Ehemalige Patienten helfen aktuellen Patienten

In der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen arbeiten seit rund einem Jahr drei Peers mit. Sie sind selber ehemalige Betroffene und haben dadurch eine grosse Vorbildfunktion für die Patienten. Sie zeigen am eigenen Beispiel, wie man aus schwierigen Situationen wieder herauskommen kann.

Caspar Hesse
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Regula Lüthi Pflegedirektorin Psychiatrische Dienste Thurgau (Bild: Caspar Hesse)

Regula Lüthi Pflegedirektorin Psychiatrische Dienste Thurgau (Bild: Caspar Hesse)

MÜNSTERLINGEN. «Die Wege, wie man wieder gesund wird, sind sehr verschieden. Beispiele von gelungenen Genesungen können dabei stark helfen», sagt Regula Lüthi, Pflegedirektorin der Psychiatrischen Dienste Thurgau. Seit rund einem Jahr arbeiten in der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen zwei Männer mit je einer 10-Prozent-Anstellung mit, die ehemalige Patienten sind.

Lohn als Pflegefachperson

Heute wirken sie als Peers, das heisst: Sie ergänzen die Fachleute bei der Behandlung von Patienten, die das selbe durchmachen müssen, was sie schon hinter sich haben. «Die Patienten lernen von ihnen», sagt Lüthi. «...und zwar auch von deren Fehlern», ergänzt Roland Badertscher, HR-Berater im Stab der Direktion der Psychiatrischen Dienste Thurgau.

Peers beziehen den Lohn einer diplomierten Pflegefachperson. In der Schweiz kann man sich in Bern bei Ex-In zu einem Peer ausbilden lassen. Ex-In steht für Experienced Involvement, den Einbezug Erfahrener. Ex-In ist ein Pilotprojekt, das aus dem europäischen Programm Leonardo da Vinci gefördert wird.

Dritter Peer entwickelt Konzepte

Ziel des Projektes ist die Qualifizierung von Psychiatrie-Erfahrenen, um als Dozent oder als Mitarbeiter in psychiatrischen Diensten tätig zu werden, wie es auf der Ex-In-Homepage heisst. In Münsterlingen haben die beiden Mitarbeiter eigene Erfahrungen im Suchtbereich und in der Psychose. Peers gehen daneben einer Teilzeitbeschäftigung nach und stammen aus den verschiedensten Berufen.

Eine weitere psychiatrieerfahrene Person arbeitet im Beirat des AAZ, des Abklärungs- und Aufnahmezentrums, mit, wo Konzepte neuer psychiatrischer Angebote entwickelt werden.

Abklärungszentrum etabliert

Nach drei Jahren Versuchsphase ist das AAZ seit diesem Juli in der Regelversorgung. Dort wird eine Triage vorgenommen. Der Patient soll eine möglichst passgenaue Behandlung erhalten. Die Klinik Münsterlingen wird noch ein weiteres Jahr Erfahrungen sammeln.

Besonders weit fortgeschritten in der Integration von Peers sind in der Schweiz das Sanatorium Kilchberg und die Klinik Pfäfers.

www.ex-in-bern.ch www.aaz-tg.ch

Roland Badertscher Stab Direktion/HR-Berater Psychiatrische Dienste Thurgau (Bild: Caspar Hesse)

Roland Badertscher Stab Direktion/HR-Berater Psychiatrische Dienste Thurgau (Bild: Caspar Hesse)