zur Besinnung, für die Familie, für Freunde, für das gesellschaftliche Leben.» Die Kirche habe die Aufgabe, sich in so wichtigen Fragen zu äussern. «Das macht sie fassbar. Als Kirchbürger würde ich es nicht verstehen, wenn die Kirche zur Aushöhlung des Sonntags nichts sagen würde.»

Die CVP ist nicht dabei

Neben den Landeskirchen sind auch die SP, die Grünen und die EVP in der Sonntagsallianz vertreten. Die CVP hingegen fehlt, was Schwarzer seltsam findet. Warum das so sei, müsse aber die Partei beantworten. Während auf Bundesebene CVP-Politiker an den Beschränkungen der Öffnungszeiten rütteln, wäre die CVP Thurgau als Partner denkbar. Zumal Parteipräsidentin Cäcilia Bosshard sagt: «Mit den Läden, die sich auf dem Areal der Bahnhöfe befinden, und den Tankstellenshops sind wir genügend abgedeckt, mehr und längere Öffnungszeiten braucht es nicht.» Die CVP unterhalte ein gutes, offenes Verhältnis mit der Kirche. Bosshard hält aber fest: «Die CVP fühlt sich nicht einer Kirche verpflichtet und kann den christlichen Gedanken auch ohne die Anbindung an eine Kirche vertreten.»

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