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EGNACH: Protest gegen die soziale Kälte

Mit einem Warnstreik verliehen die gekündigten Mitarbeiter der Zinctec AG und die Gewerkschaft Unia ihrer Forderung nach einem fairen Sozialplan Nachdruck. Die Minustemperaturen spiegelten das soziale Klima wider.
Max Eichenberger
Bei bitterer Kälte halten die Zintec-Mitarbeiter ihren zweistündigen Warnstreik ab. (Bild: Max Eichenberger)

Bei bitterer Kälte halten die Zintec-Mitarbeiter ihren zweistündigen Warnstreik ab. (Bild: Max Eichenberger)

Max Eichenberger

max.eichenberger@thurgauerzeitung.ch

Die traditionsreiche Verzinkerei wird Ende April ihren Betrieb einstellen. Betroffen sind gut vierzig Mitarbeiter. Viele sind schon seit vielen Jahren im Unternehmen tätig. Über die Betriebseinstellung waren sie Ende letzten Jahres, ohne Einbezug der Sozialpartner, informiert worden.

«Fadenscheiniges» Konsultationsverfahren

Das Konsultationsverfahren, das die Firmenleitung eröffnet hatte, bezeichnet die Gewerkschaft als «fadenscheinig». Personalkommission und Unia hatten gemeinsam Verhandlungen über einen Sozialplan gefordert, denen sich die Geschäftsleitung bisher verweigert hatte. Ende letzter Woche hat die Personalversammlung deshalb Kampfmassnahmen beschlossen. Bei minus neun Grad, sie fühlen sich wegen des bissigen Nordostwindes wie zwanzig Minusgrade an, hält ein Grossteil des gekündigten Personals auf dem Vorplatz des Firmengeländes, begleitet von Gewerkschaftsvertretern, an diesem Montagmorgen einen Warnstreik ab. Die meteorologische Kälte passe zur sozialen Kälte, bestätigt Unia-Mediensprecher Stefan Brülisauer den allgemeinen Eindruck vor Ort.

Die gekündigten Beschäftigen harren bei der zweistündigen Aktion mit dicken Wollmützen aus und schwenken vor den Fabriktoren die entrollten Unia-Fahnen, die aus dem Lager in Engelburg herbeigeschafft und entrollt worden sind. «Skandalöse Massenentlassung bei Zinctec», prangt in grossen Lettern auf einem aufgehängten Transparent. Eiligst werden noch Baustellenheizungen in Betrieb genommen. Die Streikenden wärmen ihre trotz Handschuhen klammen Finger an den Kaffeebechern auf. «Wir reden über ein Unternehmen, das nicht defizitär ist und trotzdem komplett schliesst», macht Jakob Auer, Präsident der Gewerkschaft Unia, sein Unverständnis über den Schliessungsentscheid kund. Und auch über die Kaltherzigkeit der Arbeitgeberschaft, die sich trotz mehrmaliger Aufforderung zu Verhandlungen verschanzt hat – «wie feige Memmen», so Auer: «Man kann Mitarbeiter nicht einfach wegwerfen wie ein Stück Dreck», brüllt er mit klappernden Lippen. Einer von ihnen ist Thomas Zemp, bald 56-jährig. Schon als Schuljunge habe er in der «Verzinki» ein Sackgeld verdient, sagt er. Seit 27 Jahren arbeitet er im Betrieb. Und Ende April sei nun einfach Schluss. Das schlägt ihm auf den Magen. Er kann nicht mehr richtig schlafen. Und er weiss nicht, wie es weitergeht – «in meinem Alter».

Ein Zaungast mit einem Angebot

Viele der Streikenden beklagen die Intransparenz von Seiten des Betriebs. Es sei wenig und dann auch widersprüchlich informiert worden – mit Argumenten, die kaum nachvollziehbar waren. Dass es angeblich daran liegt, dass für den Betriebsunterhalt die Mittel nicht mehr ausreichten, kann niemand glauben. Die Belegschaft fühlt sich verschaukelt. Die eisigen Gipfeli werden an der Gasheizung gewärmt. «Jeder nimmt eine Unia-Fahne», ruft ein Funktionär. Und dann stehen sie hin, zeigen Einigkeit und demonstrieren Kämpferwillen.

Etwas abseits verfolgt Heinz Schmidhauser die Szenerie. Er ist für das Unternehmer-Netzwerk Adlatus tätig und sei, sagt er, von der Zinctec-Geschäftsleitung beauftragt, Regelungen für die gekündigten Mitarbeiter über die Sozialfürsorgestiftung einzufädeln «im Sinne eines freiwilligen Sozialplans». Die Stiftung verfüge noch über Mittel – in welcher Höhe, konnte er nicht sagen.

Das mögliche Angebot dürfte weit weg sein von einem ordentlichen Sozialplan, der diesen Namen auch verdiene, sagt Unia-Mediensprecher Stefan Brülisauer. Er bezweifelt, dass in dieser Stiftung ein ausreichender Betrag zur Verfügung steht. «Bei vergleichbaren Fällen rechnen wir mit fünf Millionen Franken, die nötig wären, um einen von uns geforderten fairen Sozialplan abzuwickeln», sagt Brülisauer. Soviel dürften im Kässeli bei weitem nicht liegen. «Das Unternehmen müsste selber noch Kapitel bereitstellen», fordert er. Am Mittwoch, habe die Geschäftsleitung signalisiert, sollen angeblich Gespräche stattfinden. Allerdings unter der Bedingung, dass Streiks unterlassen werden. Brülisauer: «Worauf wir pochen, sind nicht nur Gespräche, vielmehr richtige Verhandlungen über einen echten Sozialplan.»

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